Lilo David 

Ihre Reise kann beginnen

 


Luna Tu...........

 

Luna 

1. Kapitel

Was für ein gottloses Wetter, um das Wochenende im Landhaus zu verbringen. Zara zog mit leichtem Schaudern die Fenstervorhänge zurück und betrachtete den prasselnden Regen. Sie wäre gerne ein wenig spazieren gegangen, aber bei einem solchen Hundswetter würde ihr nichts weiter übrig bleiben, als im Haus zu bleiben.
Natürlich war es ihre Entscheidung gewesen, nach St. Nicholas at Wade zu fahren und nur selten ließ sie von einem Vorhaben ab.

Schon vor längerem hatte sie beschlossen, das nächste Wochenende, an dem sie keine Termine wahrnehmen musste, der Großstadthektik zu entfliehen. Zum einen hatte Zara ihre Prinzipien, an denen sie unter keinen Umständen rüttelte, und zum anderen hasste sie spontanes Abreisen. Wenn schon alles um sie herum in Chaos versank, so sollte wenigstens ihr Privatleben in ruhigen Bahnen verlaufen.
Wie geplant fuhr sie deshalb am späten Nachmittag des 13. Aprils mit ihrem kleinen Mini die M2 in Richtung Meer hoch. Der Verkehr war nicht besonders stark und mit jedem Kilometer, den sie von London nach St. Nicholas at Wade zurücklegte, freute sie sich auf zwei herrlich ruhige und entspannte Tage.

Das kleine Städtchen lag in der Grafschaft Kent und war gut 65 Kilometer von London entfernt. St. Nicholas at Wade war für sie mehr als nur eine Kleinstadt. Es war ihre ganz eigene Insel, auf die sie sich zurückziehen konnte, wenn sie Ruhe und Abgeschiedenheit suchte.

Nach dem Tod ihrer Großmutter hatte sie deren Cottage geerbt und fuhr so oft es ihre Zeit zuließ dorthin. Alles war hier anders als in ihrer Stadtwohnung, die mit Designermöbeln und schlichter Eleganz überzeugte. Passend eben für eine junge aufstrebende Londoner Werbefachfrau, wie ihre Freunde ihr immer wieder einzureden versuchten.
Das Landhaus war verspielt, fast schon kitschig anmutend eingerichtet und genau das entsprach weitaus mehr ihrer Seele als die kalte Einrichtung in London.

Anders als erhofft war Zara in London nie richtig heimisch geworden und das einzige, was sie hielt, war ihre Arbeit, die ihr leider viel zu wenig Zeit für andere Dinge ließ.
Zara sehnte sich oft nach der vertrauten und urwüchsigen Landschaft ihrer Kindertage. Sie wusste, dass, wenn sie die blau gestrichene Tür zum Cottage auftat, sich ohne großes Zutun eine innere Wandlung vollziehen würde. Und wie durch Zauberhand und seltsame Magie wurde aus ihr wieder das natürliche junge Mädchen von einst, das gerne und stundenlang am offenen Ofen saß, die Nase tief in einem Buch vergraben, während sich der Duft von Plätzchen im Haus verteilte.

Längst jedoch war diese Zeit vorbei und der Duft anderen, neuen Gerüchen gewichen. Plätzchen gab es nur noch selten, es sei denn sie buk sie selbst. Die Kindertage lagen weit hinter ihr und dennoch konnte sie sich diesem fühlbaren Zauber nicht entziehen. Egal, wo sie sich befand. Nur hier im alten Cottage spürte sie ihre Wurzeln und blickte in ihre Vergangenheit.

Es regnete immer noch in Strömen und es sah nicht so aus, als würden die Wolken in den nächsten Stunden aufreißen und aus einem stürmischen Tag einen guten werden lassen.
Ihr Blick schweifte vom Fenster hinüber zur kleinen Anrichte, auf der sie liebevoll mehrere Bilder arrangiert hatte. Eines zeigte sie zusammen mit ihrer Großmutter. Sie musste so ungefähr zehn Jahre alt gewesen sein, als diese Aufnahme entstanden war.

Je länger sie das Bild betrachtete, desto bewusster wurde ihr, dass sie nur hier in St. Nicholas at Wade die Geborgenheit fand, nach der sie anderswo verzweifelt suchte.

Suchend sah sie sich nach weiteren Indizien dafür, dass dieses Cottage ihr Zuhause war, im Zimmer um. Ihr Blick heftete sich plötzlich auf den selbstgehäkelten Tischläufer, der zur Zierde auf dem runden Tisch gleich neben dem Fenster unter all dem Kitsch lag, von dem sie sich aus sentimentalen Gründen nie hatte verabschieden können.
Wie lange mag es wohl her sein, dass sie ihre Großmutter mit dieser Häkelarbeit auf dem Schoß im Wohnzimmer hatte sitzen sehen? Vielleicht zehn Jahre oder noch länger, erinnerte sie sich wehmütig. Mit langsamem Schritt ging sie zum Fenster hin und berührte nur leicht mit den Fingerspitzen die feine Bordüre des Tischläufers.
Amüsiert fiel ihr plötzlich ein, welche Reaktion er bei ihrer besten Freundin Susan ausgelöst hatte. Kurz nach dem Tod ihrer Großmutter war es Susan gewesen, die ihr geholfen hatte, das Cottage vom Trödel, wie Susan es mit leichtem Augenzwinkern nannte, zu befreien.

„Alles nur unnötiger Ballast, der dir Platz wegnimmt“, waren ihre Worte gewesen und ganz besonders beim Anblick des Läufers hatte sich Susans Gesicht zu einer verständnislosen Grimasse verzogen. Selbst nachdem Susan mit Engelszungen auf sie eingeredet und unzählige Bemerkungen wie "Du bist und bleibst ein hoffnungsloser Fall von sentimentaler Romantik" oder "unerträglicher Kitsch …" fallen gelassen hatte, so hatte sich Zara nicht dazu entschließen können, auch nur einen Teil davon wegzuwerfen.
Es zu tun hätte bedeutet, ein Stück ihrer Vergangenheit aufzugeben. Sie hing nun mal an diesen Kleinigkeiten, auch wenn Susan es nicht verstehen konnte oder wollte.

'Von mir aus können alle über mich denken was sie wollen', dachte Zara entschlossen. Was war schon dabei, sich den Luxus einer gewissen Sentimentalität zu erlauben in einer Zeit, in der fast jeder bestrebt war, Altes durch Neues zu ersetzen?
Anders als in London blieb in St. Nicholas at Wade die Zeit auf eigenartige Weise stehen. Das, was einem anderswo als wichtig erschien, wurde hier nichtig und klein und verblasste zunehmend im Nebel der Bedeutungslosigkeit.

Hier war es für niemanden wichtig zu wissen, wer oder was man war und niemand rümpfte die Nase, wenn man in Schlabberpullover und Jogginghose ins Dorf fuhr, um seine Einkäufe zu erledigen.
Bei dem Gedanken an Mr. Price, dem das einzige Lebensmittelgeschäft gehörte und aus dem über die Jahre hinweg ein mittlerweile älterer, kahlköpfiger und rundlich aussehender Herr geworden war, huschte Zara ein Lächeln über ihr Gesicht. So wie damals, als sie Kind war, kündigte noch heute dieselbe Türglocke jeden neuen Kunden an und selbst die Ladentür war nach wie vor bis auf einen neuen Anstrich nie verändert worden.

Jedes Mal, wenn sie die hölzerne Tür öffnete und die Türglocke mit ihrem satten Ton hörte, spürte sie etwas Altvertrautes. Und wenn Mr. Price sie dann auch noch mit den gleichen Worten wie in früheren Jahren: „Nun, junge Lady, was kann ich heute für dich tun?“, begrüßte, fühlte sich Zara wirklich um zwanzig Jahre zurückversetzt.

Nur dass sie sich heute nicht wie früher aus der mit bunten Bonbons gefüllten Dose bediente, die ihr Mr. Price damals nach jedem Einkauf mit seinem typisch spitzbübischem Lächeln hingehalten hatte. Dennoch gehörten sowohl Mr. Price als auch die anderen Erinnerungen zu ihrem Leben. Nirgendwo würde sie glücklicher sein können als hier.

Aus der Ferne hörte sie lauten Donner, der sie abrupt aus ihren Erinnerungen riss. Schlagartig wurde ihr bewusst, dass weder sentimentale Erinnerungen noch ihr Wunsch, Vergangenes noch einmal erleben zu können, je etwas an der Tatsache änderte, dass sie eine erwachsene Frau war, die im nächsten Monat ihren 34. Geburtstag feiern sollte.
Vieles in ihrem Leben hatte sich verändert. Neues war hinzugekommen und nur wenig von wirklichem Wert war geblieben. Sicher waren einige ihrer Träume in Erfüllung gegangen. Und anderes dafür wie Seifenblasen zerplatzt.

Während Freundinnen aus verblassten Kindertagen längst alle verheiratet waren, hatte Zara ihr Glück noch nicht finden können.

Alles eine große Lüge, wenn sie mit aufgesetztem Lächeln auf Fragen, wie es ihr in London ginge oder ob sie glücklich war, mit "Ja, danke ich bin sehr zufrieden" antwortete.
Erst hier in der stillen Abgeschiedenheit, zwischen all dem Kitsch, den Zimmern mit den altrosafarbenen Wänden und passenden Vorhängen, durfte sie sich endlich eingestehen, wie einsam sie sich im Grunde fühlte. Wie sehr sie sich nach einem Mann sehnte, der ihr bis auf den Grund ihrer Seele sah. Einen, der schon beim ersten Blick erkannte, welches zarte und demütige Wesen doch hinter ihrer harten Fassade steckte.

In manchen Nächten verzehrte sie sich geradezu danach und fand nur schwer in den Schlaf. Lange hatte sie mit sich gehadert und gegen ihre Empfindungen einen aussichtslosen Kampf geführt. Bis sie eines Tages einsah, dass es besser war, sich so zu akzeptieren, wie sie nunmal war.
Für eine Weile fühlte sie sich irgendwie von einer quälenden Last befreit. Erst mit der Zeit wurde ihr bewusster, um wie viel schwieriger es war, einen passenden Partner zu finden. Ganz zu schweigen davon, dass sie mit niemandem jemals darüber reden könnte.

Wie sollten andere verstehen wie sie fühlte, wenn sie es nicht einmal selbst so richtig verstand. Sie kannte jedenfalls keinen Menschen, der es nachvollziehen könnte, weshalb sie sich danach sehnte, sich einem Mann unterzuordnen und durch dessen Hand gedemütigt und geschlagen zu werden. Ja, nicht einmal mit Susan würde sie jemals darüber reden können.

Das Hellgrau des Himmels war zwischenzeitlich einem dunklen Grau gewichen und am Horizont tauchten bedrohliche, dunkle Wolken auf. Noch immer prasselte der Regen unaufhörlich gegen die Fensterscheiben und hinterließe mit seinem lauten 'Klick-Klack' an den Scheiben eine fast schon beruhigende Melodie. Auch der Wind war böiger geworden und ließ die Bäume zu seinem Takt tanzen.
'Ein richtiges Unwetter braut sich zusammen', dachte Zara, während sie noch immer gedankenverloren auf die Landschaft sah. Erst als ein Vogel sich auf den kleinen Fenstersims niederließ und genüsslich an einem Wurm pickte, fiel auch ihr wieder ein, was sie über ihren Tagträumen mal wieder völlig vergessen hatte.

'Zara Jones! Du wirst noch verhungern, wenn du weiter herumstehst und vor dich hinträumst', schalt sie sich selber. Kopfschüttelnd drehte sie sich um und ging zum Kleiderschrank. Während sie nach bequemer Kleidung suchte, überlegte sie, was sie für das Wochenende brauchte.
Da im Kühlschrank außer einem halbleeren Marmeladenglas und dem restlichen Abendessen von gestern nichts weiter war, müsste sie also einiges besorgen. Außerdem, sollte das Wetter so kalt und regnerisch bleiben, brauchte sie auch noch Kaminholz.
Um die paar Habseligkeiten zu besorgen, musste sie zum Glück nicht extra nach Herne Bay fahren. Es reichte vollkommen, wenn sie lediglich ins Dorf fuhr und bei Mr. Price vorbeischaute. Es gab kaum etwas, was er nicht hatte. Hastig zog sie ihre alte blaue Jeans und einen warmen Strickpullover über. Eilig verließ sie das Zimmer und lief die Treppe hinunter.

Sie war gerade dabei, sich ihre Jacke vom Garderobenhaken zu nehmen, als ihr Blick in den Spiegel fiel. Zum ersten Mal seit Monaten fiel ihr die Ähnlichkeit zu ihrer Großmutter auf.
Wie diese hatte Zara ein schmales Gesicht, dunkelbraune Augen und lange, lockige, rotbraune Haare. Ihr Kinn empfand sie zwar als ein klein wenig zu spitz, aber dafür war ihre Nase aristokratisch schön gewachsen.

Plötzlich und ohne zu wissen warum, dachte sie gerade jetzt an ihr letztes gemeinsam verbrachtes Wochenende zurück. Ihre Großmutter und sie hatten selten Gründe zum Streiten gehabt. Doch ein Thema, das zwischen ihnen immer wieder für Zwist sorgte, war die Tatsache, dass Zara mit ihren fast 34 Jahren immer noch single war.
Nach Meinung ihrer Großmutter lag es eindeutig an ihrer Enkelin, die anscheinend noch immer nicht wusste, was sie wollte. Und so, als würde ihre Großmutter geradewegs neben ihr stehen, hörte Zara erneut ihre Stimme:
"Glaub ja nicht, dein Prinz steht einfach so vor der Tür. Solange du nicht weißt, was du willst, wird es auch kein anderer wissen und schon gar kein Mann."
"Ich weiß es ja längst. Nur leider geschehen keine Wunder", sagte sie leise zu ihrem Spiegelbild und gab sich und ihrer verstorbenen Großmutter die Antwort, die sie damals schuldig geblieben war.

Der Weg ins Dorf war nicht weit. Eine knappe halbe Stunde würde sie auf der Landstraße brauchen. Dennoch war die Fahrt alles andere als angenehm. Immer wieder musste sie den tiefen und schlammigen Pfützen ausweichen, um nicht stecken zu bleiben. Die Scheibenwischer bemühten sich redlich, gegen den immer stärker werdenden Regen anzukommen, und dennoch war die Sicht schlecht.
Zara mochte die Gegend und ganz besonders die kurze Strecke bis hin ins Dorf. Die Straße führte durch fast menschenleeres Gebiet. Doch hie und da sah man eines der für diese Gegend so typischen, englischen Landhäuser.

Im Frühling und Sommer waren die Gärten von ganz besonderem Reiz. Doch heute war davon nicht all zu viel zu sehen. Statt hell leuchtenden Blüten und strahlend blauem Himmel versank die Welt unter sintflutartigen Wolkenbrüchen und ließ die Landschaft öde und trist erscheinen.
'Wer heute freiwillig aus dem Haus geht, muss entweder verrückt oder hungrig sein', dachte Zara und war heilfroh, endlich das Ortsschild vor sich zu sehen. Noch wenige Meter und sie war am Ziel.

Konnte man noch im letzten Jahr direkt vor den Geschäften auf der Straße parken, so musste man heute in der neuen Parkzone halten. Es waren zwar nur wenige Meter, die man gehen musste. Da es jedoch immer noch wie aus Eimern goss und sie wenig Lust verspürte, bis auf die Haut nass zu werden, suchte sie fieberhaft nach ihrem Regenschirm. Doch aus unerfindlichen Gründen blieb dieser spurlos verschwunden und das, obwohl sie sich sicher war, ihn in London noch im Auto gesehen zu haben.

'Was soll's, dann muss es eben ohne gehen', dachte sie noch und sah im gleichen Moment die vergilbte Tageszeitung auf dem Beifahrersitz liegen. Diese bot zwar nicht den gleichen Schutz wie ein Regenschirm, aber immerhin war es besser als nichts.
Rasch faltete sie die Zeitung in der Mitte zusammen und hielt sie sich über den Kopf, als sie ausstieg. So schnell wie heute war sie noch nie den kurzen Weg bis hin zu Mr. Price' Laden gelaufen. Trotzdem war sie bis auf die Haut durchnässt, als sie die Tür öffnete. Hätte man es nicht besser gewusst, so konnte man glauben, sie wäre geradewegs aus der Dusche gekommen.

Da war es also, das alt vertraute 'Klingeling' der Türglocke, das sie als neuen Kunden ankündigte. Mit kindlicher Vorfreude, Mr. Price endlich wiederzusehen, blieb sie vor dem Verkaufstresen stehen.
Doch anders als sonst stand plötzlich nicht Mr. Price, sondern ein völlig fremder, aber attraktiver Mann vor ihr. Genau der Typ Mann, der bei ihr weiche Knie verursachte und bei dem sie selten mehr als ein dümmliches "Äh" über die Lippen bekam.
Als ihr bewusst wurde, wie sie ihn mit offenem Mund anstarrte – so als ob sie noch nie zuvor einem Mann begegnet wäre – spürte sie auch schon leichte Schamröte aufsteigen.

"Guten Tag. Ich glaube ich sollte Ihnen erst einmal ein Handtuch bringen, bevor ich mich um Ihre weiteren Wünsche kümmere. Sie sind ja völlig durchnässt", sagte er mit einer Stimme, die ihre Knie noch weicher werden ließ. Und als ob es nicht schon peinlich genug war wie sie ihn anstarrte, gab sie ihm die erstbeste Antwort, die ihr in den Sinn kam: "Ich hab meinen Schirm nicht gefunden."
'Wie kann man nur eine so dämliche Antwort geben', fragte sie sich und kam sich vor wie ein Trottel.
"Bei diesem Wolkenbruch hätte ein Schirm auch nicht viel gebracht", sagte er in amüsiertem Ton und betrachtete sie dabei von oben bis unten. Sein Lächeln ließ ihn noch attraktiver aussehen, was Zara nur noch mehr verwirrte.
Stockend brachte sie gerade noch ein "Danke!" zustande und sah ihm dann hinterher, wie er im hinteren Zimmer verschwand. Kurz darauf kam er zurück und hielt ihr das Handtuch entgegen.
"Bitteschön", sagte er freundlich, ohne sein amüsiertes Schmunzeln zu unterdrücken. Schüchtern streckte sie ihre Hand nach dem Handtuch aus und nahm es ihm ab.
Während Zara versuchte, sich möglichst unauffällig ihre nassen Haare und das Gesicht zu trocken, spürte sie fortwährend seinen Blick auf ihrer Haut. Nachdem sie fertig war, faltete sie das Handtuch zusammen und legte es, ohne ein Wort zu sagen, vor ihm auf den Tresen.

Für eine Weile standen sie sich schweigend gegenüber, bis Zara endlich ihre Stimme wieder fand und sich wie beiläufig nach Mr. Price erkundigte.
Peter, wie er sich ihr vorstellte, beantwortete ruhig jede ihrer Fragen, ohne dabei auch nur ein einziges Mal seinen Blick von ihr zu lassen. Zara erfuhr, dass Peter der Neffe aus Kanada war und seit wenigen Monaten in London lebte. Jetzt aber, nachdem sein Onkel erkrankt sei und sich im Krankenhaus befand, sich um dessen Geschäfte kümmerte.
"Und wieso hat Ihr Onkel nie von Ihnen erzählt?", hörte sie sich plötzlich fragen.
"Nun, mein Onkel hatte sicherlich seine Gründe", gab er ihr kurz zur Antwort.
"Und welche, wenn ich fragen darf?"
An der Art, wie Peter sie ansah, erkannte sie, dass sie als Fremde mit ihrer Fragerei zu weit gegangen war. Es gab einfach Dinge, über die man aus unterschiedlichen Gründen nicht sprechen wollte und schon gar nicht mit einer wildfremden Person.
"Nun, ich glaube das geht Sie nun wirklich nichts an", war daher auch Peters Antwort. "Verzeihung", murmelte sie verlegen und sah beschämt durch seine Zurechtweisung auf den Boden.
"Und was darf es nun sein?", fragte Peter sie, als ob nichts geschehen wäre.

'Ach ja, der Einkauf', fiel ihr bei seiner Frage wieder ein. Nervös fuhr sie sich durch die Haare und sah ihm ins Gesicht. Da war es wieder, dieses Lächeln, das sie zum Schmelzen brachte.
"Aa-ll-es …", stotterte sie und fügte schnell noch "und Kaminholz" hinzu. Dass er sich über ihre Verlegenheit amüsierte, war nicht zu übersehen. Und im nächsten Augenblick hörte sie ihn auch schon lachend fragen: "Und was ist für Sie 'alles'?"
Vor Verlegenheit wurde sie ganz rot im Gesicht und wäre am liebsten im Erdboden versunken. Das letzte Mal, dass ein Mann sie so um den Verstand gebracht hatte, war einfach schon zu lange her. Eigentlich konnte sie sich kaum noch daran erinnern.
Ein letztes Mal beschwor sie sich: 'Reiß dich zusammen!' Dann murmelte sie zwischen ihren Zähnen ein "Entschuldigung" hervor und nannte ihm die Dinge, die sie benötigte.

Während Peter zwischen den Regalen nach den Dingen suchte und eines nach dem anderen auf den Tresen stellte, betrachtete Zara ihn ganz genau. Mindestens eineinhalb Köpfe größer als sie musste er sein. Außerdem war er von schlanker Statur und besaß doch genügend Muskeln, um sich anlehnen zu können. Seine Haare waren tief braun, ja fast schon schwarz und seine Augen glichen eher einem dunklen Bernstein.
Als er sich erneut in ihre Richtung drehte, sah sie in ein kantiges, mit Lachfalten durchzogenes Gesicht. Nach ihrer Einschätzung musste er ungefähr in ihrem Alter sein, wenn nicht sogar etwas älter. Das kleine Grübchen am Kinn fiel ihr erst viel später auf und es verlieh ihm irgendwie etwas Geheimnisvolles und ließ ihn noch männlicher auf sie wirken.

'Außerdem … Spricht der Volksmund dem Träger eines solchen Grübchens nicht ganz besondere männliche Eigenschaften zu?' Mehrmals musste sie daran denken, während sie ihm still zusah.
Sie hätte ihm gerne noch ein paar Fragen gestellt. Wie zum Beispiel, wieso er einfach so Zeit fand, sich in St. Nicholas at Wade um die Geschäfte seines Onkels zu kümmern, wenn er doch in London lebte und sicherlich dort auch einer Tätigkeit nachging.
Bei diesem Gedanken fiel ihr ein, dass sie auch gerne gewusst hätte, was genau er beruflich machte. Allerdings in Anbetracht seiner vorherigen Zurechtweisung auf ihre nur allzu neugierige Frage biss sie sich lieber auf die Zunge. Wer weiß? Vielleicht hatten sie schon bald Gelegenheit, sich näher kennen zu lernen und dann könnte sie ihm all diese Fragen stellen.

Während Zara mal wieder vor sich hinträumte, bemerkte sie gar nicht, dass Peter längst schon mit ihren Einkäufen fertig war. Er stand still hinterm Tresen, um sich seine ganz eigenen Gedanken über sie zu machen.
Noch nie zuvor war er einer Frau wie ihr begegnet. Und im Laufe seines Lebens hatte er schon so manche Bekanntschaft von langer oder kurzer Dauer gehabt. Doch etwas an ihr ließ ihn von der ersten Minute an nicht los. Peter wusste es nicht genau. Und doch ahnte er, dass es ihr wohl ebenso wie ihm erging.

Ihre Art und wie sie verlegen hin und wieder zu Boden sah, wenn er seine Stimme senkte und sie ansah, war genau das, was ihn von jeher an einer Frau faszinierte. Dabei wirkte es in keiner Weise kindlich oder aufgesetzt. Alles an ihr deutete darauf hin, dass sie die gleiche Neigung in sich verspürte, wie er sie seit vielen Jahren auslebte.
Wer hätte jemals gedacht, dass er hier und nicht in London bei den unzähligen privaten Gelegenheiten auf ein solches Wesen stoßen würde. Seit er von Vancouver nach London gezogen war und als selbstständiger Grafiker arbeitete, hatte er keine Gelegenheit ausgelassen, um auf besonderen Veranstaltungen nach einem passenden Pedant zu suchen.
Doch die, die ihm dort begegnet waren, waren entweder zu devot oder wirkten einfach zu blass. Keine davon besaß ihre Ausstrahlung und ihren Charme.

Um seine Vermutung jedoch zu bestätigen, musste er noch einen weiteren Schritt in die richtige Richtung tun. Ihm würde schon etwas einfallen. Immerhin galt er in gewissen Kreisen als ziemlich kreativ. Plötzlich entschied er sich, sie doch aus ihren Träumen zu reißen. "Ist das denn alles oder darf es noch etwas sein?"
"Wie bitte?", fragte sie und sah zu ihm hoch.
Mit einer Kopfbewegung deutete Peter auf die Ware, die vor ihm lag. Erst jetzt begriff Zara, was er von ihr wollte.
"Nein, das ist alles. Vielen Dank!" Sie sah hinüber zum Fenster. Entsetzt betrachtete sie den wirbelnden Sturm und die herabprasselnden Regentropfen.

"Wirkt nicht gerade einladend das Wetter oder?" wandte sie sich Peter zu und im gleichen Augenblick als sie es sagte, fragte sie sich, wieso sie das jetzt gerade sagen musste. Peter sah ebenfalls hinüber zum Fenster, dann ging sein Blick langsam zurück zu Zara.
"Nein, nicht besonders", gab er ihr recht. Und gleichzeitig erkannte er die Gelegenheit, die ihm das Wetter bot, um den einen noch verbliebenen Schritt zu tun.
"Wenn du mich schon nach meiner Meinung fragst, dann sollte ich dir diese nicht vorenthalten: Es ist besser, du bleibst hier." Er sagte das so entschieden, dass Zara ihn verblüfft ansah und sich ihre Gedanken beinah überschlugen. Dass er dabei in das vertraute 'du' gewechselt hatte, war ihr überhaupt nicht aufgefallen.

Nervös biss sie sich auf die Unterlippe und überlegte, was sie ihm nun antworten sollte. Es war ja nicht so, dass er ihr nicht gefiel und außerdem hatte er eine so dominante Art, dass ihr fast schwindelig davon wurde. Und dennoch war es bisher schon schlimm genug gewesen, sich ihm gegenüber normal zu verhalten.
Was würde also in seinen Privaträumen mit ihr geschehen, wenn sie ihm sozusagen hilflos gegenüber saß. Schon ein Lächeln von ihm und seine Tonlage reichten aus, um ihr Eis zum Schmelzen zu bringen. Nein, da war es schon besser seine Einladung freundlich aber bestimmt abzulehnen.

"Vielen Dank. Aber ich glaube, es ist besser, wenn ich nach Hause fahre", hörte sie sich daher schneller sagen als beabsichtigt. Kaum hörbar schnalzte Peter mit der Zunge und von einer Sekunde zur anderen veränderte sich sein Auftreten.
Es war sicherlich keine Einbildung ihrerseits, dass sich seine Tonlage bei seinen nächsten Worten veränderte und er mit weitaus mehr Nachdruck wiederholte: "Du bleibst hier und das ist keine Bitte."
Sie glaubte für einen kurzen Moment, sich verhört zu haben. Doch weder seine Blicke noch seine Haltung ließen Zweifel daran aufkommen, wie ernst er es damit meinte.
Zara spürte Gänsehaut bei seinen Worten und wie sich unaufhörlich die Schlinge um ihren Hals fester zusammenzog. Intuitiv hatte Peter sie da gepackt, wo sie am verletztlichsten war. Wie auch immer er es geschafft hatte, ihre Devotion zu erkennen, würde ihr ein Rätsel bleiben und es gab kein Zurück mehr.

Es sei denn, sie würde einfach so tun als wäre nichts geschehen. Es war doch unmöglich, sich diesem Fremden einfach geschlagen zu geben und sich zu schnell seinem Willen zu beugen. Nein, dafür war es noch viel zu früh.
Trotzig gab sie ihm daher zur Antwort: "Soweit ich weiß, bin ich auch alleine hierher gekommen und kann daher auch alleine wieder nach Hause fahren und zwar jetzt."
Sie war schon im Begriff, den Korb, in dem Peter die Lebensmittel verstaut hatte, hochzunehmen, als seine Hände sich auf ihre legten. Seine Blicke gingen so tief in ihre Seele, dass sie zu frösteln begann. Und dennoch bäumte sie sich gegen seine spürbare Dominanz auf.
"Ich kann alleine entscheiden, was ich will. Dafür brauche ich dich nicht“, sagte sie mit zitternder Stimme.

In diesem Moment war Peter klar, dass er sich in ihr nicht getäuscht hatte und wie bereitwillig sie sich ihm hingeben würde. Und doch warnte ihn seine Erfahrung davor, allzu forsch vorzugehen.
Alles würde zu seiner Zeit geschehen. Vorerst war es besser, so zu tun, als würde er sich ihren Argumenten geschlagen geben. Mit einem letzten, durchdringenden Blick sah er ihr ins Gesicht und ließ dann ihre Hände los.

"Warte einen Augenblick", sagte er zu ihr, nahm Block und Stift von der Kassenablage und legte ihr beides hin.
"Und was soll ich damit?", fragte sie leicht patzig. Peter beugte sich ein Stückchen näher zu ihr hinüber. Er sprach leise, aber dennoch kam jedes Wort von ihm genau dort an, wo sich in ihr in Sekundenschnelle ein ganzer Sturm an Empfindungen zusammenbraute. Sie versuchte, sich nicht anmerken zu lassen, was seine Worte in ihr auslösten.
"Du wirst mir deine Telefonnummer und deine Adresse aufschreiben. Und du wirst mich, sobald du zu Hause bist, anrufen. Wenn du es nicht tust, werde ich losfahren und sehen, was passiert ist."
Bevor Zara etwas erwidern konnte, verschloss Peter ihren Mund mit seinen Fingern und ließ ein lautes "Tststs" hören, um dann zum letzten Angriff überzugehen.
"Glaube mir, wenn du nicht anrufst und ich dich wohlbehalten zuhause antreffe, werde ich dir mit Freuden deinen süßen Hintern versohlen." Mit offenem Mund sah Zara ihn an und verließ zornig den Laden. Doch auf dem Weg zum Auto überlegte sie, ob sie es darauf ankommen lassen sollte. 
  


2. Kapitel

Bis zum Auto hatte sich Zara vom Zauber seiner Worte einigermaßen erholt. Was zum einen daran lag, dass strömender Regen auf sie niederprasselte und sie aussehen ließ wie einen räudigen Hund auf der Flucht und zum anderen, weil ihr Zorn über seine Dreistigkeit ihr schlichtweg verbot, überhaupt an ihn in einer anderen Form als mit Wut zu denken.
Obwohl sie zornig auf ihn war und ihre Sinne sie davor warnten, empfand sie ihm gegenüber eine gewisse Neugierde. Ja, man konnte sogar mit Fug und Recht behaupten, er faszinierte sie so sehr, dass sie alle Vorsicht außer Acht ließ.
Natürlich ärgerte es sie maßlos, weil sie wusste, wenn sie sich auf ihn einließ, würde sie mit Haut und Haaren verbrennen. Und doch konnte sie gegen ihr Gefühl nichts tun. Daher tat sie genau das, was die meisten Menschen in einer derartigen Situation tun, wenn sie sich ihrer selbst nicht mehr sicher sein können. Sie verfluchte sich wegen ihrer Dummheit, sich von ihm so verführen zu lassen und nicht zuletzt bedachte sie Peter in Gedanken mit den schlimmsten Worten, die ihr in den Sinn kamen.

Die Bezeichung 'Idiot' war noch die harmloseste Charakterisierung, die sie ihm zuschrieb. Innerlich bebend und kaum fähig, einen klaren Gedanke zu fassen, suchte sie nervös in ihrer Handtasche nach dem Autoschlüssel.
Im Stillen verfluchte sie die Tatsache, dass sie wie jede Frau viel zu viel Dinge mit sich herumschleppte. Schließlich fand sie ihn eingequetscht zwischen ihrer kleinen Schminktasche und der halb zerfledderten Taschentücherpackung liegen. Rasch öffnete sie die Wagentür und stieg ein.
Erst jetzt, als sie hinterm Steuer saß, fiel ihr wieder ein, dass sie den Korb draußen hatte stehen lassen. Wütend über sich stieg sie wieder aus, nahm den Korb und verstaute ihn im Kofferaum.
"Alles deine Schuld", zischte sie zornig zwischen ihren Zähnen hervor als sie mit einem Seitenblick zum Laden zurück zur Fahrertür ging.

'Das kann doch wirklich nicht passiert sein?', fragte sie sich, während sie den Motor anließ. Um sicher zu sein, dass sie nicht träumte, kniff sie sich vorsichtshalber in den Arm.
Autsch, das tat weh. Ganz deutlich sah sie den kleinen roten Fleck auf ihrem Unterarm. Nachdenklich rieb sie die Stelle.
'Also, träumen tu ich nicht. Soviel steht schon mal fest.' Gleichzeitig fragte sie sich jedoch, wie es mit ihr und Peter weitergehen sollte und ob es klug war, ihn wirklich anzurufen. Ihre derzeitige Gefühlswelt glich einem Chaos.
Während sie wegen des Wetters im Schritttempo die Dorfstraße entlang fuhr, musste sie immer wieder an die von ihm ausgesprochene Androhung denken. Nicht, dass in ihren Fantasien solche Handlungen nie vorkamen. Aber jetzt bei der Aussicht, dies womöglich erleben zu können, kam doch so etwas wie Furcht vor ihrer eigenen Courage auf.
Wie so oft im Leben waren auch hier Traum und Wirklichkeit zwei völlig unterschiedliche Paar Schuhe.

Das Einzige, was sie mit Klarheit sagen konnte war, dass ihr Peter gefiel und er genau der Mann war, mit dem ihre Träume vielleicht Wirklichkeit werden könnten. Dennoch war sie sich in Bezug auf das, was sie tun sollte, überhaupt nicht sicher.
Wenn sie es tat, war es dann nicht ein Zugeständnis für was auch immer? Und tat sie es nicht, würde sie dann nicht wissentlich etwas provozieren, von dem sie nicht mal annähernd wusste, was sie dabei wirklich empfinden würde? Noch nie hatte sie in einer derartig verzwickten Lage gesteckt und schon alleine dafür verfluchte sie Peter zum hundertsten Mal.

Dass Peter am Ende auch noch mit dem Wetter Recht behielt, trug nicht unbedingt zu ihrer Laune bei. Aus dem Regen war mittlerweile ein ausgewachsenes Unwetter geworden. Einige Male musste Zara Ästen ausweichen, die der Sturm abgerissen hatte und nun auf der Straße lagen. Mehrmals schlitterte ihr Wagen gefährlich über die nasse Landstraße und die Fahrt war alles andere als ein Vergnügen.
Spätestens jedoch, als ein wirklich dicker Ast sie dazu zwang, ein mehr als waghalsiges Ausweichmanöver zu riskieren, wünschte sie sich insgeheim, sein Angebot nicht so voreilig abgelehnt zu haben. Es bedurfte schon verdammt großer Konzentration, um nicht doch noch auf den restlichen Metern mit irgendetwas Herumliegendem zu kollidieren. Doch wie so häufig konnte Zara sich auch in diesem Fall auf ihren Schutzengel verlassen.
Mit etlichen Schweißperlen mehr auf der Stirn fuhr sie eine Viertelstunde später die kleine Auffahrt zum Cottage hoch.

'Was für ein schauriges Wetter', dachte sie beim Aussteigen nach oben blickend. Der Himmel über ihr war ein einziges Schwarz und nichts deutete darauf hin, dass es sich in absehbarer Zeit ändern würde. Rasch holte sie den Korb aus dem Auto und lief zur Eingangstür.
Drinnen war es alles andere als warm und Zara nahm sie vor, als erstes den Kamin anzuzünden. Die Aussicht, später am lodernden Feuer sitzen zu können und dessen Wärme wohlig auf ihrer Haut zu spüren, machte ihre leidige Laune irgendwie wett. Hastig ging sie daher in die Küche, stellte den Korb auf dem alten Küchentisch ab und kramte zwischen den Sachen nach den Briketts und dem Kaminanzünder.
Aber so sehr sie auch danach suchte, sie fand weder das eine noch das andere. Irgendwann zwischen deutungsvollen Blicken und ihrem Versuch, sich seiner Präsenz zu entziehen, mussten sie es vergessen haben

'Gottverdammter Mist. Jetzt kann ich seinetwegen auch noch frieren.' Sie trat kräftig mit einem Fuß gegen das Tischbein. Übellaunig und mit leicht schmerzendem Zeh verstaute sie die Lebensmittel und setzte sich Teewasser auf. Während sich das Wasser im Kessel erhitzte, ging Zara nach oben ins Schlafzimmer.
Nach wenigen Minuten kam sie mit weitaus besserer Laune und eingehüllt in einem flauschigen Jogginganzug in die Küche zurück. Gerade noch rechtzeitig, um den Kessel, aus dem schon das heiße Wasser sprudelte, von der Herdplatte zu nehmen.
Mit einer erschreckenden Ruhe stellte sie das Tablett auf den Küchentisch und nahm das Kännchen mit dem hellblauen Blumenmuster vom Regal. Sie öffnete die Dose mit dem losen Tee und schüttete einen Teelöffel voll in den Teebehälter. Wenige Sekunden später sah sie mit einem eigenartigen Lächeln zu, wie dieser im heißen Wasser versank. Ob sie dabei an Peter dachte, wusste nur sie allein. Ihrem Blick nach zu urteilen allerdings konnte man es fast vermuten.

Leise eine Melodie vor sich summend stellte sie den Kandis und eine Tasse aufs Tablett und ging dann ins Wohnzimmer. Natürlich war weder ihr Zorn auf Peter noch der Ärger über die vergessenen Briketts verraucht. Doch während sie sich vorhin umgezogen hatte, hatte sie in einer vorübergehenden Einsicht entschieden, sich nicht länger darüber aufzuregen.
Es gab nun mal Dinge, die man nicht ändern konnte, auch wenn man sich noch so sehr darüber ärgerte. Der Tee, eine warme Decke und ihr gemütliches Sofa mussten ihr reichen, um über das, was sie beschäftigte, nachzudenken.

Das breite Sofa war bequem und der Tee tat ihr gut. Die Decke erfüllte trotz ihres beträchtlichen Alters genau ihren Zweck und sorgte für eine angenehm wohlige Wärme. So eingemummelt, den Blick starr zur Zimmerdecke gerichtet, dachte sie nach. Worüber, das wusste sie auch nicht genau zu sagen. Viel zu viele Gedanken gingen ihr durch den Kopf, während sie immer wieder im Geiste Peter vor sich sah.
Dann plötzlich, ohne dass sie hätte sagen können warum, wanderte ihr Blick zum Telefon hinüber. Minutenlang starrte sie es schweigend an. So als hoffte sie, es könnte ihr antworten. Und dann, von einer Minute zur anderen, glaubte sie wirklich, es würde mit ihr reden.
'Komm schon! Du willst es doch tun, also worauf wartest du noch? Nimm den Hörer und ruf ihn an', schien es ihr zu sagen. Für einen kurzen Moment dachte sie wirklich daran, aufzustehen und ihn anzurufen. Und dann im nächsten Augenblick flüsterte eine andere Stimme: 'Lass es! Das hast du nicht nötig.'

Zara war hin und her gerissen von ihrem inneren Kampf zwischen Engel und Teufel. Immer wieder ging ihre Hand zum Hörer und nur mit Mühe widerstand sie dem Zwang, ihn hochzuheben, um Peter anzurufen.
In der Hoffnung, weder die eine noch die andere Stimme weiterhin hören zu müssen, hielt sie sich irgendwann beide Ohren zu. Wenn sie Peter wenigstens aus ihren Gedanken verbannen könnte, würde sie sich wesentlich wohler fühlen, dachte sie, als sie ruhelos im Zimmer auf und ab ging.

"Ich brauche einfach nur Ablenkung. Das ist alles", hörte sie sich sagen. Und noch bevor sie den Gedanken zu Ende führen konnte, wusste sie, was ihr helfen würde. Zielsicher nahm sie eine ihrer CDs aus dem Schrank, ging zur Stereoanlage und legte sie ein. Wenig später lag sie erneut in ihre Decke gehüllt auf dem Sofa und lauschte der einschmeichelnden Stimme ihres Lieblingsinterpreten. Mit jedem Ton spürte sie ihre innere Ruhe zurückkehren.
Als das dritte Musikstück erklang, lag Zara bereits mit geschlossenen Augen auf dem Sofa und lauschte nur noch seiner Stimme. Irgendwann schlief sie darüber ein und trieb hilflos in einen wundervollen Traum hinein.

"Hab ich mich etwa nicht klar genug ausgedrückt? Du solltest mich anrufen." Seine Stimme war nicht zu überhören und seine Körperhaltung deutete an, dass er alles andere als erfreut darüber war, dass sich Zara seiner Anweisung trotzig widersetzt hatte.
"Hast du auch nur die leiseste Ahnung davon, welche Sorgen ich mir deinetwegen gemacht habe? Den ganzen Weg bin ich wie ein Idiot gefahren, nur um dich hier wohlbehalten vorzufinden", sagte Peter und blieb regungslos am Türrahmen stehen. Sein Blick war alles andere als angenehm und seine Augen funkelten gefährlich. Fast glaubte sie, Peter würde sie gleich ohrfeigen, so aufgebracht wirkte er auf sie.
"Weißt du eigentlich, was ich mit Frauen mache, die mich wissentlich provozieren?", zischte er leise zwischen den Zähnen hervor.
"Nein", erwiderte Zara leise und vermied es dabei, ihm direkt ins Gesicht zu sehen. Im nächsten Moment spürte sie seine Hand im Gesicht. Zara war über seine plötzliche Ohrfeige viel zu erschrocken, um etwas sagen zu können.
"Du hast es nicht anders verdient", sagte er leise zu Zara, während sie sich entsetzt über ihre Wange strich. Regungslos, ihn anstarrend, blieb sie vor ihm stehen und selbst wenn seine neuerliche Anweisung.
"Rühr dich ja nicht von der Stelle! Hast du das verstanden?" nicht erfolgt wäre, hätte Zara sich nicht vom Platz gerührt.

Alles ging so verdammt schnell, seit sie ihm die Tür geöffnet hatte. Zara stand im Flur, unfähig, an etwas anderes zu denken, als an die eben erhaltene Ohrfeige. 
Währenddessen war Peter ins Wohnzimmer gegangen. Selbst als er ein paar Minuten später hinter ihr stand und sie seine Wärme spürte, blieb sie regungslos und schweigend stehen. Tausend Mal hatte sie sich danach gesehnt und jetzt als es passierte, fühlte sie sich auf eigenartige Weise beschämt. Dennoch drehte sie sich nicht um, setzte diesem Spiel nicht durch ein einfaches Nein ein Ende.

Etwas in ihr wollte mehr … wollte es fühlen und sich dem Unvermeidlichem ergeben. Sein Atem brannte heiß auf ihrer Haut, als er sich zu ihr beugte. Zärtlich glitten seine Hände ihren Nacken hinab. Vor Begierde taumelnd, endlich ihren kühnsten Träumen zu begegnen, hörte sie ihn sanft fragen: "Bist du bereit, deine Strafe zu empfangen?"

Zara dachte nicht einmal daran sich zur Wehr zu setzen, als Peter ihre Hand nahm und sie ins Wohnzimmer führte. Allein das Wort 'Strafe' löste in ihr eine ganze Flut von unterschiedlichen Gefühlen aus und nichts in der Welt konnte sie daran hindern, sich wie ein Opfer von ihm führen zu lassen. War ihr Widerstand nicht auch deshalb entstanden, um durch ihn endlich das zu erleben, wonach sich ihre Seele seit Monaten sehnte?

So paradox es auch war und so verrückt es sie auch wirken ließ, Zara musste sich ihm hingeben. Nur wenn sie heute den Mut fand, das ausleben zu können, wonach es sie quälend verlangte, nur dann würde sie innere Ruhe finden. Widerstandslos ließ sie sich von Peter zu Boden drücken und ebenso willig folgte sie seinem Befehl, nach unten zu sehen.
Mit bedächtig langsamen Schritten umkreiste Peter sie, während sie den Blick stur auf den Teppich heftete. Überall auf ihrer Haut spürte sie seinen taxierenden Blick, der sie bis auf die Seele auszog.

Wäre sie nur halbwegs bei Verstand gewesen, dann wäre sie jetzt aufgestanden und gegangen. Doch Zara konnte weder auf ihren Verstand vertrauen noch sich auf ihren Instinkt verlassen. Alles, worauf sie noch hören wollte, war ihre aufsteigende Lust.
Die Aussicht, mit ihm gemeinsam in einen Abgrund zu stürzen, kam ihr vor wie ein ganzes Himmelreich. Zeit und Raum, ja selbst ihr ganzes Dasein verlor an Bedeutung. Nie zuvor war sie innerlich so bereit dazu gewesen, sich willenlos zu ergeben als gerade in diesem Augenblick, während seine Hände sich um ihr Gesicht legten und er ihren Kopf zu sich hochzog. Seine tiefen, dunklen Augen verhießen ihr ungeahnte Leidenschaft und bittersüßen Schmerz.

"Steh auf, Zara. Ich will, dass du dich für mich ausziehst." Mit äußerster Anspannung stellte sie sich vor ihn und zog die wenigen Kleidungsstücke aus. Erst jetzt in vollkommener Nacktheit wurde ihr bewusst, über welche emotionale Grenze er sie führte. Die Kleidung hatte sie nicht nur vor der eisigen Kälte, sondern auch vor seinen Blicken geschützt. Jetzt, nachdem sie entblößt vor ihm stand, offenbarte sie ihm ihr ganzes Sein. Nichts blieb im Geheimen und selbst wenn sie es noch gewollt hätte, wäre es für eine Umkehr zu spät gewesen.

"So ist es gut", sagte er in sanftem Tonfall und sah sie von oben bis unten an. Millimeter für Millimeter erforschten seine Augen das ihm unbekannte Territorium. Behutsam legten sich seine Hände auf ihren Körper und verweilten oftmals länger auf einer Körperpartie, als notwendig war. Jedoch immer nur so lange, bis Zara sich wünschte, seine Berührungen würden fordernder werden.
Und jedes Mal, wenn sie ihren Atem vor heißem Verlangen scharf einzog, um nicht laut aufstöhnen zu müssen, zog er seine Hände zurück, um dann an anderer Stelle ihre Leidenschaft von neuem zu entfachen. Erst als seine Hände sich um ihre Nippel schlossen und er spielend an ihnen zu ziehen begann, konnte Zara den Lustschrei nicht mehr verhindern. Sofort hörte Peter auf und sah sie breit grinsend an.

"Es macht dich doch nicht etwa geil?" Peter sagte es mehr amüsiert, als dass er es als Frage an sie gerichtet hätte und doch war Zara bereit, ihm zu antworten. Als er jedoch im selben Augenblick zwischen ihre Schenkel griff, während sie zu einer Antwort ansetzte und seine Finger fordernd und zugleich zärtlich ihre Knospe berührten, verstummte jedes Wort auf ihren Lippen.
Für einen Augenblick schloss Zara ihre Augen und ergab sich dem süßen Gefühl. Und doch wurde sie im nächsten Moment ihrer Illusion, dass Peter ihr noch weitere Lust bereiten würde, beraubt.

"Tsts … Ich denke nicht, dass das die passende Strafe ist", stellte Peter zu ihrer Enttäuschung fest. "Nein, ich hatte da schon an etwas anderes gedacht." Er blickte hinüber zum Sessel.
"Findest du nicht auch, dass sich der Sessel hervorragend eignet?" Auch Zara sah zum Sessel hin, konnte sich aber beim besten Willen nicht vorstellen, wozu dieser Sessel geeignet sein sollte. Außer vielleicht zum draufsitzen. Erst sein erneuter Blick und das unverkennbare Aufleuchten seiner Augen ließ Zara vermuten, dass Peter eine bestimmte Absicht hegte. Welche es war, sollte sie wenig später erfahren.

Schweigend betrachtete er zunächst Zara und erst dann schenkte er dem Sessel auf der gegenüberliegenden Seite erneut seine Aufmerksamkeit. Mit langsamen Schritten ging er hinüber und rüttelte ein paar Mal kräftig an dessen Stuhlbeinen.
"Ja, das wird gehen", sagte er mehr in Gedanken zu sich, als er sich zu ihr umdrehte. Sein Lächeln hatte etwas Geheimnisvolles an sich, was in ihr einen gewissen Argwohn hervorrief. Dann ging er ohne eine leise Andeutung zum Sofa und setzte sich hin.
Für eine Weile sah er sie schweigsam an, erst dann folgte eine Anweisung, mit der Zara nie und nimmer gerechnet hatte: "Du wirst jetzt auf allen Vieren brav und lasziv hinüber zum Sessel kriechen, dich dann reizvoll über die Stuhllehne beugen und mir deinen Hintern entgegenstrecken. Hast du das verstanden, Zara?"

Natürlich hatte sie ihn verstanden. Immerhin hatte Peter laut und deutlich gesprochen und es bedurfte keiner Nachfrage. Eigentlich bräuchte sie jetzt nichts weiter tun als seiner Anweisung zu folgen – sich auf den Boden zu knien und zu kriechen. Trotzdem verharrte sie still auf ihrem Platz.
'Soll ich es wirklich tun?', fragte sie sich, um dann doch im nächsten Moment auf den Boden zu sinken. Von einer Sekunde zur anderen wurde ihr bewusst, wie wenig sie an Würde verlieren würde, wenn sie es tat. Sie war bei weitem schon viel zu weit gegangen und hatte sich bis jetzt keiner seiner Anweisungen widersetzt. Also wozu jetzt damit anfangen, zumal diese Art der Demütigung genau das war, was sie wollte.

So lasziv, wie es ihr in Anbetracht der Situation möglich war, kroch sie hinüber zum Sessel. Langsam erhob sie sich, legte sich über die Lehne und streckte ihren Hintern aus. Jeden Moment hoffend, dass er zu ihr kommen würde, um sie endlich zu strafen. Doch die Minuten vergingen, ohne dass etwas geschah.
Es war so still um sie herum, dass sie fast glaubte, alleine im Zimmer zu sein. 'Soll ich mich einfach umdrehen und nachsehen, ob er überhaupt noch da ist?', fragte sie sich gerade, als seine plötzliche Berührung sie erschrocken zusammenzucken ließ.
Wild schlug ihr Herz und ließ ihren Puls rasen. Eine erregende Anspannung durchfuhr ihren Körper, als Peter ihr über ihre nackten Pobacken strich. Ganz dicht stand er hinter ihr und zog ihr Becken zu sich heran. Seine Hände glitten langsam an ihrem Rücken hinauf bis zum Nacken. Immer wieder ließ er in sanften Bewegungen seine Hände auf ihrem Körper spielen. Und doch waren diese Zärtlichkeiten für Zara beinah unerträglich, da sie nie wusste, wann er anfangen würde sie zu strafen.
Als er dann auch noch begann ihre Pobacken zu kneten und diese mit kaum spürbaren Schlägen zu erwärmen, brachte es sie fast um ihren restlichen Verstand.

Nur langsam steigerte Peter die Intensität seiner Schläge und intuitiv passte Zara sich seinem Rhythmus an. Dennoch kam sie unweigerlich zu dem Punkt, wo sich Schmerz und Lust zu einer Symbiose vereinten. Genau zu diesem Zeitpunkt verflog die Sanftheit seiner Schläge und gleichzeitig verschwand auch die Milde aus seinem Gesicht. Was übrig blieb war ein Mann, der es genoss zuzusehen, wie die Frau seiner Begierde unter seinen harten Schlägen zugleich weinte und dennoch nach mehr verlangte.
Als Schweißperlen glitzernd auf ihrer nackten Haut zu sehen waren und rote Striemen ihren Hintern zierten, glaubte Zara, keinen weiteren Schlag mehr ertragen zu können. Auf der einen Seite raubte ihr das Brennen auf den vibrierenden Pobacken den Atem und auf der anderen Seite steigerte es dennoch ihre Lust ins Unermessliche. Immer tiefer fiel sie in einen Abgrund aus Lust und Leidenschaft, dem sie nur dann entrinnen konnte, wenn sie sich ihrem Höhepunkt ergab.
Auch Peter wusste instinktiv und nicht zuletzt an ihrem keuchendem Atem, dass Zaras Orgasmus nicht mehr weit entfernt war. Dennoch zog er es vor, den Zeitpunkt ihres Kommens zu bestimmen und so trafen seine Worte genau in dem Augenblick, als sie sich auf dem höchsten Zenit ihrer Wollust befand.

"Wage es ja nicht zu kommen, bevor ich es dir erlaube." Seine Warnung vermochte nur einen Moment und nur bedingt ihre Lust zu hemmen. Und als er dann plötzlich zu schlagen aufhörte und stattdessen seine Finger tief in ihre Spalte schob, konnte sie ihren Höhepunkt nicht mehr aufhalten. Erschöpft lag sie über der Stuhllehne und spürte die Wellen der Lust durch ihren Körper fließen.

Und genau in diesem Moment hörte sie ein plötzliches Rufen und ein lautes Pochen. Immer stärker wurde das Klopfen, bis es sich anhörte wie ein lautes Donnern, gefolgt von einer durchdringenden tiefen Stimme.
"Zara! Wach auf und öffne mir die Tür." Wie durch eine Nebelwand gelangte Peters Aufforderung zu ihr. Benommen und noch immer der Wirklichkeit entrückt öffnete sie ihre Augen. Im ersten Augenblick wusste sie gar nicht, wo sie sich befand oder was mit ihr geschehen war. Bis sie allmählich begriff, dass sie alles nur geträumt haben musste, schlug Peter ein letztes Mal kräftig gegen die Scheibe.
Erst jetzt drehte sie sich zum Fenster um und sah, wie Peter ihr wild gestikulierend andeutete, zur Tür zu gehen. Niemals zuvor hatte sie so intensiv geträumt und noch auf dem Weg zur Tür glaubte sie, wirklich alles so erlebt zu haben.

Die Erkenntnis, dass es sich dabei nur um einen – wenn auch um einen sehr schönen – Traum handelte, hinterließ einen bittersüßen Geschmack auf ihrer Seele. Traurig und dennoch irgendwie an Peter denkend, schlurfte sie langsamen Schrittes den Korridor entlang. Nicht auszudenken, wie lange er womöglich schon draußen in der Kälte stand und nach ihr rief. 'Ich werde mich wohl bei ihm entschuldigen müssen', dachte sie und öffnete ihm die Tür.

Alles, was Zara sah, waren zwei zornig auffunkelnde Augen und ein grimmiges Gesicht. Weder kam von ihm ein freundliches Hallo noch etwas in der Art, was man normalerweise an höflichen Floskeln von sich gibt, wenn man ein fremdes Haus betritt. Stattdessen schob er Zara von der Tür weg, ging ohne ein Wort in den Flur und schloss die Tür hinter sich.
Eine Weile standen sie sich schweigend gegenüber. Wohl wissend, dass jeder versuchte, die Gedanken des anderen zu erraten. Lange musste Zara jedoch nicht rätseln, was Peter dachte, denn seine folgenden Worte machten ihr seinen Ärger ziemlich deutlich.
"Schön zu sehen, dass du schlafen konntest, während ich mich um dich sorgte." Sein Tonfall war so als müsste sie sich bei ihm entschuldigen. Woran Zara jetzt nicht mehr im Traum dachte, nachdem er es irgendwie von ihr erwartete. Stattessen antwortete sie ihm patzig: "Ich war müde. Na und?"
   

"So, müde warst du. Aha … und du bist auch gleich eingeschlafen als du zu Hause angekommen bist und konntest deshalb nicht anrufen. Ist es so gewesen?" Diesmal war die Ironie seiner Worte nicht mehr zu überhören.
Das fehlte ihr gerade noch, dass sie sich bei ihm für ihr Handeln rechtfertigen musste, dachte sie trotzig. Sie überlegte, welche Antwort wohl passend genug für ihn wäre, als sie plötzlich bemerkte, wie nah er ihr gekommen war. Kaum eine Handbreit lag noch zwischen ihren beiden Köpfen und im nächsten Augenblick hörte sie ihn gefährlich leise flüstern.
"Nun Zara, falls du glaubst, ich wäre zu müde um meine Androhung wahr zu machen, so befindest du dich im Irrtum!" Seine ausladende Handbewegung in Richtung Wohnzimmer war ziemlich eindeutig.
Auf der Stelle wurde ihr heiß und kalt und gleichzeitig spürte sie dieselbe kribbelnde Spannung, wie zuvor in ihrem Traum. Nur für einen winzigen Moment trafen sich ihre Blicke und dennoch erkannte sie an seinen Augen, dass er sein Versprechen – egal wie – einhalten würde. Zur Not sogar dadurch, dass er sie einfach über seine Schultern werfen würde und sie ins Wohnzimmer trug.

Widerstand war sinnlos und überhaupt: Wollte sie sich denn zur Wehr setzen? Nein, diesmal bestimmt nicht, entschied sie und so warf sie ihm ein Lächeln zu, das Peter dazu einlud ihr zu folgen …   

 

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