Lilo David 

Ihre Reise kann beginnen



Verstand via Herz 

 

Vertrauen, mehr habe ich nicht von dir erwartet> klang noch in ihren Ohren und nahm von ihr Besitz wie eine schlimme Krankheit, dessen Ausgang man nicht wissen konnte.

Jetzt in der Stille des Nachmittags stand sie zitternd am Fenster und sah auf die Straße herab. Eilig, viel zu eilig gingen die fremden Menschen über den alten und verschlissenen Asphalt. Niemand würde zu ihr hinauf sehen und auch nur eine leise Ahnung davon haben, welches Geheimnis sich hinter diesen alten Mauern verbirgt.
Sie konnte es ja selbst kaum glauben und hätte sie die Uhr zurückdrehen können, sie hätte es getan. Innerlich verfluchte sie sich und ihren Verstand, der unaufhörlich und präzise arbeitete wie ein Schweizer Uhrwerk. In jeder anderen Situation war sie stolz darauf, sich auf ihren Verstand verlassen zu können. Nur in diesem einen einzigen Moment hatte sie so inständig darum gebetet, er möge ihr den Dienst versagen und hat sie dann doch so bitterlich enttäuscht. Hätte sie nur gekonnt, dann hätte sie jetzt wie ein Kind weinen können. Doch selbst dies blieb ihr versagt.

In weniger als einer Stunde würde die Tür aufgehen und einer der Dienstboten würde ihren alten brauen Koffer auf den Boden stellen und sie im Gegenzug das schmale goldene Armkettchen aushändigen. Dann wäre alles vorbei.
Innerlich wie tot, sah sie dem wilden Treiben draußen vor dem Fenster zu. Wie oft hatte sie hier in ihrem Zimmer am Fenster gestanden und sich so manches Mal gewünscht, frei wie ein Vogel zu sein. Und jetzt, da diese Aussicht unmittelbar bevorstand, erschien sie ihr weitaus weniger reizvoll.
Alles, was sie jemals gewollt hatte, würde sie hier hinter den Mauern zurück lassen müssen. Das Leben war voller Entscheidungen und sie hatte nun einmal im entscheidenden Moment die Falsche gewählt. Bei dem Gedanken daran wie es hätte sein können, wenn sie nur das getan hätte, was „ER" von ihr erwartet hatte, keimte die Erinnerung erneut in ihr wie ein gefräßiges Geschwür und ließ ihr kaum Luft zum Atmen.
Dann sah sie sich plötzlich vor sich, als sie das aller erste Mal dieses Haus betrat.

      

1. Kapitel: Die Begegnungen

Es war ein grauer Novembertag und draußen lag bereits der frühe Schnee. Ungewöhnlich, wie sie fand, doch dennoch erfreute sie sich in kindlicher Freude an den weißen Flocken, die unaufhörlich auf die Straße fielen. Damals konnte sie ihr Glück, hier an diesem verheißungsvollem Ort zu sein, kaum fassen.
Natürlich hatte sie noch viel zu lernen, aber mit ihm würde das Lernen leicht zu ertragen sein. Mit fast kindlicher Naivität schob sie jegliche Zweifel zur Seite und war sich sicher, ihn glücklich machen zu können.

Raoul, das Haus und alles, was sie damit verband, erschienen ihr wie ein ganzes Himmelreich von unendlichem Glück. Dabei hatte sie ihn erst 6 Monate zuvor auf einer privaten Feier eines guten Freundes kennen gelernt.
Raoul gehörte zu den Männern, die man schon beim ersten Blick als etwas Besonderes wahrnahm. Er war attraktiv, aber entsprach dennoch nicht dem gängigen Schönheitsideal. Vielmehr war es sein Charisma, seine Ausstrahlung, die einen unweigerlich in den Bann zog. Mit ihm und an seiner Seite verblasste alles, was einem bis dahin für wichtig erschien. Seit diesem Tag war nichts mehr so gewesen, wie sie es vorher kannte.

Und niemals zuvor hatte sie bis zu diesem schicksalhaften Abend überhaupt an eine Möglichkeit gedacht, jemals mit einem solchen Mann in Verbindung gebracht zu werden. Nicht, dass sie hässlich war, aber für das, was sie meisten Herren dieser Szene verlangten, war sie ein Stück weit zu selbstbewusst.
Sie fraß nicht aus Näpfen, nur weil man es tat. Sie sagte nie "ja", ohne es auch ebenso zu wollen oder zu denken. Sie war stolz darauf wie sie war und wollte sich für nichts und niemanden beugen.

Und dann trat eines Abends Raoul auf den Plan und irgendwie kannte sie sich selber kaum wieder. Wie ferngesteuert kam sie sich vor und als er ihr beim Abschied leise zu raunte, dass er sie gerne wieder sehen würde, fühlte sie sich wie auf Wolken schwebend.
Die neuerlichen Treffen fanden viele Wochen auf loyalem Boden statt und bargen immer wieder kleine Rückzugsmöglichkeiten für sie. Raoul hatte auch das Gespür dafür, nichts von ihr zu verlangen, wozu sie noch nicht in der Lage war. Niemals war er zu fordernd oder maß sich eine Position an, die vielleicht für das, was sie miteinander teilten zu viel war.

Susanne genoss die Zeit und die Aufmerksamkeit, die Raoul ihr gab. Die Zeit verging wie im Fluge und die Abende, an denen sie sich sahen, waren köstlich und berauschend. Sie hing an seinen Lippen und war fasziniert von seiner Intelligenz. Es gab nichts, was er nicht wusste und mit jedem weiteren Tag verfiel sie ihm mehr und mehr.
Dann nach zwei Monaten sprach er das erste Mal davon, sie zu seiner alleinigen Sklavin machen zu wollen. Sie erinnerte sich gut daran, als sie zu seinen Füßen kniete, was sie bis dahin überhaupt höchst selten getan hatte.
Während er genüsslich an ihren keck hervorstehenden Nippeln spielte und aus ihrer Kehle ein rauchiges, fast schon lustvolles Stöhnen kam, hob er ihr Kinn und sah ihr tief in die Augen. Damals spürte sie eine kleine innere Furcht vor dem, was sein würde, wenn sie ihm ganz gehören würde.

Und dennoch war diese Vorstellung der Inbegriff von Sehnsucht und Erfüllung all ihrer Träume. Bis zu diesem Zeitpunkt war sie Niemandes Sklavin gewesen, höchstens mal die Sub für eine Nacht, oder zwei. Susanne vermied es, sich an jemanden zu binden und genoss ihre Freiheit, zu tun und lassen, was immer sie wollte.
Niemanden Rechenschaft abgeben über sein Handeln war ihr der Preis des Alleinseins wert.

Und dann kam Roaul und mit ihm warf sie all ihre Vorsätze wie eine Last über Bord. Ja, im Grunde forcierte sie sogar gewisse Dinge in einem Maß, das sie nie für möglich gehalten hätte.
Susanne war devoter als jemals zuvor, tat Dinge, ohne ständig darüber nachzudenken, warum sie es tat. Sie ließ sich von Raoul manchmal behandeln, wie sie es sich von einem anderen nie hätte gefallen lassen. Und wenn er sie dann in den Arm nahm, sie zärtlich streichelte und mit den Worten "du musst vertrauen ... tu es mir zu liebe" tröstete, fühlte sie sich sicher wie ein Baby im Schoß seiner Mutter.
Eigenartig und seltsam kam es ihr vor und dennoch hätte sie diesen Zustand mit nichts eintauschen wollen.

In der Nacht, als er davon sprach sie zu seiner Sklavin machen zu wollen, konnte sie kaum schlafen. So viele Gedanken gingen ihr durch den Kopf, nachdem er sie nach Hause gefahren hatte und ihr zum Abschied noch sagte: "Es wird nicht leicht für dich sein. Du musst lernen und nochmals lernen, aber vor allen Dingen das versuchen auszustellen" und dabei tippte er mit seinem Finger auf ihre Stirn.
Susanne wusste sehr genau, was er damit meinte. Und sie kannte sich ja selber sehr gut und wusste ebenso, dass ihr Verstand ihr stets im Wege stand, um sich wirklich fallen zu lassen und einem Mann ganz und gar zu gehören. Dabei war es genau das, was sie sich sehnlichst wünschte.

Nach zwei weiteren Wochen, in denen er ihr schonungslos seine Bedingungen mitteilte, kam die entscheidende Frage, die sie erhofft und gleichzeitig gefürchtet hatte. Susanne war sich im Klaren darüber, dass es keine halbherzigen Dinge mit Raoul geben würde. Kein "nur ein bisschen" und "nur so viel wie sie will". Wenn sie einwilligte, dann sollte sie ihm mit Haut und Haaren, Herz und vor allen Dingen Demut gehören.
Demut war eine Sache, von der Susanne bis dahin nicht allzu viel hielt. Sie hatte ehrlich gesagt die unterwürfigen dummen Frauen nie verstehen können und nun war sie auf dem besten Weg, ebenso zu werden.
Vielleicht geht dies nur mit Liebe einher, dachte sie damals und beruhigte sich selber vor dieser an ihr nagenden Furcht, es im entscheidenden Moment doch nicht sein zu können.
Dabei hatte sie viele Gelegenheiten gehabt, bei denen sie es in kleinem Rahmen schon unter Beweis gestellt hatte, dass sie es durchaus konnte, wenn sie wollte. Und genau das war der springende Punkt. Immerzu dachte sie zu viel und wog ab, welchen Nutzen ihr Tun für sie hatte.

Sie erinnerte sich an eine Situation an einem Abend, kurz bevor er ihr die alles entscheidende Frage stellte. Damals waren sie zu Gast auf einer Privatfeier irgendwo in einem Haus am Rande der Stadt. Sie trug nicht das, was er ihr angewiesen hatte, an diesem Abend zu tragen, sondern das, von dem sie meinte, dass es ihr sehr gut stehen würde.
Da sie einen Mantel trug, fiel es während der Autofahrt nicht sogleich auf. Erst als sie das Haus betraten und man ihr den Mantel abnahm, fühlte sie seinen unangenehmen Blick auf ihrer Haut.
Raoul sagte keinen Ton, sondern zog sie unsanft mit sich in den Saal, wo bereits schon einige geladene Paare saßen und sich miteinander unterhielten. Raoul mochte weder großes Aufsehen, noch gehörte er zu der Sorte Herren, die ihren Anspruch auf Gehorsam allzu laut und deutlich klar machten. Was er tat, gehörte eher in die Kategorie subtil und fein, aber durchaus mit heilsamer Wirkung.


Susanne versuchte ihm ein Lächeln zu schenken als er sie ansah und dennoch spürte sie, dass ihr Lächeln an ihm abprallte wie an einer dicken Mauer. Kühl sah er sich im Saal um und erspähte einen freien Platz, den sie nie gewählt hätte. Viel zu dicht zur Mitte des Saales und darüber hinaus war es nur ein einziger freier Platz. Dennoch zog Raoul sie mit sich und ehe sie sich versah, saß er auf dem Stuhl und gebot ihr sich vor ihm hinzu knien. Eigentlich nicht das, was sie sich vorgestellt hatte.
Im Grunde wollte sie an diesem Abend in seinem Arm glänzen und sich die Aufmerksamkeit holen, die sie für sich ab und an beanspruchte. Davon, dass sie nun zu seinen Füßen kniete, war nie und nimmer die Rede. Es gefiel ihr ganz und gar nicht und am liebsten wäre sie aufgestanden, um sich ebenfalls einen freien Platz zu suchen oder wenigstens neben ihm zu stehen. Doch etwas in seinem Blick gebot ihre Vorsicht und da auch sie Szenen egal welcher Art nicht mochte, blieb sie zunächst auf dem Platz knien, der ihr zugeteilt wurde. Sicherlich würde es nicht lange dauern und Raoul würde sie aus dieser misslichen Lage befreien.

Ihr Herz sagte ganz deutlich, dass sie sich seiner Anweisung widersetzt hatte, doch ihr Verstand sprach mal wieder eine gänzlich andere Sprache. Wenige Minuten später stand Raoul auf und auch Susanne wollte schon aufstehen, als sein Griff sie davon abhielt.
"Bleib wo du bist", raunte er ihr leise zu und ging. Es war ihr ein Rätsel, wohin er wollte, denn alle möglichen Bekannten hielten sich mit ihr im Saal auf. Es kam ihr eine halbe Ewigkeit vor bis er zurückkam. Doch anders als erwartet, nahm er nicht wieder Platz, sondern beugte sich zu ihr herab und flüsterte ihr ins Ohr: "Meine Anweisung scheint dich nicht interessiert zu haben. Nun, dann ist es das Beste, du bleibst vorerst hier knien und überlegst wie viel dir meine Wünsche wert sind."
Dann holte er zwei Handschellen aus der Hosentasche und ehe sie überhaupt begriff was los war, nahm er ihre Arme und legte sie ihr auf den Rücken. Das nächste was sie hörte war das „Klicken" der Handschellen.

Über eine Stunde ließ Raoul sie kniend und ohne etwas zu trinken dort schmachten. Ein paar Mal sah er zu ihr herüber, während er sich mit anderen unterhielt und dennoch hatte Susanne nicht das Gefühl, als hätte er in irgendeiner Weise Mitleid mit ihr.
Dann endlich kam er zurück und befreite sie. Susanne war heilfroh und hätte für ein Glas Wasser sonst was getan. Für ihre Begriffe hatte sie genug und ausreichend für ihre Eigenmächtigkeit gelitten und wenn es nach ihr gegangen wäre, dann wäre der Fall auch erledigt gewesen. Doch als er sich zu ihr hinsetzte und ihr Kinn zwischen seine Hände nahm und sie ansah, da wusste sie, dass sich Raoul mit dieser kleinen Strafe nicht zufrieden geben würde.

Und so war es dann auch. Noch während er ihr die Handschellen abnahm, hörte sie ihn sagen: "Du hast nicht das an, was du anziehen solltest...dann wirst du den Rest der Nacht eben gar nichts tragen." Unglaubwürdig sah Susanne ihn an und hätte am liebsten mit einem lauten NEIN geantwortet und dennoch wusste sie, dass er seine Forderung wahr machen würde, egal wie.
Als sie mit zitternden Beinen aufstand und ihr Kleid zurecht rückte, fühlte sie den leichten Druck, der sie in Richtung Toiletten drängte. Wenige Minuten später betrat sie nackt, nur mit halterlosen Strümpfen in High Heels, erneut den Saal. Lautlos stellte sie sich neben Raoul und fühlte dann besitzergreifend seine Hand auf ihrem Po.
Nach diesem Abend hätte sie sich denken können, dass Raoul sich nie auf weniger als das Ganze einlassen würde und dennoch sagte sie "Ja", als er sie fragte.


Tage später zog sie dann zu ihm in das große Haus und dachte nicht einen Moment daran, dass sie jemals weniger würde geben können, als das was er sich wünschte.
Anfänglich lief es erstaunlich gut. Nur ein paar Mal hatte sie mit Anweisungen ihre kleinen Probleme und sie versuchte sich in einer Diskussion, aus der sie eigentlich stets als Unterlegene herauskam, zu ihren Gunsten hin zu drehen. Nicht alles fiel ihr schwer, nur manches von dem, was er von ihr verlangte, kostete sie unendlich viel Mühe. Und immer stand ihr Verstand als unmissverständlicher Gegner ihr gegenüber.
Egal, welche Strafen ihre Widerworte auch einbrachten, sie lernte nur bedingt daraus. Ein paar Mal fand sie sich sogar mehr als ungerecht behandelt und einmal schrie sie es ihm sogar mitten ins Gesicht.
"Du musst lernen und gehorchen. Nichts anderes verlange ich von dir!" war seine heftige Reaktion darauf.

Mit der Zeit kam es ihr so vor, als würden seine Anforderungen an ihr von Woche zu Woche größer werden. Eines Abends, als sie vor ihm kniete, sprach sie von ihrem Gefühl und davon, dass es ihr schwer fiel immer zu gehorchen. Seine Antwort war profan und dennoch von solcher Klarheit, dass es sie auf gewisse Weise erschreckte.
"Du wusstest, das ich alles will. Und du warst bereit dazu, es mit mir zu leben. Lerne, aber vor allen Dingen, lerne mir bedingungslos zu vertrauen. Nur dann wirst du EINS mit dir und dem was du tust sein können."

Lange dachte sie darüber nach und plötzlich erkannte sie, dass nicht die Dinge, die er von ihr verlangte unmöglich waren, sondern ihre Einstellung es ihr unmöglich machte, bedingungslos zu dienen. Würde sie nicht immer über alles brüten wie ein Huhn über ihr Ei und tausendfache Gründe suchen, um seine Anweisungen in Frage zu stellen, dann wäre es genau das Leben, was sie sich ersehnt hatte.

Also fing sie an, ihren Gedanken nicht mehr so viel Gewicht zu geben. Sie musste auf seinen Verstand und auf seine Fürsorge mehr als bisher vertrauen. Egal, um was es sich handelte, niemals würde er etwas verlangen, was ihr schaden würde.
Selbst wenn es sich um so profane Dinge wie Kleidung handelte, wäre jede Anweisung von ihm durchdacht.

Viele Wochen vergingen und es begann für Susanne eine Leichtigkeit des Seins. Es tat gut nicht über alles nachdenken zu müssen und nicht jedweden Befehl in Frage zu stellen. Die Tage erschienen ihr heller und eindeutig farbenfroher und sich nicht quälen zu müssen tat ihr gut.
Auch Raoul bemerkte ihre Veränderung und eines Abends, als sie zu seinen Füßen saß und auf das knisternde Kaminfeuer sah, fühlte sie seine Hand, die zärtlich ihren Arm zu sich zog. Dann öffnete er ein Etui und zeigte ihr ein goldenes Armband. Erstaunt blicke sie ihn an und stumm fragten ihre Augen nach dem warum?
Zärtlich hob er seine Hand unter ihr Kinn.

"Es war ein langer Weg, den wir gegangen sind und noch ist dieser Weg nicht zu Ende. Nicht immer ist es leicht zu vertrauen, doch nur so wird es gehen. Noch eine Prüfung und dann erhältst du mein endgültiges Zeichen als mein Eigentum. Vertraust du mir?" Dabei sah er ihr tief in die Augen.
Susanne war überrascht und auf eine seltsame Art tief berührt. Und obwohl sie es hätte besser wissen müssen, fragte sie nach dieser einen Prüfung, die sie noch überstehen müsste.
Raoul schien nicht im Geringsten überrascht zu sein. Doch anstelle einer Antwort nahm er das Armband und drehte es um. Susanne entdeckte in dessen Innenseite eine Gravur. Winzig klein und dennoch so unsagbar wichtig und entscheidend.

"Für meine Sklavin: Vertrauen über Verstand" war dort zu lesen.
In diesem Moment wusste Susanne, dass jede weitere Frage ohne Antwort bleiben würde.

                        

2. Kapitel: Das Spiel beginnt

Fünf Tage vor diesem verhängnisvollen Abend hatte Raoul ihr beim gemeinsamen Frühstück zwischen der ersten Tasse Kaffee und seinem obligatorischem Marmeladenbrötchen mitgeteilt, dass nun der Zeitpunkt der Prüfung gekommen war.
Bis zum Samstag, an dem alles stattfinden sollte, dürfte sie ihn nicht mehr sehen und sollte sich in ihrem separaten Zimmer aufhalten. Steven, der Hausdiener wäre die einzige Verbindung zwischen Ihr und Ihm. 

Verwirrt sah Susanne ihren Herrn an und fragte schon fast trotzig: "Wieso können wir die Tage nicht wie sonst auch gemeinsam verbringen?"
Doch diesmal ließ sich Raoul auf keine Debatte über Sinn und Unsinn seines Tuns ein und gab Susanne eine kurze aber sehr deutliche Antwort. 
"Es ist mein Wille und du als meine Sklavin hast dich meinen Wünschen zu beugen." Das restliche Frühstück nahmen sie schweigsam ein und das, obwohl in ihrem Kopf tausend Fragen schwirrten, auf dessen Beantwortung sie lange warten müsste.

Nach einer weiteren Tasse Kaffee und dem Wirtschaftsteil der Morgenzeitung, den er schneller als sonst durchblätterte, stand er auf und kam direkt auf sie zu. Es war nichts Außergewöhnliches, was er tat, da er ihr jeden Morgen, bevor er ging, einen Abschiedskuss gab. Doch selbst das war anders als erwartet.
Nicht wie üblich küsste er sie auf den Mund und griff nochmals in ihren Nacken. Nein, diesmal küsste er sie in den Nacken und raunte ihr dabei leise ins Ohr: "Dein Problem ist dein Verstand. Stell ihn aus und du wirst mir mit Freude so dienen, wie ich es will!" Und ohne noch ein weiteres Wort an sie zu richten oder sie anzusehen verließ er das Haus.

Erst jetzt, in der Stille des Esszimmers, wurde ihr so richtig klar, dass dies ein Abschied bis zum Samstag war und sie keine Gelegenheit hatte, nochmals mit ihm darüber reden zu können...
Erschrocken sprang sie auf und lief ihm hinterher. Doch Raoule schien es ziemlich eilig gehabt zu haben, denn sie sah ihn weder im Flur, noch auf der Straße, nachdem sie die Tür geöffnet hatte. Er schien wie vom Erdboden verschluckt zu sein.
Bekümmert darüber, ihn verpasst zu haben, waren ihre Schritte langsam und bedächtig, als sie ins Esszimmer zurückging. Sie war überrascht, hier Steven, den Hausdiener, vorzufinden, der schon dabei war, den Tisch ab zu räumen und das, obwohl sie noch gar nicht fertig war.
Er nahm nicht mal Notiz von ihr, als sie zum Tisch zurück ging und erst, als sie entrüstet über ein derartiges Benehmen ihren Unmut lauthals verkündete: "Ich war noch nicht fertig. Lass es also bitte stehen" sah er zu ihr hin und gab ihr eine Antwort, die ihr die Sprache verschlug:
"Ich habe meine Befehle. Und ihr esst ab sofort in eurem Zimmer." Susanne stand mit offenem Mund da und brachte nichts heraus außer einem tiefen Seufzer. Steven würdigte sie keines Blickes mehr und verrichtete seine Arbeit als wäre sie Luft.

Wütend drehte sich Susanne um und lief die Treppe zum oberen Stockwerk hoch. Doch als sie vor der Schlafzimmertür stand und sie öffnen wollte, war diese verschlossen.
Susanne verstand ihre Welt nicht mehr. Dass sie Raoul nicht mehr sehen sollte war das eine, aber das sie nicht mehr an ihre Sachen kam, ohne Steven fragen zu müssen, war zu viel.
Innerlich kochte sie vor Zorn und war schon im Begriff, hinunter zu laufen, um Steven zu fragen, was das alles solle, als sie Schritte hörte. Kurz darauf stand Steven schweigsam hinter ihr und griff ihr in den Nacken. Dabei war er nicht gerade sanft, als er ihr Gesicht zu sich zog.
Kaum, dass sie es hören konnte, drangen seine Worte in ihr Gehör und loderten ihren Verstand erneut an. 
"Dein Herr will, dass du gehorsam bist. Also sei brav, stell keine weiteren Fragen und folge mir."

"Was fällt dir ein, mich so zu behandeln?", sprudelte es aus ihr heraus, nachdem seine Hand von ihr ließ. Süffisant lächelte Steven sie an und als nächstes fühlte sie seine Hand auf ihrer Wange. Die Ohrfeige kam plötzlich und unerwartet und ließ sie Steven erschrocken ansehen.
"Ich tue nur das, was dein Herr mir befohlen hat. Also sei brav, dann geschieht dir nichts." Alles ging so schnell und ehe sie sich versah, saß sie in ihrem Zimmer, das Raoul ihr nach dem Einzug als ihr Reich überlassen hatte, wenn sie mal das Bedürfnis hatte, alleine sein zu wollen.
Nun kam es ihr fremd und leer vor und am liebsten wäre sie aufgesprungen und gegangen. Sie wollte nicht alleine sein und hatte sie nicht ein Recht darauf zu wissen, was Raoul mit ihr vorhatte und warum er sie nach all den Monaten des Glücks so behandelte.
Einem inneren Impuls folgend ging sie zur Tür und musste zu ihrem Entsetzen feststellen, das auch diese Tür verschlossen war. Man hatte sie also eingeschlossen.

Sofort begann es in ihrem Kopf zu arbeiten und die Gedanken überschlugen sich förmlich. Wie ein Tiger im Käfig ging sie durch das Zimmer und zermarterte sich das Hirn nach dem Warum. Sicherlich würde Steven gleich kommen und die Tür wieder aufschließen beruhigte sie sich. Schließlich bin ich ja keine Gefangene und kann selber über mich bestimmen.
Je mehr sie nachdachte, desto zorniger wurde sie auf Steven, aber vor allen Dingen auf Raoule. Um sich etwas zu beruhigen ließ sie sich auf das breite Bett fallen und starrte minutenlang zur Decke hoch. Dabei ratterten ihre Gedanken durch ihren Kopf und hinterließen nichts  außer Kopfweh und noch mehr Fragen

Wie lange sie so da gelegen hatte, wusste sie nicht, doch plötzlich hörte sie neuerliche Schritte den Flur entlang kommen. "RAOULE", rief sie laut und wusste im selben Moment, dass selbst wenn er es wäre, er nicht zu ihr kommen würde.
Plötzlich fiel ihr all das ein, was er ihr in den vielen Monaten Litanei artig. vorgebetet hatte und was sie dennoch nur halbherzig und auch nur ihm zu liebe getan. Hatte er sie nicht immer wieder gebeten, sich seinem Willen zu fügen und nicht ständig nachzufragen und seine Anweisungen in Frage zu stellen. War es ihm nicht wichtig, dass sie vertraute und hatte sie ihm denn auch wirklich nur ein einziges Mal wirklich so vertraut, wie er es sich wünschte?

"Nein, genau das hast du nicht getan", sagte sie leise zu sich. Vielleicht ist dies schon längst die Prüfung, von der er vor Wochen gesprochen hatte. Vielleicht gibt es gar keine andere als diese und ich muss nichts weiter als hier im Zimmer auf die Stunde warten, wo er die Tür aufschließt und mich in seine Arme nimmt.
Und plötzlich meinte sie, verstanden zu haben, um was es ihm dabei ging und setzte sich auf. Dabei fiel ihr Blick auf den kleinen Nachttisch neben ihrem Bett. Erst jetzt entdeckte sie den weißen unscheinbaren Umschlag. Als sie ihn in die Hand nahm sah sie mit säuberlicher Handschrift ihren Namen geschrieben:

An Susanne, meiner geliebten Sklavin.

Mit zittriger Hand öffnete sie den Umschlag und entnahm einen in gestochener Handschrift verfassten Brief.

Vom heutigen Tage bis zur allerletzten Prüfung am Samstag möchte ich, dass du in dich horchst und lernst, mir bedingungslos zu vertrauen.
Bislang hast du es nur ansatzweise getan und trotz vieler Strafen, die ich für dich ersonnen habe, immer neue Einwände aufgeführt, um es bis zur letzten Konsequenz nicht tun zu müssen...
Wenn du mir dein völliges Vertrauen schenkst, wirst auch du spüren, mit welcher Leichtigkeit du mir dienen kannst. Nur so kann ich dein Herr sein und du meine Sklavin. Es wird kein dazwischen geben und erst Recht kein Nein. Vertrauen bedeutet Hingabe und Hingabe bedeutet für mich ALLES.
Ich hoffe für dich und für mich, dass du vertrauen kannst.
Dein Herr.

               

3. Kapitel: Vorbereitungen

Nur sie alleine wusste, wie sehr sie an diesem Tag vertrauen wollte.
Steven kam so gegen halb sieben Uhr abends und stand plötzlich vor ihr. Susanne saß auf einem Sessel am Fenster und sah versonnen nach draußen und wie immer nahm sie kaum Notiz von ihm. Noch immer war sie erbost wegen der Ohrfeige und ihm keine Beachtung zu schenken, war die einzige Strafe, die sie für ihn hatte.
Steven störte sich jedoch nicht daran und hatte ihr stets stumm das Tablett mit Essen auf den kleinen Beistelltisch gestellt und blieb dann noch ein paar Minuten vor ihr stehen. Jedes Mal fühlte sie sich von seinem Blick bis auf die Haut ausgezogen. Seine Anwesenheit duldete sie nur widerwillig und das obwohl er sie nie wieder berührte oder ihr etwas tat...

An diesem Abend jedoch trug er kein Tablett und brachte ihr auch kein Essen. Er stand einfach nur so da und sah sie an. Sein durchdringender Blick ließ sie frösteln und je länger Steven sie ansah, desto nervöser machte es sie. Am liebsten hätten sie ihn ins Gesicht geschrien, er solle endlich damit aufhören und sie alleine lassen. Und doch blieb sie stumm und dachte darüber nach, was er von ihr wollte.
Seit Tagen fand er keine Worte für sie. Und auch von Raoul ließ er nie etwas ausrichten. Es war so, als wäre sie völlig alleine im Haus. Nur sie und ihre Erinnerung an ihren Herrn und Meister. Und jetzt stand er einfach da und führte etwas im Schilde das spürte sie ganz genau...

Vielleicht wollte Raoul sie sehen und Steven wollte sie einfach nur ein wenig auf die Folter spannen. Sie überlegte noch fieberhaft, was es sein könnte, als sie plötzlich von ihm barsch aufgefordert wurde aufzustehen.
Im ersten Moment dachte sie daran, sich zu widersetzen und so zu tun, als hätte sie es überhört. Doch bei genauerer Betrachtung wusste sie, dass es zwecklos war, sich zu widersetzten. Wenn sie nicht von alleine aufstand, würde er nachhelfen und auf Grobheiten, egal welcher Art, konnte sie gut und gern verzichten.

Doch kaum, dass sie stand umfassten seine Hände ihr Gesicht so fest das es schon wehtat. Sie musste ihn ansehen ob sie wollte oder nicht. Intuitiv dachte sie daran, ihm ins Gesicht zu spucken, um ganz deutlich zu zeigen, was sie davon halten würde. Und dann im nächsten Augenblick spürte sie einen so heftigen Schlag auf ihren Wangen, dass sie taumelte.
"Es ist besser, du gehorchst gleich. Du siehst, was dir sonst blüht", sagte er grimmig und ließ von ihr ab. Entsetzt wich sie einen Schritt zurück und sah zur Tür, die er offen gelassen hatte. Steven lachte laut auf, so als hätte er ihre Gedanken lesen können.
"Denk nur nicht dran, es würde dir Leid tun." Susanne glaubte ihm aufs Wort und unterließ jeglichen Versuch oder Gedanken an einer Flucht. Dennoch musste sie etwas wissen und stellte Steven mit zitternder Stimme eine Frage:
"Weiß Raoul davon, wie du mich behandelst und das du hier bist?" Seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen hatte er wenig Lust drauf zu antworten...

Es vergingen auch ein paar Minuten, bis er sich dann doch herab ließ und das, was er sagte, gefiel ihr weit weniger als sie erhofft hatte...
"Dein Herr weiß über alles Bescheid und ich handle in seinem Namen." Für Steven schien damit die Sache beendet, doch nicht so für Susanne, in deren Kopf es erst jetzt so richtig losging.
Er wusste also Bescheid und billigte alles, was Steven mit ihr machen würde. 'Ist dies seine Art, um Vertrauen zu bitten?', fragte sie sich still. Die Frage nach dem Warum und Weshalb brannte ihr auf der Seele und sie hätte zu gerne Steven danach gefragt und doch war ihr klar, dass er ihr keine weitere Frage mehr beantworten würde. Und im Grunde kannte sie die Antwort auch schon. Sie hatte sie selber vor Tagen in dem Brief gelesen.


„Vertraue mir bedingungslos dann wirst du mir mit Freuden dienen", stand da schwarz auf weiß in gestochen scharfer Handschrift.
Hatte sie also noch eine Wahl, außer ihm voll und ganz zu vertrauen? Nein, entschied sie in der Sekunde als Steven sie erneut ansprach.
"Zieh dich aus und setze dich breitbeinig auf dein Bett."
"Was ist, wenn ich es nicht tue?", erwiderte sie in einem plötzlichen Anflug von Aufbegehren und wusste eigentlich nicht mal genau, warum sie es sagte.
Steven hatte sich bereits umgedreht und wollte eigentlich ins Bad gehen, als er sich ebenso plötzlich umdrehte und zu ihr zurückging.

Ganz nah trat er an sie heran, sodass sie seinen abgestandenen Atem riechen konnte. Angeekelt drehte sie ihr Gesicht zur Seite, um freier atmen zu können. Doch wie beim ersten Mal riss Steven ihren Kopf zu sich hin und sah ihr direkt in die Augen.
"Wenn du nicht spurst, sollst du das hier spüren", und zog dabei süffisant lächelnd eine zusammengerollte Lederpeitsche aus seiner Hosentasche.
Provozierend und immer noch lächelnd spielte er damit vor ihrem Gesicht herum und strich mit dem kantigen Griff über ihre Wange.
'Das kann nicht sein', dachte sie und wusste im selben Moment, dass Raoul es wirklich ernst meinte. Um zu beweisen, dass es auch ihr ernst war, musste sie um seines und ihretwillen gehorchen und sich fügen.

Noch einmal fiel ihr ein Satz aus dem Brief ein:
„Es wird kein dazwischen geben und erst Recht kein NEIN."
Dann drehte Steven sich um und ging ins Bad.
Susanne setzte sich entschlossen, egal, was noch passieren würde, ihrem Herrn völlig zu vertrauen auf ihr Bett und wartete bis Steven zurückkam.

Wenige Minuten später stand er erneut vor ihr. In der einen Hand hielt er den Rasierschaum und in der anderen den kleinen silbernen Rasierer, den ihr Raoule geschenkt hatte.
"Halt still, dann geht’s schneller", raunte er ihr zu und diesmal klang seine Stimme sogar freundlich. Steven rasierte so vorsichtig als hätte er einen weichen und empfindlichen Baby Popo vor sich. Am Ende war nicht mal mehr das kleinste Haar zu sehen und man hätte ebenso gut darauf essen können, so sauber und rein fühlte es sich an.
Als er fertig war, stellte er die Utensilien neben sich auf den Boden ab. Dann ging er langsam zum Kleiderschrank hinüber und holte eine braune Tasche heraus. Alles war bis ins kleinste Detail vorbereitet, dachte Susanne, als sie Steven dabei beobachtete.

Sie fragte sich, wie lang Raoul schon diesen Plan verfolgt hatte mit sich und ob diese Prüfung vielleicht zu einem Programm gehörte, das Raoule anwandte, um sicher zu gehen.
Im Grunde wusste sie viel zu wenig über Raoul und darüber, was er vor ihr gemacht hatte. Vielleicht gab es vor ihr schon andere Sklavinnen, die sich all dem hier unterziehen mussten und es nicht geschafft hatten. Sie wollte es schaffen und wollte ihm vertrauen, wie sie noch nie zuvor jemanden ihr Vertrauen geschenkt hatte. Raoul sollte stolz auf sie sein und sie am Ende glücklich in seine Arme schließen. Leise beschwor sie sich: "Höre auf zu denken und vertraue."

Als Steven zu ihr zurückkam, war sie innerlich gestärkt und zu allem bereit. Niemand sollte jemals behaupten, sie wäre nicht im Stande dazu, zu vertrauen und zu gehorchen. Sie war Sklavin und nichts anderes wollte sie sein.
Es dauerte über eine Stunde bis Steven mit ihr fertig war. Mit geübter und kundiger Hand hatte er ihre Haarpracht zu einem wundervollen Knoten hochgesteckt, sie geschminkt und sie dabei hundert Mal mit prüfendem Blick angesehen.
Insgeheim musste sich Susanne eingestehen, dass es ihr gefiel, wie Steven sich um sie kümmerte. Das hatte sie ihm nach all seinen Grobheiten gar nicht zugetraut und allmählich vergaß sie auch dabei den Umstand, weshalb er es tat...

Plötzlich tat er einen Schritt von ihr ab und betrachtete sie auf einer Weise, wie man es sonst nur von Künstlern her kennt, die mit kritischem Auge das betrachteten, was sie geschaffen hatten.
Wortlos drehte er sich um und ging erneut zum Kleiderschrank. Wieder holte er etwas hervor, von dem sie nicht mal geahnt hatte, dass es sich im Schrank befand.
"Steh auf, du bist fertig", sagte er kaum hörbar.
Und dann als sie vor ihm stand: "Hebe deine Arme, damit ich dir das Kleid überstreifen kann."

Das Kleid passte, als hätte man es extra für sie gemacht. Der schwarze Stoff glitt geschmeidig an ihrem Körper herunter und doch kam sie sich eigenartig fremd darin vor. Anders als ihre sonstigen Kleider war dieses geradezu schmucklos und fade. Es hatte weder irgendwelche Applikationen noch Muster. Es war einfach nur schwarz und glich eher einer Kutte als einem Kleid dachte Susanne, als sie an sich herunter sah. Auch Steven betrachtete sie nochmals eingängig und er räusperte sich kurz, bevor er ihr noch eine Haarsträhne ins Gesicht zupfte.
"So ist es besser. Dein Herr wird zufrieden mit dir sein."
Susanne wunderte sich das Steven sich plötzlich bückte und unter dem Bett einen Karton hervor zog. Das all das hier mit ihr zusammen im Zimmer eingeschlossen war, davon hatte sie ja keine Ahnung. Alles, worüber sie in den letzten Tagen gebrütet hatte, war die Frage, welchen Vertrauensbeweis ihr Raoul abverlangen würde.

Sein "Zieh sie an" riss sie aus ihren Gedanken und machte ihr ganz deutlich bewusst, dass sie nicht träumte. Steven stand vor ihr und hielt ihr ein paar schwarze hohe Schuhe entgegen.
"Wir sind spät dran, also zieh sie an und komm mit", hörte sie ihn nochmals sagen. In diesem Moment war ihr mehr als bewusst das die Prüfung und die ersehnte Begegnung mit ihrem Herrn immer näher rückte. Sie schluckte mehrmals, als sie in die Schuhe schlüpfte.
Noch auf dem Weg zum Auto betete sie inständig darum, ihr Vertrauen zu Raoul möge größer als ihr Verstand sein.

                 

4. Kapitel: Erinnerungen und doch alles neu

Susanne kannte das Haus, vor dem die schwarze Limousine hielt. Vor Monaten war sie schon einmal hier gewesen und damals trug sie nichts weiter als ihre nackte Haut.
Heute war es anders und doch fühlte sie sich wesentlich nackter und verletzbarer, als an dem Abend, den sie an der Seite ihres Herrn in einer illustreren und frivolen Gesellschaft verbrachte. Was würde da drinnen auf sie warten und wie würde die Nacht verlaufen?
All diese Gedanken beschäftigten sie weitaus mehr, als ihrer Situation zuträglich war.

Hunderttausend mal hatte sie sich auf dem Weg hierher immer wieder vorgebetet, Vertrauen zu haben und doch lag dieses Wort wie ein Damoklesschwert über ihr.
Jeder weitere Kilometer der sie näher zu ihm und einer Prüfung, die sie so nie gewollt hatte brachte wurde die Ungewissheit größer und größer. Bis sie so riesig an schwoll, dass sie an nichts anderes mehr denken konnte.
Wieso musste Raoul sie überhaupt einer solchen Lage aussetzen, wo er doch ganz genau wusste, wie sehr sie es hasste, nicht zu wissen, was sie genau erwartete. Wie oft hatte sie versucht ihm zu erklären, dass sie sich nur dann ganz fallen lassen konnte, wenn sie alles fast bis ins kleinste Detail wusste.

Und nun hielt das Auto vor diesem Haus und Raoule erwartete allen Ernstes von ihr, dass sie ausstieg und sich mit Herz doch vor allen Dingen mit Vertrauen in seine Hände begab. Ihre Hände waren feucht und die Knie zitterten, als Steven ihr die Wagentür aufhielt. "Es ist soweit, steig aus", sagte er knapp und ohne jedwede Mimik im Gesicht.
Von ihm, so wusste sie, hatte sie nichts zu erwarten. Weder würde er ihr auf eine Bitte hin etwas erklären, noch ihr in der jetzigen Minuten den Halt geben, den sie brauchte. Noch nie zuvor fühlte sie sich so alleine wie jetzt, als sie mit klopfendem Herzen ausstieg und die paar Schritte hin zu Eingangstür ging. Ängstlich sah sie sich noch einmal um, vielleicht wirkte die verhasste, doch auch vertraute Person, die Steven darstellte, beruhigend auf sie.
Doch als sie zurücksah, saß Steven bereits schon hinterm Steuer. Kurz darauf heulte der Motor auf und sie konnte ihm nur noch hinterher sehen, wie er fortfuhr und sie ihrem Schicksal überließ.


"Wo ist die Klingel? Ich finde die Gott verdammte Klingel nicht!" Nervös suchten ihre Augen den Türrahmen ab, doch alles, was sie fand, war ein grotesk aussehender Löwenkopf mit aufgerissenem Maul, der sie aus großen Augen provozierend ansah. 
Sein Blick schien zu sagen:
„Du traust dich wohl nicht, mich anzufassen. Nur zu, ich beiße nicht!" Im Geiste hörte sie sein hämisches Lachen und bis sie begriff, dass sie schon längst den Knauf gedrückt hatte und sein Lachen lediglich das laute Läuten war, wurde die Tür mit einem Ruck geöffnet. Vor ihr stand eine Person in einem Kleid wie sie es anhatte. Nur mit dem Unterschied, dass ihr Gesicht nicht hinter eine verzerrten Maske versteckt war.

"Da bist du ja. Man wartete schon auf Dich", hörte sie deren tief klingende Stimme. Und noch bevor Susanne etwas erwidern konnte, nahm die fremde Frau sie an die Hand und führte sie einen langen Korridor entlang. Seltsamerweise sah das Haus von innen völlig anders aus. Es schien größer zu sein und an den langem Flur und die vielen Türen konnte sie sich beim besten Willen nicht mehr erinnern. 'Vielleicht habe ich es auch gar nicht so wahrgenommen', beruhigte sie sich, denn dass es das Haus war, darüber hatte sie keinen Zweifel.

Plötzlich blieb die andere stehen und schob Susanne mit einem raschen Griff vor sich. "Warte hier, bis man dir die Tür öffnet", mehr sagte sie nicht und verschwand in einen angrenzenden Gang, der weiß wohin führte.
Ihr Herz schlug hinauf bis zum Hals, als sie vor dieser Tür stand und wartete. Mehrmals wischte sie ihre feuchten Hände an ihrem Saum ab. Ihre Kehle war trocken und sie hätte gerne etwas getrunken, doch dazu würde wohl kaum noch Gelegenheit bekommen.
Was immer sich hinter dieser Tür verbarg, sie musste Vertrauen, sonst könnte sie ebenso gut gleich umkehren und davon laufen. Entschlossen, Raoule nicht zu enttäuschen, wartete sie geduldig, bis dann endlich die Tür aufging.
Doch niemand stand davor. Außer, dass sie in ein halbdunkles Zimmer sah, das lediglich nur durch Kerzen, die an den Wänden hingen, erleuchtet wurde, schien der Raum leer zu sein.

"Soll ich einfach hineingehen?", fragte sie sich leise, als sie wie aus dem Nichts eine Stimme hörte.
"Gehe bis zur Mitte und bleibe dort stehen."


Susanne versuchte, in der Stimme ihren Herrn zu erkennen und doch war es ihr nicht möglich. Zu viele Gedanken, zu viel Angst, um überhaupt etwas richtig einzuordnen. Ihr Durst wurde unerträglich und sie musste häufiger schlucken, um wenigstens ihren Speichel auf der Zunge fühlen zu können.
In dem Moment, als sie das Zimmer betrat und den ersten unsicheren Schritt bis hin zur Mitte ging, schlug die Tür zu. Erschrocken drehte sie sich um und dennoch konnte sie keine Menschenseele entdecken.
'Vertraue, vertraue', betete sie sich Litanei artig zu, bis sie da stand, wo man sie sehen wollte.
Nervös griff sie mit den Händen immer wieder in den Stoff ihres Kleides und versuchte, ruhig zu atmen. Wie lange sie so dastand, wusste sie nicht. Waren es fünf oder vielleicht doch nur 10 Minuten. Sie hatte schon längst jegliches Zeitgefühl verloren und es kam ihr wie eine halbe Ewigkeit vor, bis sie erneut die Stimme hörte.

"Ich werde dir jetzt einige Fragen stellen, die du ohne Furcht mit Ja oder Nein zu beantworten hast. Wenn du antwortest hast du jedoch hinter jedem Satz ein "Sir" zu setzen. Hast du das verstanden?"
Susanne nickte intuitiv und wurde in derselben Sekunde mit barschen Worten auf ihren Fehler und ihre Position aufmerksam gemacht.
"Du sollst antworten, wie es sich für eine Sklavin geziemt."
"Ja, ich habe verstanden, Sir", kam es leise und unsicher über ihre Lippen.
"Du bist die Sklavin deines Herrn Raoule?"
"Ja, Sir, das bin ich."
"Ich sagte, nur mit JA oder NEIN."
"Ja, Sir."
"Du dienst und gehorchst deinem Herrn in unterwürfiger und devoter Weise, wie es eine gute Sklavin tut?"
"Ja , Sir."
"Du findest niemals Widerworte oder zeigst dich Widerspenstig seinen Anweisungen gegenüber?"
Hier stocke Susanne und überlegte, ob sie ehrlich antworten oder es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen sollte. Doch dann sagte sie entschlossen:
"Nein, Sir."

Bei dieser Antwort hörte sie ihn leise in sich hinein lachen und plötzlich hatte das Gefühl, als würde diese Stimme doch zu Raoul gehören. Doch schon im nächsten Moment kam ihr diese wieder fremd und kalt vor.
"Du weißt, warum dich dein Herr hierher gebracht hat?"
"Ja, Sir."
"Und du willst ihm heute, ohne dich den Anweisungen zu widersetzen, dienen, gehorchen und bedingungslos vertrauen?"
"Ja, Sir", kam es so schnell, dass es sie selber maßlos erschreckte.
"Fürchtest du dich vor den Aufgaben, die auf dich warten?" Diese Frage erstaunte sie mehr als die Tatsache, dass sie hier einem völlig Fremden und nicht mal sichtbarem Menschen Auskunft über ihr Seelenleben gab.
Dennoch antwortete sie wahrheitsgemäß.
"Ja, Sir."

"Du wirst keine Furcht haben müssen, wenn du wirklich vertraust", hörte sie ihn sagen und dennoch fühlte sie innerlich einen ganz leisen Widerspruch, doch schwieg sie lieber als ihre Unsicherheit zugeben zu müssen.
"Dein Herr hat dich davon unterrichtet, dass es ab jetzt kein NEIN mehr für dich gibt und du zu gehorchen hast, bis er dich erlöst. Dass, wenn du lieber gehen möchtest, es für dich bedeutet, nicht mehr seine Sklavin zu sein?"

Susanne überlegte, ob Raoule es ihr wirklich mit so deutlichen Worten und unwiderruflich klar gemacht hatte. Sie war sich nicht ganz sicher und alles, was sie bezüglich des heutigen Abends von ihm erfahren hatte war der eine Brief.
Sie hatte keine Ahnung, wie lange der Fremde auf ihre Antwort warten würde, doch sie musste im Geiste nochmals Zeile für Zeile durchgehen. Und dann sah sie es geradezu vor sich. Die wenigen und doch alles entscheidenden Worte.
„Nur, wenn du mir bedingungslos vertraust, kann ich dein Herr und du meine Sklavin sein“ Schlagartig wurde ihr bewusst, dass es ab jetzt für sie kein Zurück mehr geben darf.

"Hat er oder hat er nicht?", klang es streng aus irgendeiner Ecke des Zimmers.
"Ja , Sir."
"Dann bist du jetzt bereit?"
Susanne bemerkte gar nicht, dass sie auf die letzte Frage mehrmals mit Ja geantwortet hatte und gleichzeitig ihre Hände so fest ineinander drückte, dass sie beinah Schmerzen dabei empfand.

Im gleichen Moment öffnete sich vor ihr eine Tür. Durch das dunkle Kerzenlicht war diese für sie gar nicht sichtbar gewesen. Neugierig versuchte sie von ihrem Platz aus so weit wie möglich in das andere Zimmer zu sehen Doch bis auf tiefe Dunkelheit war nichts zu erkennen.
Dann erklang leise Musik und wie durch Zauberhand wurde ein reich gedeckter Tisch in der Mitte hell erleuchtet.
"Gehe nur hinein und erlabe dich an den Köstlichkeiten. Lass deine Sinne verführen und berauschen, doch sei dir gewiss, dass jederzeit eine Aufgabe auf dich warten kann."

                 

5. Kapitel: Ein Dinner allein

Susanne aß, als gäbe es keinen nächsten Morgen mehr. Sie hatte fürchterlichen Hunger. Seit dem Frühstück hatte sie nichts mehr gegessen und nahm das, was man ihr hier geradezu aufdrängte, trotz ihrer zwiespältigen Gedanken zunächst mit Freuden an.
Mit viel Fantasie hatte man ein wahres Potpourri an Delikatessen  zusammengestellt. Es gab Lachs, Garnelen und Hummerschwänze, die sich um einen kleinen Berg aus schwarzem Kaviar legten. Daneben stand ein Wildbrett und auf einem weiteren Teller konnte sie sich am kalten doch wohl schmeckendem Roastbeef schadlos halten. Selbst das Obst bestehend aus frischen Erdbeeren, Melonen, Heidelbeeren und dazu rot glänzenden Äpfeln war kunstvoll aufgereiht.

Da sie nicht wusste, wie viel Zeit man ihr gewährte, um all diese Köstlichkeiten zu probieren, schlang sie die ersten Bissen wie eine Verhungerte hinunter. Erst allmählich und ganz leise, während sie abwechselnd zwischen Fisch und Fleisch wählte und vom gut gekühlten Champagner trank, kam ihr der Gedanke an eine Henkersmahlzeit in den Sinn.
Natürlich war ihre Situation mit der eines zum Tode Verurteilten nicht zu vergleichen. Immerhin erwartete sie nicht der Tod, doch nicht zu wissen, was genau geschehen würde, war nicht viel schlimmer als der Gedanke daran. Da nutzten auch all die Köstlichkeiten nichts, um sie zu beruhigen.
Im Gegenteil sogar, je länger sie alleine vor ihrem Tisch saß, umso tiefer drangen ihre düsteren Fantasien in ihre Seele. Immer tiefer fraßen sie sich durchs Fleisch, bis sie schließlich und endlich ihr Ziel erreicht hatten und Susanne voller blanker Furcht ihr Besteck fallen ließ.


'Noch habe ich die Möglichkeit zu gehen', sagte sie leise zu sich, um dann doch diesen Gedanken im selben Moment wieder zu verwerfen. Jetzt schon aufzugeben würde bedeuten, Raoul niemals vertraut zu haben und genau das wäre eine Lüge. Er würde ihr sicherlich niemals etwas zumuten, was ihr schaden könnte.
Vielleicht, so kam ihr der Gedanke, würde es ein wenig wehtun und sogar an ihrer Würde kratzen. Doch der Lohn am Ende dafür in seinen Armen gehalten zu werden und seinen Stolz zu fühlen, war es ihr wert. Sie musste durchhalten bis zur bitteren Neige.

Schüchtern sah sie sich im Halbdunkel um. Nichts, außer den Kerzen und einer bizarr anmutenden Malerei an der Wand war zu erkennen. Auf dem Bild standen drei Herren vor einer nackten Sklavin mit gesenktem Haupt. Sie schien zu weinen, jedenfalls hatte Susanne den Eindruck, als würde sie es tun.
War es das, was sie ebenfalls zu erwarten hatte oder würde am Ende nichts geschehen?
Ungewissheit kann so unerträglich sein. Die Gedanken lähmen und Minuten zu quälenden Stunden werden lassen. Sie konnte einfach nicht nur so dasitzen und abwarten. Sie musste etwas tun, um nicht noch mehr Angst zu empfinden.

Da noch immer leise Musik erklang, versuchte sie die einzelnen Stücke, die ausnahmslos Klassik oder mystische Gesänge waren, an den ersten Takten zu erkennen. Gott sei Dank hatte sie in ihrem Leben schon weitaus mehr Opern und klassische Stücke gehört als jetzt von Nöten war. Es half ihr jedenfalls, nicht immer nur an das Eine zu denken, sondern machte ihre Lage halbwegs erträglich.
Dennoch hatte sie mit der Zeit das Gefühl, beobachtet zu werden. Susanne fühlte förmlich, wie fremde Augen sie anstarrten und darauf wartete, dass sie etwas tat oder sagte. Immer unheimlicher kam es ihr vor. Sie hätte jetzt sonst was für eine Zigarette gegeben und verfluchte den Umstand, dass sie diese in der Eile zu Hause vergessen hatte.

Nervös begann sie, an ihren Fingernägeln zu kauen. Dabei kam ihr spontan Raoul in den Sinn. ER hasste, sie kauen zu sehen. Wäre sie jetzt bei ihm zu Hause, würde er ihr auf die Hände schlagen und ihr verbieten es je wieder zu tun.
Und obwohl sie es wusste und nicht sicher sein konnte, dass Raoul sie nicht doch beobachtete, saß sie nun Nägel kauend vor einem immer ausladenden Tisch und trank still nachdenkend Champagner.
Fiebrig vor Erwartung rutschte sie nervös auf ihrem Stuhl hin und her. Der Drang aufzustehen und durchs Zimmer zu gehen wurde immer größer... Doch noch lieber hätte sie laut nach ihrem Herrn gerufen und um Erlösung ihrer Qualen gebeten. Und doch blieb sie stumm und wartete. Und wenn es hundert Jahre dauern würde sie würde sich nicht von der Stelle rühren entschied sie in dem Moment als gerade der Kanon in G-Dur von Pachelbel erklang. Im gleichen Moment wurde eine Flügeltür geöffnet und zwei livrierte Diener betraten das Zimmer. Keiner der beiden sah sie an oder sprach ein Wort mit ihr. Still wie sie gekommen waren räumten sie die Habseligkeiten vom Tisch. Susanne konnte nur still und erstaunt zusehen wie eines nach dem anderen verschwand und selbst der leere Tisch vor ihren Augen fortgeräumt wurde. Dann gingen sie wieder und ließen sie alleine auf dem Stuhl zurück. Im nächsten Augenblick hörte die Musik auf zu spielen und die plötzliche Stille erschien ihr kalt und bedrohlich Grelles Licht das ihr direkt ins Gesicht schien ließ sie intuitiv die Augen zusammen blinzeln.

> Steh auf > hörte sie aus dem Nichts.

Und im nächsten Augenblick erschienen zwei kräftig aussehende Männer und umfassten ihre Arme. Dann ging alles rasch. Susanne konnte kaum den schnellen Schritten der Beiden folgen. Man zog sie mehr als das sie ging einen relativ langen Flur entlang. Dann öffnete man eine weitere Tür und schob sie hinein. Nackte Wände, eine Pritsche, ein Napf auf dem Boden und eine Art Nachttopf starren sie gaffend an.

> Kleid ausziehen und hinsetzen> raunte einer der beiden ihr barsch zu.

Zittern zog sie ihr Kleid aus und setzte sich hin... Gleich darauf wurden Ihr zwei Lederarmmanschetten verpasst und man hob grob ihre Arme nach oben. Während der eine noch damit beschäftigt war sie ordentlich an einer Kette zu fixieren riss der andere ihre Beine auseinander und setzte eine Spreitzstange dazwischen. Dann gingen sie und ließen sie alleine.
Schauernd begriff sie dass sie hilflos allem ausgeliefert war. Und bevor ihr überhaupt die ganze Tragweite bewusst wurde standen drei in schwarzen Kutten gehüllte Männer vor ihr. Es war unmöglich überhaupt zu erkennen, ob sich unter ihnen vielleicht Raoul befinden würde. Keiner von Ihnen sprach auch nur ein einziges Wort mit ihr. Der größere von Ihnen nickte den anderen zu und man begann stumm sich an ihrem nackten Körper zu schaffen zu machen. Eine Weile hoffte sie an den Berührungen ihren Herrn erkennen zu können doch musste dann schließlich einsehen, dass dies nicht so einfach war. Anfänglich waren die Berührungen sanft und loderten lediglich nur ihre Empfindungen an. Doch mit der Zeit wurden sie fordernder und intensiver.
Susanne hatte nicht vorgehabt sich erregen zu lassen und doch passierte es mit jeder Minute an denen die Herren sich an ihr vergnügten.
Mittlerweile war sie sich auch sicher dass einer davon Raoul sein musste...
Nur er wusste davon wie erregt ihr Körper auf gewisse Berührungen reagierte. Und nur er kannte das Geheimnis ihr Nippel, die wenn man sie wie ein Schraubstock zwischen die Finger nahm und behutsam umdrehte um sie im nächsten Augenblick schlagartig wieder los zulassen es ihr ungeahnte Lust verschaffte. In kürzester Zeit wurde Susanne Wachs zwischen seinen Fingern.
In dem Moment als diese sich in ihr Inneres bohrten stöhnte sie lustvoll auf und warf ihren Kopf zur Seite.
> Dieses geile Miststück, sie trieft vor Nässe > hörte sie Denjenigen sagen, der seine Finger immer tiefer in ihr bohrte und diese dabei schnell hin und her bewegte.
> Und darf sie das. Geil sein. Haben wir ihr das etwa schon erlaubt? > wand sich der zweite zu dem Letzten hin der ihre vor Begierde erregten Nippel zwischen seinen Händen hielt. Dann setzte er noch unter einem hämischen Lächeln hinzu:
>Das Stück weiß wohl nicht wer sie ist! >
Anstelle das der Dritte darauf antwortete erhielt sie von ihm zwei schallende Ohrfeigen auf jede ihrer Wangen.
Ihr Gesicht brannte und trotz des Schmerzes konnte sie sich gegen ihre eigene Geilheit nicht wehren. Unvermittelt zog der Fremde seine Finger aus ihr heraus und strich sie genüsslich unter ihre Nase entlang.
> riechst du deine Geilheit du Hure. ? > dabei lachte er tief in sich hinein..
> Wir sollten Sie warten lassen bis sie weiß wie sich eine Sklavin benimmt > hörte sie plötzlich den anderen sagen. Der Dritte, der ihr die Ohrfeigen gegeben hatte sagte kein Wort.. Aber auch ohne Worte spürte sie seinen verachtenden Blick.
Qualvoll dachte sie daran wie oft er ihr gepredigt hatte nur Lust zu empfinden, wenn er es ihr erlaubte und nun hat sie schmählich versagt.
Zu gerne hätte sie Worte der Entschuldigung für ihn gefunden doch alles was ihr in den Sinn kam war kaltes Entsetzen und gleichzeitig wünschte sie sich in seine sicheren Arme. In dem Moment als sie zu ihm hoch sah bückte er sich und hob etwas vom Boden auf.
Erst als sie kaltes Wasser auf ihrem Gesicht spürte wusste sie was er aufgehoben hatte. Dann drehte er sich um und ging. Die anderen beiden folgen schweigsam und schlossen hinter sich dir Tür. Sie hörte noch wie man sie verriegelte und draußen leise mit einander sprach.. Doch selbst, wenn sie verstanden hätte was sie sich zu sagen hatten es hätte sie nicht interessiert.
Beschämt sah sie zu Boden.
Das Wasser glitt ihr von den Haaren herab und alles was sie in diesem Moment vor sich sah war das Bildnis der weinenden Sklavin.

             

6. Kapitel: Erkenntnisse

Wie qualvoll Einsamkeit ist und wie sehr man sich nach einem Menschen sehnt, erfuhr Susanne in dieser Nacht. Nichts, was sie kannte kam dieser physischen Tortour gleich. Wenn ihr je vorher auch nur ansatzweise jemand versucht hätte zu erzählen, wie hart und unerbittlich Raoule sein konnte, sie hätte ihn oder sie einer Lüge bezichtigt.
Nach dem ersten Besuch hatte man sie nur kurz alleine gelassen. Vielleicht dachte Raoul auch, Susanne würde schneller kapieren, worauf es ihm ankam. Doch als sie auch beim zweiten Mal nicht den gewünschten Anforderungen entsprach, ließ man sie bis zum nächsten Auftauchen quälend lange warten. Zäh schloss sich Minute an Minute an, bis zu einer Kette aus Stunden, die sie bangend und wartend auf ihrer Pritsche saß. Immer darauf gefasst, dass jeden Moment die Tür geöffnet wurde und die Pein von neuem begann.
Man hatte sie weder losgebunden, noch es ihr in irgendeiner Form bequemer gemacht. Einzig ein wenig Wasser hatte man ihr am Ende zu trinken gegeben, bevor man still schweigend ging... Und nicht ein einziges Mal war sie sich wirklich sicher, dass Raoul sich unter ihnen befand... Und selbst wenn er unter ihnen gewesen war, so hatte er es doch vermieden, ihr ein Zeichen zu geben.
Sie fühlte sich unendlich alleine und trieb wie ein Stück Holz, das man irgendwo in einen Fluss geworfen hatte, zwischen den Wellen ihrer Gefühle hin und her. Das einzige rettende Ufer waren ihre wirren Erinnerungen an das, was man mit ihr getan hatte. Und immer wieder versuchte sie, hinter das Geheimnis seines Wunsches zu gelangen. Wieder und wieder forderten fremde Hände ihren Geist, aber vor allen Dingen ihren Körper zu einem Kampf heraus, bis sie am Zenit ihrer Lust hilflos und flehentlich bettelte, genommen zu werden. Jede ihrer Lustschreie wurde mit zotigen und deftigen Worten kommentiert, bis sie zuletzt nur noch wimmernd um Erlösung bitten konnte. Und wenn sie dachte, man würde nie von ihr lassen und sie immer weiter und weiter quälen, hörten die Berührungen so plötzlich, wie sie begonnen, hatten auf.

Erst, nachdem sie das letzte Mal zu ihr kamen, hatte sie endlich die Gewissheit erhalten, dass ihr eigener Herr sie ebenso herausfordernd berührte hatte, wie die anderen... Er blieb als Letzter im Türrahmen stehen und drehte sich plötzlich zu ihr um. Er sah, wie erschöpft sie auf ihrer Pritsche saß und leise vor sich hin weinte. Schweigsam kam er auf sie zu und kniete sich vor ihr hin. So unerbittlich auch noch eben seine Berührungen waren, viel zärtlicher war dann das, was er tat...
Langsam hob er seine Hand zu ihr hoch und im ersten Moment dachte sie, er wollte sie schlagen und zog ruckartig den Kopf zur Seite. Doch stattdessen berührte er fast schon liebevoll ihr verschwitztes Gesicht und strich ihr eine feuchte Haarsträhne aus der Stirn. Dann nahm er etwas von der Steinkante, die sich über ihrem Kopf befand und stellte es behutsam vor sie auf den Boden. Im nächsten Moment fühlte Susanne den nassen Schwamm.
Raoul kniete vor ihr und wusch ihr den letzten Schweiß vom Gesicht. Das Wassert tat gut und hinterließ dieses Mal keinen bitteren Beigeschmack. Nach Stunden, in denen sie zwischen Leiden und Hoffnung schwebte, trafen sich ihre Blicke zum ersten Mal. Stumm sahen sie sich an bis Raoul endlich etwas sagte.


"Es muss sein, Liebes... Ich weiß, dass du weißt, was ich von dir fordere. Also fühle und handle danach und du wirst diesen Raum verlassen können... Vertraue mir."
Dann stand er auf, löste ihre Arme von den Ketten und befreite auch ihre Beine aus der starren Stange und folgte den anderen.
Einige Zeit blieb sie still auf der Pritsche sitzen, ohne überhaupt an irgendetwas denken zu können. Dann hörte sie, wie man die Tür erneut öffnete und die leisen Schritte auf sie zukamen...
Ängstlich ohne auf zusehen flehte sie förmlich:  "Bitte nicht. Ich hab noch gar nicht nachdenken können, so wirr sind meine Gedanken" und fühlte im gleichen Moment warme, weiche Hände, die sie sanft berührten und eine freundliche Stimme die zu ihr sprach.
"Keine Angst, ich bringe dir nur etwas zu trinken." Dann stellte die Person, in der Susanne die Frau erkannte, die sie ins Haus geführt hatte, einen Krug und ein Glas auf den Boden.
"Trink und ruhe dich ein wenig aus", forderte die Stimme sie auf und verschwand ebenso leise wie sie gekommen war.

Zeit ist unendlich und eigentlich völlig gefahrlos. Sie wird erst dann zu einer Bedrohung, wenn man glaubt, nicht genügend davon zu haben. Und genau dieses Gefühl beschlich Susanne, nachdem auch die Frau sie alleine ließ. Angestrengt dachte sie über seine letzten Worte nach und zermarterte sich das Hirn, wie genau sie zu sein hatte, damit er mit ihr zufrieden war. Und dann plötzlich lag die Antwort greifbar vor ihr. Nicht ein einziges Mal hatte sie weniger an sich als an ihren Herrn gedacht...
War sie jemals auch nur einen Moment dabei selbstlos geblieben? Hatte sie sich nicht geradezu schamlos geil jeder Berührung angebiedert und weitere herbeigesehnt, so als ginge es darum, ihre Lust zu befriedigen. Nicht sie diente ihnen, sondern die Herren dienten ihr und diese Erkenntnis wog schwerer als das Alleinsein in diesem düsteren Zimmer. Endlich erkannte sie worauf es ihm wirklich ankam.
Beim nächsten Mal wollte sie genauso dienen, wie Raoul es von ihr erwartete. Vertrauen, Hingabe und bedingungsloser Gehorsam diese Worte kam ihr auf einmal wie eine Offenbarung vor und niemals wieder wollte sie Raoul enttäuschen...

Und das tat sie auch nicht. Beim letzten Mal war sie vorbildlich, hingebungsvoll und ohne jedwede Erwartung für sich selbst. Lobende Worte und am Ende die Erlaubnis sich in den Amen ihres Herren einem ekstatischem Orgasmus hingeben zu dürfen, war der Lohn ihres Tuns. Und obwohl man sie auch diesmal danach alleine ließ, hatte sie nicht das Empfinden, verloren zu sein. In Gedanken war sie ihm unendlich nahe.
Kauent, ihre Beine ganz eng an sich gezogen und ihren Gedanken ganz bei Raoul, lag sie zufrieden auf ihrer Liege, als plötzlich ihre Ruhe gestört wurde. Vor ihr stand dieselbe Frau die ihr bereits schon die Tür geöffnet hatte und ihr nach dem vorletzten Mal den Krug mit Trinken gebracht hatte. Diesmal hielt sie einen Umhang in der Hand und bat Susanne freundlich aufzustehen.
"Wohin gehen wir?", fragte Susanne neugierig.
Die Frau lächelte sie an, doch blieb zunächst schweigsam. Man sah ihr an, dass sie wohl überlegte, was sie ihr antworten durfte.
"Dort, wo ich dich hinbringe, erwartet dich nichts außer einem wohltuendem Bad und ein weiches Bett." Dann reichte sie Susanne den Umhang und half ihr, das Band zu schließen.
"Lass uns gehen", sagte sie mit weicher Stimme.

Susanne folgte, doch schon nach den ersten Schritten konnte sie ihre Neugierde nicht länger zurückhalten.
"Heißt das, ich kann noch nicht nach Hause?"
"Nein", sagte die Fremde kurz und ohne eine Erklärung hinzuzufügen.
Mit dieser Antwort konnte Susanne sich nicht zufrieden geben und so fragte sie, ob sie denn wüsste, was weiter mit ihr geschehen würde?
"Ich habe keine Befugnis, dir irgendetwas zu sagen. Ich bin ebenso Sklavin meines Herren, wie du die des deinigen. Aber glaube mir, dass alles im Sinne deines Herrn geschehen wird", antwortete sie, ohne jedoch dabei ihre Schritte zu verlangsamen. Susanne hielt die Fremde plötzlich an ihrer Schulter fest. Sie hatte zwar keine Ahnung, ob sie ihr die nächsten Fragen überhaupt beantworten würde, aber sie musste es versuchen… Ihr Verstand verlangte nach Antworten.
"Bitte, sag mir doch wenigstens deinen Namen und den deines Herren. Vielleicht kenne ich ihn sogar", fügte sie zaghaft hinzu.
Diesmal drehte sie sich um und lachte sogar, als sie sagte.
"Für eine Sklavin bist du ganz schön neugierig... Also ich heiße Cora und Nein, du kennst meinen Herrn nicht. Er aber dafür deinen... Ich glaube, damit sind all deine Fragen beantwortet", schloss sie und war schon im Begriff weiter zu gehen, als Susanne sie flehentlich ansah.

"Bitte, nur noch diese eine Frage. Sie ist wichtig für mich..."
"Also gut. Nur die eine. Was möchtest du also noch von mir wissen?"
"Hat dich dein eigener Herr jemals einer solchen Prüfung ausgesetzt und ist es dir schwer gefallen, alles zu tun?"
Doch anstelle zu antworten, ging sie einfach weiter. Susanne folge ihr und dachte schon daran, dass sie ihr die letzte Frage nie beantworten würde, als die Fremde vor einer Zimmertür stehen blieb und sich zu ihr umdrehte.
"Ja, vor vielen Jahren und seitdem bin ich seine Sklavin und in diesem Haus. Und nein, nichts von alledem fiel mir schwer. Ich tat es für ihn, weil ich wusste, wie wichtig es ihm war. Glaub mir, es ist besser für dich, nicht über alles so viel nachzudenken... Und nun gehe hinein und versuche ein wenig zu schlafen. Die Zeit, bis man erneut nach dir schickt, wird schneller vergehen, als dir lieb ist."
Lächelnd öffnete sie die Tür und mit einer Handbewegung forderte sie Susanne auf hineinzugehen.

          

7. Kapitel: Am nächsten Tag

Laute Geräusche weckten Susanne aus einem tiefen traumlosen Schlaf. Nie und nimmer hatte sie gedacht, nach dieser Nacht überhaupt schlafen zu können.
Gestern, nachdem man hinter ihr die Tür schloss und wie gewohnt verriegelte, sah sie sich zunächst im Zimmer um.
Es erinnerte sie ein klein wenig an ihr Zimmer in Raouls Haus. Auch das hatte zwei große Fenster, die vom Boden bis fast zur Decke reichten. Neugierig, wie sie nun mal war, spähte sie hinaus. Draußen dämmerte es bereits und das rot am Horizont kündigte den neuen Tag an. Demzufolge musste es also bereits schon früher Morgen sein. Man hatte sie also wirklich die ganze Nacht in diesem kalten Verließ gefangen gehalten.

Während sie hinaus sah, um irgendetwas zu erkennen, von dem sie nicht mal genau wusste, was es eigentlich sein sollte, verspürte sie das Bedürfnis, die erfrischende Morgenluft ein zu atmen. Doch trotz heftigem Ziehen und Rütteln ließ sich das Fenster nicht öffnen.
Traurig drehte sie sich um und ging hinüber zum Bett. Resigniert setzte sie sich auf die Bettkante und dachte wie immer nach. Egal, wo ich mich in diesem Haus aufhalte, man hält mich wie eine Gefangene. Die ganze Zeit spricht Raoul von Vertrauen und traut mir nicht mal soweit, dass er Türen und Fenster offen lässt. So als hätte er Furcht, ich könnte vor dem, was mich erwartet, fortlaufen.

Wütend über ihren Herrn sprang sie auf: "Ich werde dir beweisen, wie sehr ich dir gehören will", rief sie ins leere Zimmer und ging in Richtung Bad.
Das wohlig warme Wasser, ihre Gedanken und die Ereignisse der Nacht hatten sie müde gemacht. Erschöpft ließ sie sich aufs Bett fallen und blickte starr zur Decke. Eigentlich hatte sie nicht vorgehabt zu schlafen. Vielmehr wollte sie sich ausmalen, welche Aufgabe noch auf sie wartete und muss wohl dann darüber eingeschlafen sein. Und nun wurde sie unsanft vom Lärm geweckt.
Abrupt stand sie auf und ging zum Fenster. Sie musste sehen, was da vor sich ging und zog die Gardine zur Seite.

Draußen waren ein paar Männer damit beschäftigt, Kisten in das Haus zu schleppen. Plötzlich sah einer von ihnen zu ihr hoch. Entsetzt, bei ihrer Neugierde entdeckt worden zu sein, wich sie zurück.
Dennoch konnte sie nicht anders und sah ein zweites Mal hinaus. Doch der Platz war menschenleer. Nur eine große Kiste stand verlassen da und sie fragte sich noch, was sich wohl darin befinden könnte, als im gleichen Moment die Tür aufging.
"Du bist schon wach", hörte sie hinter sich Coras Stimme.
Susanne drehte sich um und sah ihre einzige vermeidliche Verbündete an.
"Ja, der Lärm hat mich geweckt."
Cora stelle das Tablett, das sie in den Händen trug, auf dem Tisch ab und kam auf sie zu. "Da ist nichts von Bedeutung für dich", sagte sie leise und zog mit einem Griff die Vorhänge zu. Dann schob sie Susanne in Richtung Bad.
"Geh Duschen und hinterher kannst du etwas essen. Es ist schon später Nachmittag und viel Zeit bleibt dir nicht mehr."


Wenig später saßen sie gemeinsam an dem Tisch. In der einen Hand hielt Susanne ihre Tasse mit Kaffee und in der anderen ein Brötchen. Mehrmals machte sie den Ansatz dazu, Cora eine Frage zu stellen und schluckte sie dann doch ungesagt hinunter. Erst, als Cora sie bat, sich zu beeilen, fand sie endlich den Mut dazu.
"Cora, bitte, du musst mir sagen, was mich erwartet. Ich muss es wissen!"
Ohne ein Wort zu sagen, stand sie auf und ging zu dem kleinen Schrank hin, der in der Ecke stand. Dann öffnete sie mit einem Schlüssel die Schublade und holte etwas heraus.
Schweigsam kam sie zum Tisch zurück und legte das, was sie noch eben in den Händen hielt vor Susanne hin.
"Das ist alles, was du wissen musst. Mehr kann und darf ich dir nicht sagen."
Susanne verstand nicht, was das zu bedeuten hatte und sah fragend zu Cora und dann auf den breiten Halsreif aus schwarzem mattem Metall.

"Ist der für mich?", fragte sie erstaunt
"Ja und nur das wirst du tragen, wenn wir dort hingehen, wo dein Herr dich erwartet."
"Aber ich muss doch...", entglitt es Susanne und sie wollte eigentlich noch mehr sagen, als Cora sie herrisch unterbrach.
"Es gibt nichts zu erklären. Tue einfach das, was man dir sagt."
Nur mit äußerster Willenskraft konnte Susanne ihre aufsteigenden Tränen unterdrücken und ließ sich schweigsam das Metall um den Hals legen.

Bizarr und dekadent kam ihr der Ort vor, an dem sie sich wenige Minuten später wiederfand. Cora hatte sie schweigsam dort hingebracht und sie dann einem widerlich aussehendem Kerl überlassen, der nichts Besseres zu tun hatte, als ihren Mund grob mit einem Knebel zu versehen und in die Reihe wartender Sklavinnen an zu ketten.
Jetzt stand sie nackend und frierend wartend neben einer Bühne, von dessen Existenz sie nicht mal eine Ahnung hatte. Ihr fielen die vielen Kisten wieder ein und sie war sich ziemlich sicher, dass man die Bühne darin sorgsam verpackt hatte, um sie hier aufzubauen.
Noch bis vor ein paar Minuten hatte sie noch daran geglaubt, Raoul würde wirklich nur auf sie warten, um sie in seine Arme zu nehmen. Alles hätte sie sich vorstellen können, nur niemals etwas derartig Bizarres.
'Vertraue', sagte sie leise zu sich und sah sich gleichzeitig ängstlich nach ihrem Herrn um. Dann wurde die erste Sklavin losgebunden und auf die Bühne gebracht. Kurz darauf konnte man hören, wie der widerlich aussehende Kerl sie anpries, als wäre sie ein Vieh das zum Verkauf stand.

"Meine Herren, die erste Sklavin. Eine wahrlich bezaubernde Dreilochstute." Im Augenwinkel konnte Susanne sehen, wie die andere sich umdrehte, sich verbeugte und wie man ihr grob die Po backen auseinander zog. Dabei kam nicht ein Laut von ihr. Nicht mal als der widerliche Mann von Neuem zu sprechen begann.
"Schaut selbst, über welchen vorzüglichen Eingang diese Stute verfügt. Sie ist gut zu reiten, hat mir ihr Herr anvertraut", fügte er mit einen süffisanten Lächeln hinzu. Wie viel für sie geboten wurde, hörte Susanne nicht. Dafür war sie viel zu weit entfernt, um überhaupt auch nur einen der Herren hören, geschweige denn sehen zu können.
Sie fragte sich, ob Raoul auch unter ihnen war und mit welchen Vorzügen man sie wohl anpreisen würde? Als ihr im gleichen Moment der Gedanke einfach zu grotesk erschien.

Bestimmt war alles nur ein Irrtum und Raoul würde kommen und dieser Farce ein Ende bereiten. Sicherlich wollte er sie nur auf die Folter spannen und zusehen, wie sich ihr Körper unter der Angst sich lechzender Augen zur Schau stellen zu müssen, windet und erzittert. Das konnte er unmöglich unter Vertrauen verstehen, beruhigte sie sich selbst.
Doch weder Raoul noch Cora erschienen. Eine nach der anderen wurde unter Susannes wachen Augen zur Bühne gebracht, um sie den Herren zum Verkauf anzubieten. Und während sie darauf wartete, dass sie an die Reihe kam, zwang sie sich an das geforderte Vertrauen zu denken.
Angst und entsetzen schnürte ihr erst die Kehle zu als die letzte Sklavin vor ihr an der Reihe war.

Bei den Worten, die der Sklavenhändler, so hatte sie den widerwärtigen Kerl im Geiste genannt, für die Sklavin fand, hätte sie sich am liebsten die Ohren zugehalten.
„Diese hier, meine Herren, ist etwas ganz Exquisites. Zartes und festes Fleisch. Geradezu perfekt geeignet, um seine Peitsche darauf tanzen zu lassen", dabei tätschelte er den Hintern der Sklavin, als stünde ein Ackergaul vor ihm.
Angewidert vom Zusehen wand Susanne ihren Kopf zur Seite. Mit Schrecken dachte sie an die nächsten Minuten und betete leise flehentlich darum, dass Raoul endlich auftauchen möge.


Als man sie holte, hatte sie jegliche Hoffnung auf Erlösung verloren. Immerzu betete sie im Geiste das Wort Vertrauen vor sich her, als sie die wenigen Schritte auf die Bühne ging. Dann stand sie vor einer gaffenden Menge an Herren, die ihr vorkamen wie blutrünstige Bestien.
Es waren einfach zu viele, um beim ersten Hinsehen Raoul zu entdecken und plötzlich stand er abseits der Bühne und sah sie an. Ihre Blicke trafen sich und schweigend formte sie mit ihren Lippen die Worte "Rette mich!"
Eine Gelegenheit, seine stumme Antwort zu sehen, bekam sie nicht mehr, denn im nächsten Augenblick wurden ihr die Augen verbunden. Dann hörte sie den Sklavenhändler mit einem Hauch an Ironie sagen:
"Eine frische Sklavin, meine Herren. Erlaubt mir daher, dass ich ihr die Augen verbinde. Sie ist ängstlich und wir wollen doch nicht, dass sie von der Bühne läuft nicht wahr?"
Bei diesen Worten lachte die Menge auf, um im nächsten Moment erneut still den Worten des Händlers zu lauschen.
"Ihr Herr hat sie gut vorbereitet und noch in der letzten Nacht einer notwendigen Prüfung unterzogen. Sie wird gehorsam sein und dennoch eine feste Hand brauchen." Diesmal war es ihr Hintern, auf dem seine Hände tätschelnden.

Während er Worte für ihre wohl geformten Brüste fand und den Vorzug ihrer Bereitschaft zu dienen hervorhob, spürte sie tiefe Scham und zaghaft die erste Träne ihre Wange herunter laufen.
Sie hatte keine andere Wahl als hier stehen zu bleiben und ihrem Herrn zu vertrauen. Und plötzlich bekam das Wort Vertrauen für sie eine völlig andere Dimension.

               

8. Kapitel: Es braut sich was zusammen

Es gibt viele Möglichkeiten, bei denen ein Mensch Schmerzen empfinden kann. Sei es, dass sie ihm mutwillig als Ausbruch eines Gewaltaktes zugefügt werden, durch ein Missgeschick, Unfall oder als unangenehme Begleiterscheinung während einer Krankheit oder nach einer Operation.
Es gibt auch solch einen Schmerz, dem man sich völlig freiwillig unterwerfen wird, nur um Lust zu empfinden. So unterschiedlich auch die Gründe des Schmerzes sein können, so haben sie doch letztendlich alle etwas gemeinsam.
Dann nämlich, wenn der Schmerz zu groß wird, wird man anfangen zu weinen, zu wimmern und im äußersten Fall sogar laut schreien. Es ist, als ob man ein Ventil öffnet, um es für sich erträglicher zu machen. Doch was kann man tun, wenn das, was einem zugefügt wird, alles andere als bloßer Schmerz ist und tiefer in die Seele kriecht?

Wenn weder schreien noch wimmern kann die Qual lindern kann... Was bleibt einem da übrig? Selbst dann noch hat man die Möglichkeit einer Wahl.
Die Erste und Leichtere ist, sich dem Schmerz als notwendiges Übel hinzugeben und zu leiden, bis man erlöst wird. Die Zweite und somit die weitaus schwierigere ist, diesen Schmerz erst gar nicht tief an sich heran zu lassen, sich in eine Art Dämmerzustand zu versetzen, indem man das, was mit einem geschieht, keinerlei Beachtung schenkt.
Zweifelsohne nicht so einfach und erst Recht nicht, wenn man sich in der Situation wiederfindet, in der sich Susanne befand. Und doch entschied sie sich, während man sie nackt fremden und gierigen Augen zur Schau stellte, für die zweite Lösung.


Der Umstand, dass ihre Augen verbunden waren und sie weder Raoul noch Irgendjemand sonst sehen konnte, hatte es ihr sicherlich erleichtert. Dennoch blieb die Tatsache bestehen, dass sie sowohl hören als auch fühlen konnte.
Gleich zu Beginn, als der widerliche Kerl ihren Körper anpries wie eine reife Frucht, wäre sie vor Scham am liebsten gestorben. Auch seine Berührungen konnte sie nur widerwillig ertragen und hätte sich gerne dagegen gewehrt.
Doch dann begann es in ihr zu arbeiten und sie dachte an all die Worte, die ihr Raoul immer wieder beschwörend gesagt hatte. Hörte ihn im Geiste von tiefem Vertrauen sprechen und davon, wie wichtig ihm alles war. Und von einer Minute zur anderen entschied sie sich, für ihn all das zu ertragen.

Von diesem Augenblick an hatte sie das Empfinden, als würde sie sich selber von oben zusehen können. Nicht sie, sondern nur ihr Körper stand jetzt noch da. In Gedanken war sie bei ihm und inmitten der Dunkelheit, die sie umgab, sah sie plötzlich sein Gesicht vor sich.
Nichts schien mehr für sie von Bedeutung zu sein. Vergessen waren die fremden Augenpaare, die sie lüstern betrachteten. Sie hörte weder die derben Worte, noch spürte sie irgendwelche Berührungen. Alles, was für sie zählte, war ihr Herr, der stolz auf sie sein sollte. Es störte sie nicht mal mehr, als man ihr grob in den Hintern griff und dazu herablassende und niedere Worte fand.
Sie war sich so sicher, dass Raoul nichts anderes vorhatte, als sie hier auf spielerischer Weise versteigern zu lassen. Niemals auch nur würde er sie wirklich einem anderen völlig überlassen.

Erst, als sie jemand sagen hörte: "Ich biete 1000 Sklavendukaten" und ein lautes Raunen durch die Stuhlreihen ging und aus einer Ecke ein Anderer laut in den Saal rief: "Diesen hohen Preis ist sie nicht wert!", kam ein leiser Zweifel auf, doch als sie die freudige Antwort des Sklavenhändlers hörte, wie er sagte:
"Master Simon, ein wahrlich hohes Gebot für eine so unerfahrene Sklavin. Das wird niemand der Herren überbieten", tat sie den Zweifel als dummen Gedanken ab.
Sie kannte den Namen. Raoul hatte ihn zu verschiedenen Anlässen immer mal wieder erwähnt. Sie wusste zwar nicht, wie sie zueinander standen, doch alleine die Tatsache, dass es sich bei Demjenigen, der sie ersteigern wollte, um eine Person handelte, die ihr Herr kannte, ließ sie sicher sein, dass diese Versteigerung nur ein weiterer Test war, um ihr Vertrauen zu prüfen.
Kurz darauf erhielt Master Simon den Zuschlag und man führte sie ebenso grob von der Bühne wie man sie auch hingeführt hatte.


Weniger Minuten später fand sie sich an der Hand des Mannes, der sie ersteigert hatte. Während er sie mit sich zog, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, ihr die Augenbinde abzunehmen und ihr nur hin und wieder sagte, wann sie die Beine hoch zunehmen hatte, um nicht zu stolpern, glaubte sie sich noch immer als Protagonistin in einem Spiel.
Eines das bis ins kleinste Detail durchdacht war und an dessen Ende niemand verlieren würde.

Doch anders als von ihr erwartet, wurde sie in keines der Zimmer gebracht. Auch wartete Raoul nicht auf sie. Weder in den vielen Gängen, die sie blind an der Hand eines Fremden durchlief, noch draußen, als man sie in einen Wagen setzte. Man fuhr einfach mit ihr los, ohne ihr auch nur den leisesten Hinweis zu geben, wohin die Fahrt geht.
Mit der Zeit nagte der Gedanke an ihr, dass es sich vielleicht doch nicht um ein Spiel handeln würde. Simon schwieg, als würde er ein Geheimnis bewahren und war auch sonst in keiner Weise so, wie sie erhofft hatte.
Dann im nächsten Augenblick versuchte sie ihre wirren Gedanken damit zu beruhigen das Raoul sie nur nach Hause fahren ließ, um sie dort dann endlich in die Arme zu nehmen.

Als sie die Ungewissheit schließlich nicht mehr aushielt, wagte sie es zu fragen und wurde mit barschen Worten zum Schweigen gebracht.
Die restliche Zeit der Fahrt verbrachte sie still nachdenkend und damit sich immer wieder daran zu erinnern, dass sie Vertrauen sollte. Doch je länger die Fahrt sich hinzog, desto schwerer fiel es ihr.
Irgendwann hielt der Wagen an und Simon, der neben ihr gesessen hatte stieg aus... Sie hörte wie er nach Hinten ging und den Kofferraum öffnete…

"Hier, zieh das an und steig aus", sagte er und legte ihr ein Bündel auf den Schoß... Nervös, mit einem Gedanken bei Simon, der draußen stand und auf sie wartete und mit dem anderen bei Raoul, von dem sie glaubte, ihn dort, wo sie hingeführt werden würde, zu sehen, tastete sie blind den Stoff nach Armlöchern ab.
Es kam ihr wie eine halbe Ewigkeit vor, bis sie diese endlich fand. Rasch zog sie es an und stieg aus. 'Wenn man mir jetzt etwas zum Anziehen gibt, muss ich also irgendwo sein, wo sich Fremde aufhalten', dachte sie noch, als sie im selben Augenblick von weitem Stimmgewirr hörte, das immer näher kam.

Kurz darauf hörte sie, wie sich zwei Menschen angeregt unterhielten. Einer davon blieb plötzlich stehen. Sie spürte, dass er ihr ganz nah war. 
"Das ist ja man mal ein toller Einfall, der Frau die Augen zu verbinden, um sie zu überraschen" und an Simon gewandt sagte er: "Geburtstag oder Hochzeitstag schätze ich mal."
"Das Letztere. Nicht wahr, mein Schatz?", erwiderte Simon ruhig und faste Susanne im gleichen Moment liebevoll um ihre Taille.
"Na, dann noch viel Spaß und alles Gute", sagte der Fremde grinsend und ging weiter. Simon blieb noch so lange stehen, bis er die Fremden um die Ecke biegen sah. Erst dann ließ er sie los. Kurz darauf hörte sie seinen Befehl: "Komm!"
Dann führte er sie einen kurzen Weg entlang und blieb stehen.
Gleich darauf wurde die Tür geöffnet und Simon führte Susanne ins Haus.
In dem Moment, als die Tür ins Schloss fiel, stand Simon hinter ihr und nahm ihr die Augenbinde ab.

"RAOUL", rief sie freudig erregt, als sie erkannte, wo sie war. Die Gewissheit, dass es genauso geschah, wie sie es erhofft hatte, versetzte Susanne in eine Art Hochstimmung. Simon hielt sie nicht auf, als sie in den Salon lief.
Traurig stand sie da, als Simon an ihr vorbei ging und sich auf einen der breiten Klubsessel setzte. Dann holte er ein Etui aus seiner Anzugtasche und steckte sich eine Zigarette an. Schweigsam hielt er Susanne das Etui hin:
"Nimm. Ich weiß, das du rauchst."
"Warum ist er nicht da?", fragte sie enttäuscht und ging langsam auf Simon zu...

Ihre Hand zitterte leicht, als sie sich eine Zigarette aus dem Etui nahm. In dem Moment, als sie sich auf den Stuhl ihm gegenüber setzen wollte, schnalzte Simon mit seiner Zunge.
"Tztztz... Hab ich dir erlaubt, dich zu setzen?"
Irritiert sah Susanne ihn an. "Nein, aber ich dachte..."
"Noch ein Fehler", hörte sie ihn sagen.
Dann deutete er mit seiner Hand auf den Boden vor sich.
"Hier ist dein Platz und nirgendwo sonst."
"Ich verstehe nicht ganz, was...?"
Barsch unterbrach Simon ihre Gedanken
"Ich verlange nicht, das du verstehst... Ich verlange, dass du gehorchst." Dennoch oder gerade wegen seinen Worten, bleib Susanne stur vor ihm stehen und sah ihn böse funkelnd an.
"Was ist, hast du nicht verstanden?", hörte sie ihn sagen. Simon beugte sich leicht nach vorne, tippte mit seiner Handfläche auf den Boden und sah zu ihr hoch.

Susanne rührte sich keinen Millimeter von der Stelle. Sie dachte gar nicht daran, sich seinem Willen zu unterwerfen. Für sie war das Spiel in dem Moment beendet, als sie dieses Haus betrat.
Mit einem Sprung stand Simon plötzlich vor ihr. Packte sie an den Haaren und zog sie grob auf den Boden hinunter. Dabei presste er zwischen seinen Zähnen hervor: "Wie du dich erinnerst, habe ich dich ersteigert und das für einen ziemlich hohen Preis. Da darf man ja wohl ein wenig Gehorsam erwarten!"
"Ich will zu Raoul", schrie Susanne und trat im gleichen Moment nach ihm. Simon hob die Hand und schlug ihr hart ins Gesicht.

"Dein Herr wird kommen, dann, wenn er es für nötig hält. Solange gehörst du mir. Hast du das jetzt kapiert", schrie er zornig und griff ihr noch immer mit einer Hand fest in den Haaren.
Erst als sie still vor ihm auf dem Boden kauerte, ließ er sie los und setzte sich hin. Ruhig nahm er sich eine Zigarette aus seinem Etui und zündete sie an. Beschämt und entsetzt über die heftige Ohrfeige blieb Susanne regungslos liegen und schloss ihre Augen ganz fest zu.
Nur nicht denken, nicht hinsehen, es ist alles nur ein böser Traum, dachte sie und wusste im gleichen Moment, dass sie hier ebenso eine Gefangene war, wie in den letzten 48 Stunden.
Dabei sah es noch vor wenigen Minuten so aus, als würde Raoul hier auf sie warten, sie in seine Arme nehmen und ihr sagen, wie stolz er auf sie ist und nun gehörte sie allem Anschein nach und das auch noch mit Einverständnis ihres Herrn diesem Simon. Sie wollte und durfte einfach nicht begreifen, was hier mit ihr geschah.


Kühler Atem streifte plötzlich ihre Haut und sie spürte, wie Simon ihr immer näher kam. Furcht saß ihr im Nacken und schnürte ihr die Kehle zu. Sie schluckte mehrmals und wäre am liebsten aufgesprungen und davon gelaufen.
Doch bevor sie es sich überlegen konnte, packte er sie brutal am Kinn und zog ihren Kopf ganz zu sich heran. Kalt und hart empfand sie seine Augen als sie ihn ansehen musste. Langsam zog er an seiner Zigarette. Die Hitze der Glut brannte auf ihrer Haut und dann blies er ihr den widerlichen Qualm mitten ins Gesicht
Angewidert drehte sie ihren Kopf zur Seite und spürte im gleichen Augenblick einen stechenden Schmerz im Nacken.
"Du hast mich an zu sehen, wenn ich mit dir reden will. Verstanden?" Aus Furcht, von ihm geschlagen zu werden, nickte sie nur stumm.
Diesmal wand sich Simon angewidert von ihr ab. Und während er sich langsam in die Stuhllehne fallen ließ, hörte sie ihn kalt und verachtend sagen:
"Deinen Preis bist du wohl erst wert, wenn ich mit dir fertig bin", dabei lachte er tief und gemein in sich hinein... 
Susanne hörte es nicht mehr. Sie saß stumm vor ihm und starrte ins Leere.

                  

9. Kapitel: Der Abschied

Sie erwachte erst aus ihrer leichten Trance, als sich hinter ihr jemand laut räusperte. Erschrocken drehte sie sich um und sah Raoul am Türrahmen stehen. Sie wollte aufspringen und zu ihm laufen. Doch etwas in seinem Blick sagte ihr "Lass es sein".
Es war, als würde er durch sie hindurch sehen, so als wäre sie Luft. Verwirrt blieb sie sitzen und dachte daran, wie lange er sie wohl schon beobachtet hatte.
Noch an der Tür zündete er sich eine Zigarette an, kam langsam auf sie zu. Im ersten Moment glaubte sie dann doch, er würde sie jetzt in seine Arme nehmen. Doch schon im nächsten Augenblick, als er sich still neben sie setzte, wurde sie bitter enttäuscht. Weder streckte er seine Hände nach ihr aus, noch sah er sie an. Er saß einfach schweigend, den Rauch seiner Zigarette tief einatmend da und sagte keinen Ton.

"Was soll das, Kleines?", hörte sie ihn plötzlich sagen.
Was soll was? Diese Frage stand ihr förmlich ins Gesicht geschrieben, als sie ihn ansah. "Du enttäuscht mich sehr."
"Wie kann ich dich enttäuscht haben, wo ich doch alles für dich getan habe?", fragte sie leise.
"Weil du mir nicht vertraust", schrie er sie an und schlug ihr so fest ins Gesicht, dass sie nach hinten taumelte. Nur unter Tränen brachte sie ihr: "Doch ich hab dir vertraut" hervor.
Raoul stand auf und beugte sich über sie. Zuerst sah es so aus, als würde er sie nochmals schlagen wollen als er seine Hand erhob, doch dann ließ er sie abrupt fallen.
Schweigend ging er hinüber zur Bar, nahm zwei Gläser und schenkte sich und Simon einen Whisky ein. Kam dann ebenso schweigsam zurück, reichte Simon sein Glas und trank seines in einem Zug aus. Mit dem Handrücken wischte er sich über den Mund und beugte sich erneut über Susanne.
Kaum mehr als ein Flüstern konnte man die Lautstärke bezeichnen, zu der er mit ihr sprach.

"Wenn du mir völlig vertraut hättest, dann wäre ich jetzt nicht hier." Und dann donnerten seine Worte wie scharfe Pfeile auf sie herab.
"Doch stattdessen muss ich sehen, wie du dich ihm verweigerst. Und das, obwohl du mir bedingungslos dienen wolltest, nach allen Regeln, die ich für nötig halte. Nennst du das etwa Hingabe und Vertrauen. Ich sehe darin nur Ungehorsam mir gegenüber", schrie er zornig.
Susanne saß da und zitterte am ganzen Körper. Nur allmählich drangen seine Worte tief in ihr Bewusstsein. Stück für Stück setzten ihre Gedanken die verschiedenen Mosaikteile zusammen, bis sich ein Ganzes ergab. Und dann, aus der Lethargie der vergangenen Stunden erwachend, hörte sie sich selber sagen: "Das, was du von mir verlangst, ist kein Vertrauen, Raoul. Was du willst ist, dass ich mich für dich zur Hure mache!"
"Du bist mein Eigentum. Ich kann alles von dir verlangen. Einschließlich, dass du dich zur Hure machst und Simon oder sonst wem so lange dienst, wie ich es will", schrie er aufgebracht und wütend zurück.

Ihre Reaktion kam für ihn völlig überraschend. Nicht im Entferntesten hatte er nach diesem Wochenende damit gerechnet, dass sie noch zu so etwas fähig war. Und doch stand sie auf und stellte sich vor ihn hin.
In ihrem Gesicht war weder Furcht, noch etwas anderes zu sehen. Mit ruhigen Worten brachte sie das hervor, was sie eben noch in Gedanken klar für sich erkannt hatte.

"Nein, Raoul. Ich liebe dich und will dir dienen, aber nicht zu diesem Preis, den du von mir verlangst."
Erst nach einer Weile fragte er tonlos: "Du weißt, was dein Nein bedeutet."
"Ich kann nicht anders, trotz meiner Liebe zu dir", sagte sie leise.
Simon, der die ganze Zeit ruhig im Stuhl gesessen hatte, blickte von einem zum anderen. Gespannt wartend, wie sich Raoul entscheiden würde.


Quälend lang vergingen die Minuten, in denen Susanne ihrer Liebe willen, die sie nach wie vor für Raoul empfand, darum bangte, er möge sie jetzt nach ihrem Nein nicht einfach verstoßen. Und als er ihr kurz über die Wange strich und sie beinah zärtlich ansah, keimte ein Funken Hoffnung auf, der im gleichen Moment durch seine Worte zerstört zu wurde.
"Ein Nein kann und will ich nicht akzeptieren." Dann wandte er sich an Simon: "Bitte sei so gut und schreibe ihr für die Unannehmlichkeiten einen Scheck aus."
"Raoul, bitte versteh doch", bat sie ihn flehentlich, als er sich entschlossen umdrehte.
Mit einer Hand versuchte sie ihn vom Gehen abzuhalten. "Bitte, lass es so nicht enden", hörte sie sich leise sagen und doch schienen ihre Worte an ihm ab zu prallen. Auch als sie schluchzend auf den Sessel sank, drehte er sich nicht einmal zu ihr um.

Erst an der Tür blieb er stehen und ohne dass er sie ansah, hörte sie seine letzten Worte: "Morgen gegen 10 Uhr wird Steven dir deine Koffer bringen. Dann wirst du ihm das Armband aushändigen und bist frei. Das Geld wirst du brauchen für Unterkunft und die erste Zeit, bist du wieder neue Arbeit gefunden hast." Dann ging er hinaus und ließ Susanne alleine.
Sie hörte, wie sich seine Schritte immer weiter entfernten und doch konnte sie es nicht glauben.

Simon tippte ihr an die Schulter und hielt ihr den Scheck entgegen. Sprachlos sah sie ihn an, als er ihr den Scheck in die Hand legte.
"Ich denke, die Summe wird reichen."
Dann ging auch er und ließ sie allein.
'Raoul, ich gehöre doch dir!', formten lautlos ihre Lippen. Und selbst, wenn sie es hinaus geschrien hätte, es gab Niemanden, der es noch hören wollte.

           

Epilog

Das leichte Knarren der Tür schrecke Susanne aus ihren Gedanken auf.
Wortlos stellte Steven ihren alten Lederkoffer auf den Boden und kam auf sie zu.
Schweigsam und mit zitternden Händen reichte sie ihm das Armband. Dann nahm sie ihren Mantel, hob den Koffer hoch und ging langsam zur Tür.
"Nur noch einen allerletzten Blick", sagte sie leise zu Steven, der hinter ihr stand. Sie drehte sich um, betrachtet stumm das Zimmer.
Wie einfach es doch war, sich hier zu Hause zu fühlen und wie schwer es ihr jetzt fiel zu gehen, dachte sie und hörte sich selber leise fragen:
"Hätte ich eine andere Entscheidung treffen können?"
   

Wortlos nahm Steven ihr den Koffer ab und ging an ihr vorbei.
Bis er ihr draußen die Wagentür des Taxis aufhielt und sie einstieg, sprach er kein einziges Wort mit ihr. Erst dann hörte sie ihn plötzlich sagen.
"Du hättest", sagte er ruhig "Aber dann hättest du auch deine Seele verkauft."
Noch ehe sie etwas antworten konnte, schloss er die Tür und ging ins Haus zurück. Und noch bevor das Taxi die nächste Ecke erreichte, wusste sie das Steven Recht hatte.


ENDE

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