Lilo David 

Ihre Reise kann beginnen

Abrakadabra  oder, wenn plötzlich die gute Fee vor einem steht.

Vor ein paar Tagen flatterte mir per Whats App ein Witz über ein älteres Paar ins Haus,  das sich von einer Fee etwas wünschen durfte. Um die Pointe gleich vorweg zu nehmen. Der Mann wünschte sich eine jüngere Frau und wurde kurzerhand dreißig Jahre älter gemacht. Jeder kennt solche Witze und weiß, dass es oftmals nicht bei dem einen bleibt. Natürlich erhielt ich  an den darauf folgenden  Tagen ähnlich gelagerte Witze und das nicht nur über mein Handy.  In dem einen wünschte man sich ein knackiges Würstchen, in dem anderen war es  eine Frau, mit atemberaubenden Kurven und Haaren, die es an Länge durchaus mit denen von Rapunzel aufnehmen könnte. Und in einem war sogar der Wunsch vorhanden,  alles tun zu können, wozu man Lust hat.  Einige von denen, die mir diese Witze zugesandt hatten, hielten es für notwendig mir augenblicklich mitzuteilen, was sie sich denn so wünschen würden. Andere schrieben ihre Kommentare unter den Witz, den ein anderer zuvor in einer uns allen bekannten Social Media Plattform gepostet hatte.  Da war die Rede von Weltfrieden, Einigkeit und Gerechtigkeit. Einer wünschte sich sogar mehrere Millionen, um die Welt zu retten.  Ich will deren Wünsche weiß Gott nicht beurteilen oder verurteilen.  Schlussendlich kann sich jeder wünschen, was ihm lieb ist. Nur so recht glauben an den Gutmenschen, das kann ich irgendwie nicht und das, obwohl ich ebenso zu denen gehöre, die sich eine bessere Welt wünschen und wegen mancher Ungerechtigkeit auf Erden gerne auf die Barrikaden geht und es zu mindestens verbal anprangert.  

Doch, wenn ich so ganz tief in meinen hinter letzten Gedanken darüber nachdenke, was ich mir wirklich wünschen würde, so muss ich ehrlich zu geben, dass es nicht Weltfrieden, die Rettung der Menschheit oder Geld für ein soziales Projekt wäre, sondern, es eher profane und sehr persönliche Dinge wären, die ich gerne erfüllt sähe. Ich denke dabei eher an mein Schlafzimmer, das auch nach zwei Jahren immer noch nicht fertig umgebaut ist, an eine gute Finanzspitze, um den Umbau voranzutreiben, daran  mir manchen sehr persönlichen Wunsch erfüllen zu können und,  ich denke an meinen Garten, der wirklich einmal professionelle Hände nötig hätte. Er sieht zwar soweit in Ordnung aus, aber um meine Gartenwünsche wirklich alle um zu setzten, fehlt es immer irgendwie an überschüssigem Kleingeld.  Ja, mir kommen da Tausend Dinge in den Sinn , wie Gesundheit, ein langes Leben, immer mehr Geld auf der Bank als ich ausgeben kann, eine tolle Reise hin zum Nordkap , ein neues schickes Auto und selbst den überaus unwichtigen Wunsch von langen schmalen Beinen hätte bei mir garantiert Gehör gefunden. Ja. Was sagt das über mich aus?  

Bin ich also gar nicht so sozial eingestellt, wie ich gerne vorgebe? Sind mir meine privaten Anliegen wichtiger als die der ganzen Welt? Bin ich also gar kein Gutmensch, wenn man diesen Begriff überhaupt jemals verwenden sollte? Womöglich am Ende ein riesengroßer Egoist, der nur sich sieht und sonst nichts?  

Nein. Mitnichten bin ich das!  

 Aber ich räume ein, dass es einen großen Unterschied macht, ob ich darüber rede, mit anderen diskutiere , Petitionen unterschreibe und an friedvollen Demonstrationen teilnehme und unter einem öffentlich verbreiteten Witz oder Ansicht meine Meinung niederschreibe oder, mich plötzlich vor einer guten Fee wiederfinde, die mir allen Ernstes meine Wünsche erfüllen möchte. Selbst dann, wenn es sich nur um die berühmt berüchtigten drei Wünsche handelt. Da geht es nämlich anders, als in der breiten Öffentlichkeit, in dem man sich selbstredend immer gut darstellen möchte, um das Eingemachte.  Plötzlich hat man die Wahl, zwischen persönlichem Wunsch und dem, was man der Welt und allen Menschen auf der Erde Gutes tun möchte. Das ist wie mit einem Lottogewinn. Vorher können alle große Töne spucken und verteilen im Geiste ihre Millionen an wohltätige Organisationen und bedenken Oma, Opa, Tante, Onkel, Nichte und Neffe. Doch, wenn es soweit ist und man wirklich Millionen gewinnt, verschwindet der gute Vorsatz oft schon im Keim. Und ehe man sich versieht,  erhält man von dem Lottomillionär Karten aus Übersee und wird nach getaner Reise zu einem Dinner in seinem neuen feudalen Haus eingeladen, wenn man überhaupt noch Kontakt hat.  

Geld regiert die Welt und, wenn man die Möglichkeit hat, sich selber auf so feiner Art,  mit was auch immer zu bereichern dann tut man es auch. Gutmensch hin oder her.  

Kann man so etwas schon als Heuchelei bezeichnen, wenn sich Personen, die sich zuvor vehement  für den Weltfrieden und soziale Gerechtigkeit eingesetzt haben dann als schnöde Nutznießer wiederfinden?  

 Nein, weil wir Menschen trotz aller Güte und dem Sinn für Gerechtigkeit und politischer Ansicht in erster Linie Egoisten bleiben. Wir leben in einer Ich- Mensch- Mentalität. Was nicht bedeutet, dass man sich nicht um Weltpoltische grundlegende Missstände sorgen kann und dennoch ist sich am Ende jeder selbst der nächste.  Wenn`s irgendwo brennt  oder Chaos ausbricht, sieht auch jeder zu, sich in Sicherheit zu bringen. Das hat nichts mit Unsozial zu tun, sondern, mit der Tatsache, dass wir Menschen in Notsituationen überhaupt nicht in der Lage sind wirklich rational zu denken. Dieses „ ach hätte ich nur“ kommt viel später nämlich dann, wenn der erste Schock überwunden ist. Natürlich gibt es auch hier immer Ausnahmen, aber mal ehrlich, die sind eher selten.    

Nun befindet man sich selbstredend natürlich nicht in einer Notsituation, wenn man einer guten Fee  gegenüber steht. Und doch ist es gar nicht so anders,  als eine Situation, die uns ängstigt und egoistisch handeln lässt. Würden wir wirklich in einer solchen Situation stecken wären wir nämlich absolut überfordert. Unser Gehirn kann gar nicht so rasch überlegen, wie wir es gerne hätten und selbstredend fallen einem da keine weltpolitischen Sorgen ein. Wir können gar nicht anders, als eben genau die eine Entscheidung zu treffen, die für uns von Vorteil ist. Würde man all diejenigen Fragen, ob sie ihr Geld, Hab und Gut oder gar ihr Leben für hunderte von geretteten Kindern aus Syrien oder sonst einem Kriegsgebiet opfern, wie glauben Sie, würden sich wohl die meisten entscheiden?  

Ich will gerne an den Gutmenschen glauben. Auch daran, dass es Menschen gibt, denen ihr eigenes Wohlergehen, ihre eigenen kleinen Wünsche nicht so wichtig sind, wie das große Ganze. Und dennoch habe ich meine Zweifel daran, dass sich die meisten am Ende eher für andere, als für ihr eigenen Vorteil  und eigenes Wohlergehen entscheiden würden.     

Traurig ?

Nein!

 Das gab es immer und wird es auch immer geben. Nur ich finde, wir sollten ehrlicher damit umgehen und nicht so tun, als wären diejenigen, die es zugeben schlechtere Menschen als diejenigen, die behaupten in erster Linie an andere zu denken. 

 Lieber mal an die eigene Nase fassen und darüber nachdenken, was man sich im Fall des Falles wirklich wünscht.   

In diesem Sinne  

Herzlichst eure Lilo          


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