Lilo David 

Ihre Reise kann beginnen

 

Schnäppchenjäger-Sonderangebots-Krankheit, oder du bist nicht allein. 

 

Ja, ich bekenne mich schuldig, im Sinne der Überschrift.

Ich bin ein unverbesserlicher Schnäppchenjäger. Ich hab wirklich alles versucht mich dagegen zu wehren, aber jedes Mal, wenn ich einkaufe  machen meine Augen blink, blink, blink, wenn ich eines dieser roten Schilder mit der Aufschrift  SONDERANGEBOT sehe. Ich kann einfach nicht widerstehen und so landet in meinem Einkaufswagen manches, was ich eigentlich gar nicht brauche, oder schon mal als Vorrat – für schlechte Zeiten-  mitnehme. Man weiß ja nie wozu man es doch irgendwann gebrauchen kann. Mein Mann verdreht schon jedes Mal seine Augen, wenn ich mit meinen leuchtend vor dem Regal stehe und in null komme nichts diese einmalige Beziehung zum Produkt meiner Wahl aufbaue. Das geht in Sekundenschnelle. Wo andere einfach vorbeigehen, oder das teurere Produkt wählen, greife ich beherzt zu den Angeboten der Woche, des Jahres oder des Universums. Glauben Sie ja nicht, dass es mir leicht fällt. Oh Nein. Ich hadere schon mit mir. Allerdings meistens nur fünf Minuten und dann schwupps landet es doch in meinem Einkaufswagen. Dabei ist es mir wurscht, ob ich zuhause bereits dreimal Butter im Kühlschrank habe, oder zwei Pakete Spaghetti im Schrank, oder die Wurzeln für 44 Cent einpacke und das natürlich gleich dreimal,  die  Woche ist lang und Wurzeleintopf ist lecker. Neulich hab ich doch tatsächlich achtmal Kaffee gekauft. Natürlich von meiner Lieblingssorte. Nun ja, ich bin auch ein ausgesprochener Kaffee- Mensch und,  wenn so ein Angebot da ist, ja dann muss ich zugreifen.

Manchmal ist es aber auch gut, dass meinen Augen kein Sonderangebot durch die Lappen geht. Warum soll ich mehr bezahlen, wenn ich es auch preisgünstiger haben kann. Und landet etwas Essbares in meinem Einkaufswagen, dass zeitig verbraucht werden muss, gut dann wird kurzerhand der gesamte Essensplan um den Haufen geworfen. Ganz dem Motto: Spare in Zeiten, dann hast du was in der Not. Wäre ja alles nicht so schlimm, wenn sich mein Sonderangebotssparfimmel nur auf Lebensmittel beschränken würde. Aber Nein. Seit einigen Monaten stelle ich fest, dass es sich mittlerweile ausgebreitet hat, wie ein Schnupfen.

Es  begann ganz leise und beinah unbemerkt. Nicht, dass sie glauben, meine Leidenschaft für Schnäppchen hätte mich sozusagen über Nacht ereilt. Nein.  Anfänglich war mir jeder Sale und Sonderangebotsabverkauf völlig schnuppe. Ich konnte daran vorbeigehen ohne diesen stechenden und dann überlegenden Blick. Aber seit der Einzelhandel uns Verbraucher förmlich an jeder Ecke  mit Sonderangeboten und Supersparpreiswochen bombardiert, gleicht mein Schutzschild einem durchlöcherten Käse. Seit Monaten verspüre ich ein regelrechtes Kribbeln im linken Zeigefinger und werde magisch von jedem roten Sonderangebotsschild angezogen, wie die Motten vom Licht. Kurz um,  ich müsste schon mit Magnetschuhen, die mich an Ort und Stelle festhalten, oder mich in eine andere Richtung ziehen einkaufen gehen. Vielleicht, meinte ich neulich erst zu meinem Mann, wäre eine Schlafmaske geeignet. Ich meine, wer blind ist sieht nichts und ich wäre fein aus dem Schneider.  > Schatz es reicht, wenn du die Kontaktlinsen weglässt. Du bist eh blind wie ein Maulwurf >>, war seine Antwort. Also mal ehrlich, so  übertreiben muss man ja nun auch nicht. Wie auch immer. Mein Herzblatt ist jedenfalls schon ziemlich genervt und Recht hat er.

Vor ein paar Wochen waren wir in der Drogerie unseres Vertrauens. Wie gesagt, wir wollten nur Dinge einkaufen, die man für die Körperreinigung- und Pflege  und der Wäsche benötigt und dann von einer Minute zur anderen, als wären in Bruchteilen von Sekunden in meinem Kopf alle Schalter umgelegt worden entdeckten meine Argusaugen diese klitzekleinen roten Schilder. Wie hypnotisiert bin ich an dem Regal vorbeigeschritten und dann passierte es. Noch ehe mein Mann auch nur halbwegs bis drei zählen konnte landete eine grüne Gartenlampe mit Teelichthalteeinsatz im Einkaufswagen. Nicht, dass wir nicht schon ungefähr ein Dutzend davon irgendwo im Garten stehen haben. Abgesehen davon ist der Sommer vorbei, also wozu braucht man noch eine neue Gartenlampe. Das hatte mein Mann mich übrigens auch gefragt und meine Antwort kam prompt: >> Schatz, die ist über die Hälfte herabgesetzt und der nächste Sommer kommt bestimmt>>…… Yupp . Diesem Argument hatte mein Mann nichts entgegenzubringen. Wo ich Recht habe, habe ich halt Recht.  Es landete übrigens noch ein Lippenstift, natürlich aus der Sonderangebotskiste, und drei super niedliche Handtücher mit Hirschmotiven, selbstredend als Supersonderangebot im  Einkaufswagen- seitdem zieren sie  meinen Tisch im Wintergarten. Zugegeben, alles Sachen, die ich eigentlich nicht brauche und dennoch kaufe. Ach, es ist ein Kreuz mit diesen roten Schildern. Wirklich, manchmal kann ich schon verzweifeln über so wenig Selbstdisziplin und das Arge daran ist, dass es mir auch noch diebische Freude bereitet, wenn ich mal wieder ein gutes Schnäppchen mit nachhause gebracht habe.

Seit mir klar ist, dass ich von dieser unheimlichen Schnäppchen-Krankheit befallen bin, sinne ich danach zu ergründen warum es so ist. Bislang jedoch Fehlanzeige auf ganzer Linie. Aber nicht  mehr einkaufen zu gehen ist auch keine Lösung. Vielleicht sollte ich überlegen, einen „ Schnäppchen-Alarm-Kontroller, in Form einer Person, meines Vertrauen, die mich dann in dem Moment, wenn meine Hände sich begierig nach dem Objekt meiner Begierde ausstrecken zurückhält und mich mit guten Argumenten überzeugt, es nicht zu tun. Also, mein Mann ist da völlig ungeeignet. Fange ich erst mal an zu argumentieren, zieht er meistenteils den Kürzeren. Es muss ja auch nicht immer sein, vielleicht nur dann, wenn ich in der Stadt unterwegs bin, mich in Bauhäusern aufhalte, durch Drogerien mit Firlefanz-Abteilung und in diesen typischen Geschenkelädchen, mit Kerzen und Schnickschnack bis zum Abwinken aufhalte. Ich meine mal ehrlich, wer um alles in der Welt braucht wirklich zehn lachende Wichtel, auch, wenn diese entzückend aussehen, ein Dutzend Kerzenhalter und 250 Teelichter und diverse Loup-Schals. Gut, die Regierung sprach neulich von Vorratshaltung. Aber das hatten sie damit sicherlich nicht gemeint. 

Hilfe tut Not! Soviel steht fest.

Also, mein Herzblatt war von der Idee ganz angetan. Logisch, Männer sind immer angetan, wenn die holde Weiblichkeit Lösungen sucht, um Geld zu sparen. Gesagt, getan. Letztens, als meine Freundin zu Besuch war hab ich sie gefragt, ob sie nicht …… Aber was soll ich ihnen sagen. Da fängt sie plötzlich an zu lachen, räuspert sich und meint noch immer lächelnd: << was du auch>>. Na ja, wenigstens bin ich nicht alleine damit. Ein Trost , wenn auch ein schwacher.

Vielleicht sollten wir eine Annonce schalten „ Frauen und Männer mit Schnäppchen- Sonderangebots-Krankheit zur Gründung einer Selbsthilfegruppe gesucht. Treffen , jeden dritten Mittwoch im Einkaufszentrum am Haupteingang. Dann verteilen meine Freundin und ich Augenmasken,  leihen uns einen Blindenhund und sehen, mit wie vielen Angeboten dann jeder von uns nach Hause kommt. Und wenn das nicht hilft, ja dann verfassen wir halt eine Petition, schicken diese an den Verbraucherschutz, und fordern ein generelles

SCHNAPPCHEN- SONDERANGEBOTEN-SUPERSPARPREISWOCHEN-KUNDEN-FANG- VERBOT 

Und bis dahin – passen wir auf uns und sie auf sich auf …

 

Herzlichst eure Lilo 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Email