Lilo David 

Ihre Reise kann beginnen

Die andere Kolumne oder, warum ich meinem Prinzip untreu werde

 << und, schreibst du darüber auf deiner Seite? << fragte mich mein neunzehnjähriger Sohn beim abendlichen Essen.  Ich wusste sofort, wovon er redete. Immerhin gab es seit Sonntag, um 18 Uhr kein anderes Thema mehr, worüber wir uns im Familienkreis unterhalten hatten. Dennoch antwortete ich mit einem sehr spontanen NEIN. Überrascht sah er mich an und fragte, beinah schon protestierend<< warum nicht? << Ich weiß nicht, ob ihm meine Antwort << weil ich meine private politische Ansichten nicht auf meiner Kolumnenseite verbreiten möchte. Ich möchte unterhalten und mehr nicht<< gefallen hatte? Aber für mich war der Fall erledigt. Meine Meinung hatte ich kundgetan und gut ist. Erst viel später, als ich gemütlich auf meinem Sofa saß musste ich nochmals über seine Frage nachdenken. Überraschend stellte ich fest, dass mein spontanes Nein mir jetzt weit weniger gefiel, als Stunden zuvor.

Ja. Ich schreibe über banale Alltagsdinge und über Begebenheiten, die mich entweder amüsieren oder  ärgern. Nicht selten wird mein Mann zum willkommenen Kolumnen- Opfer. Was er mir jedoch nie ernsthaft übel nimmt. Von meinen Kindern berichte ich eher selten. Was vielleicht zum einen daran liegt, dass ich mich nie oder nur in den wenigsten Fällen über sie amüsiere oder ärger. Einige Freunde wurden in der Tat schon mal zum unfreiwilligen Opfer und, sollte ich hier über die Stränge geschlagen haben, so kam meine persönliche Entschuldigung immer rechtzeitig. Also bislang war und ist mir niemand wegen meiner öffentlichen Gedanken allzu gram gewesen.  Die Frage, warum ich also kategorisch mit NEIN geantwortet habe, ist, wie ich finde, absolut berechtigt. Bedeutet es womöglich dass ich mich  als Autorin und Kolumnistin jederzeit und gerne auf neutralem Boden befinden möchte, um meine Leser vielleicht mit meiner eigenen ganz persönlichen Ansicht, zu kritischen Themen, nicht zu verprellen? Oder bedeutet es nichts anderes, als das ich feige bin, in einem öffentlichen Raum, und zweifelsohne ist eine Internet- Seite eindeutig dazu zu zählen, zu einem Wahlergebnis, das mir gehörig gegen den Strich geht , ohne Wenn und Aber zu stehen und dies auch in aller Öffentlichkeit kundzutun?

Die Frage, ob man als Kolumnisten, ob nun bekannt oder, wie ich eher weniger bekannt, eine Kolumne dazu benutzen darf, um politisch Position zu beziehen, habe ich mir nie gestellt. Was aber auch eindeutig daran liegt, dass ich aus keinem journalistisch politisch geprägten Lager entstamme.   Aber durch die Frage meines Sohnes musste ich nach einer Antwort suchen, selbst dann, wenn diese Antwort nicht allen gefällt und ich mich mit deren Umsetzung schwer tue, weil es über das normale banale Kolumnengeschreibsel hinausgeht.   

Mir ist deutlich geworden, dass ich zwischen der fiktiven Person Lilo David und der, die ich tagtäglich bin,  keine harte Linie ziehen darf. Es zu tun, würde bedeuten, meine Glaubwürdigkeit zu verlieren. Es muss möglich sein auch zu unbequemen, kritischen und polarisierenden Themen zu schreiben, wenn es das eigene Gewissen verlangt.

In einer uns allen bekannten sozialen Media Community habe ich heute einen Blogbeitrag gelesen, der mich  tief berührte und mir ebenso meine verborgenen Ängste ganz deutlich aufzeigte. Als die Person, die ich neben Lilo David bin, habe ich etwas dazu geschrieben und werde es der Einfach halber und, weil ich als Autorin keine andere Meinung als die, die ich als Privatperson habe, empfinden kann hier posten.


Ich bin nicht schwarz oder habe Migrationshintergrund. Ich bin in Deutschland, als Kind deutscher Eltern geboren und kann nur annähernd nachempfinden, was Frauen, Kinder, Mütter, Väter- kurz um Menschen, mit Migrationshintergrund und anderer Hautfarbe und Glauben in Deutschland emotional ertragen müssen. Einen Blogbeitrag zu lesen, indem eine Mutter über ihre tief empfundenen Ängste berichtet, tat weh.  Es macht mich betroffen und gleichzeitig schäme ich mich für ein Deutschland, in dem es anscheinend wieder möglich ist, dass ganz offen und schamlos Fremdenhass gelebt wird.

Ja, auch ich habe Angst vor der AFD und vor allem rechtspopulistischen Gedankengut, den man übrigens auch in anderen Ländern feststellen kann. In den letzten Tagen habe ich ganz öffentlich, vehement und unnachsichtig, für manche sogar bösartig, mit schwarz/weiß Denken und einer Hau Drauf-Mentalität, mich gegen Rechtspopulismus und Fremdenfeindlichkeit und der AFD ausgesprochen. Und NEIN. Kein einziges geschriebenes Wort tut mir leid. Ich muss mich dafür bei niemanden und nichts entschuldigen.  Ich würde es immer wieder tun , weil ich ein Deutschland, in dem Menschen gehetzt, angegriffen und nur wegen ihrer Abstammung, Religion oder sexuellen Ausrichtung erneut diffamiert, verfolgt und beleidigt werden , nicht haben möchte und unerträglich empfinde.

Gestern wurde mir nach einem erneuten Beitrag meinerseits haarklein erläutert, warum so viele Menschen die AFD gewählt haben, und mir auf vielerlei Weise plausibel gemacht, dass nicht alle Wähler auch Nazis sind. Zu einer Demokratie gehört es dazu, dass man auch die Parteien, mit denen man nicht konform gehen kann akzeptiert.

NEIN , sage ich dazu, und zwar ganz entschieden.

Eine rechtspopulistische Partei kann ich nie und nimmer akzeptieren und die, die sie gewählt haben möchte ich gerne folgendes wissen lassen:

Man kann sich sozial ungerecht behandelt fühlen, man kann sich auch von etablierten Parteien verlassen fühlen und das Empfinden haben, dass Deutschland einen vergessen hat. All das ist legitim und zum Teil auch nachzuvollziehen. Und dennoch berechtigt all das nicht dazu eine Partei zu wählen, die ganz offen die demokratisch- freiheitlichen Werte mit Füßen tritt und mit nationalsozialistischem Gedankengut Hass, vor anders denkenden und lebenden Menschen schürt. 

Menschen, die die AFD gewählt haben tragen dazu bei, dass sich braunes Gedankengut erneut, wie ein unliebsames Furunkel, in unserem Land breit macht.  Unsere Geschichte hat uns gelehrt oder sollte uns gelehrt haben, dass braune Gülle im höchsten Maße gefährlich ist.

WER WÄHLT DARF SEINEN VERSTAND NICHT AN DER GARDEROBE ABGEBEN ……

WÄHLEN BEDEUTET AUCH IMMER EIN MINDESTMAß MITVERANTWORUNG ZU TRAGEN FÜR EIN FREIES, LIBERALES, WELTOFFENES UND HASSFREIES DEUTSCHLAND!

 

In diesem Sinne herzlichst eure Lilo

 

  

 

 

   

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