Lilo David 

Ihre Reise kann beginnen

Dieses Kribbeln im Bauch oder, wenn aus dem verliebt sein Geborgenheit wird..

Diejenigen, die schon etwas älter unter uns sind, werden sich sicherlich an diesen Song von Pe Werner erinnern. Ein schöner Text, wie ich finde. Nun ist es jedoch mit diesem beschriebenen Brausepulvergefühl solche Sache. Selbstredend wünscht man sich, dass dieses kribbelnde Gefühl nie vergehen wird. Aber seien wir doch mal ehrlich. Es blubbert und kribbelt doch nur in den ersten Wochen und Monaten, wenn man es kaum erwarten kann den anderen zu sehen. Dann schwirren im Magen Tausend Schmetterlinge, im Kopf herrscht ein Gefühl, als hätte man tagelang Champagner getrunken und alles fühlt sich so verdammt leicht an. Ja, das verliebt sein ist ein unbeschreibliches Gefühl und am liebsten würde man es ein Leben lang spüren. Nur so ist es leider nicht. Die Ernüchterung holt einen schneller ein, als einem lieb ist.  Und manchmal wird dann aus reiner Verliebtheit Liebe, die dann hoffentlich ein Leben lang bleibt.

Hollywood zeigt uns auf seinen Hochglanzfilmen oft genug Romanzen, die vor kribbelndem Brausepulver nur so überschäumen. Nur leider enden die meisten Filme dann, wo es im realen Leben erst anfängt, nämlich bei einer Partnerschaft , in der man durch dick und dünn geht, die Sorgen miteinander teilt und sich auf den anderen in jedweder Situation verlassen sollte. Was wir sehen sind moderne Märchen, indem natürlich die Prinzessin ihren Prinzen, wenn auch nach einigen aufregenden und manchmal turbulenten Ereignissen, schmachtend in die Arme fällt und sich beide dann in heftigen Verrenkungen unter der Bettdecke heiße Küsse schenken, Happy End inklusive und natürlich verheißen uns diese Filme , dass das auch immer und ewig so bleiben wird. Selbstredend sitzen wir vor der Klotze,  mit  sehnsüchtigem Blicken und einer leichten melancholischen Wehmut.

Ja, sie war schön, diese Zeit der ersten Leidenschaft. Damals, als man nicht voneinander lassen konnte. Nicht mit Blicken, nicht mit Berührungen und man immer das Gefühl hatte, als wohnten hunderttausend Ameisen gleichzeitig in einem. Aber müssen wir dieser Zeit wirklich hinterhertrauern?

Ich glaube nicht. Leidenschaft ist vergänglich. Das wussten unsere Großeltern schon. Nur, wer möchte solche Weisheiten schon gerne hören, wenn man vor Freude am liebsten hüpfen und springen möchte? Wenn man verliebt ist, glaubt man, dass das Herzklopfen niemals aufhört, dass man auch nach Jahren es noch kaum erwarten kann, bis der Partner wieder zu Hause ist und, dass man beim Anblick des Partners, immer nur an das eine denken wird. Es dauert Monate, manchmal Jahre bis man begreift, dass Liebe eigentlich erst dann beginnt, wenn all die Schmetterlinge und Ameisen schon längst ein neues Zuhause gefunden haben. Dazwischen liegt ein Tal voller Tränen, Unglaube, Vorwürfe, Verzweiflung, der Gedanke an verlorener Leidenschaft und nicht selten sogar Trennungsgedanken. Aus leidenschaftlichen Küssen sind längst schon Küsschen geworden, aus eng umschlungenen Körpern, eher Hände, die sich festhalten und aus zwei innig verliebten wurden zwei Menschen, die sich mit den Jahren in- und auswendig kennen. Was bleibt ist ein Mensch, der trotzdem bei einem bleibt und das, obwohl er weiß, wie man mit Fieber und Erkältung aussieht, die Launen oftmals ohne Murren erträgt und einen auch dann nicht verlässt, wenn man wütend , traurig oder gelangweilt ist. Er ist einfach da, gibt einem das Gefühl auch in solchen Situationen und Tagen liebenswert zu sein und trägt völlig selbstlos unsere Lasten mit auf seinen Schultern.

Nicht mehr ständig an den Lippen zu hängen, an leidenschaftlichen Sex zu denken und den anderen mit Haut und Haaren aufzufressen bedeutet nicht, nicht mehr zu lieben. Ja, es mag anfänglich traurig stimmen, dass die Schmetterlinge einfach mir nichts dir nichts im Nirwana verschwunden sind. Und es mag auch legitim sein, dass wir ihnen bisweilen ein wenig nachtrauern und manchmal versuchen alte Zeiten durch künstliche Arrangements wieder herzustellen. Doch letztendlich ist es nur ein billiger Ersatz und oftmals begleitet mit schlechtem Beigeschmack.

Neulich saßen wir mit einigen befreundeten Paaren zusammen. Bei Wein und gutem Essen kamen wir irgendwie doch auf das Thema Liebe, Leidenschaft und Beziehungen. Einer unter uns sagte, zugegeben nach reichlichem Genuss von köstlichem Wein, dass er schon manchmal diese Leidenschaft vermissen würde. Ohne Frage, wir anderen stimmten ihm zu, denn natürlich vermissen wir alle irgendwie manchmal dieses Brausepulvergefühl. Aber, was letztendlich bei allen unterm Strich geblieben ist, ist Vertrauen und Geborgenheit. Nirgendwo und bei keinem andern Menschen wird man ein solches vertrautes Gefühl empfinden.  Und vielleicht ist Geborgenheit das tiefste der Gefühle, sozusagen die Krone der Liebe und Leidenschaft und, man muss erst ein paar Jahre durch eher blasse und weniger heiße und leidenschaftliche Jahre gemeinsam gewandert sein, um das zu begreifen.

 Wie heißt es in dem Lied so schön:


Dieses Kribbeln im Bauch, das man nie mehr vergisst,
als ob da im Magen der Teufel los ist.
Dieses Kribbeln im Bauch
kennst du doch auch,
wenn man glaubt
fast überzuschäumen vor Glück.
Dieses Kribbeln im Bauch, das man nie mehr vergisst,
wie wenn man zu viel Brausestäbchen isst.
Dieses Kribbeln im Bauch
vermisst du doch auch -
einfach überzusprudeln vor Glück.

Wir haben uns so aneinander gewöhnt,
uns bringt nichts und niemand aus der Ruhe.
Die Zeit hat uns die Leidenschaft abgewöhnt,
sie steht wie das schwarze paar Schuhe
irgendwo unten im Kellerregal
wartend auf ein Begräbnis.
Und wir tun so als wär das normal,
unsere Liebe steht ab und wird schal.

Natürlich ist der Text länger. Aber darum geht es nicht. Es geht vielmehr darum, dass sowohl Filme als auch Lieder uns auf verschiedener Weise vorgaukeln, was zu sein hat und, was wir als leider oft und zu tiefst verunsicherten Menschen zu empfinden haben.

Ich mag diesen Song immer noch! Und ja, es kommt vor, dass ich die Leidenschaft in meiner langjährigen Beziehung vermisse und ganz sicher denke ich manchmal auch mit leichter Melancholie an längst vergangene Zeiten. Doch, wenn ich heute ehrlich mit mir bin, habe ich viel mehr als pure Leidenschaft und heiße vergängliche Küsse.

Ich habe ein Zuhause, wo ich sein kann, wie ich bin. Einen Partner, auf den ich mich 101% verlassen kann und der mir Abend für Abend, zugegeben gemütlich sitzend auf dem heimischen Sofa meine müden Füße massiert und auch bei Regen und Sturm für mich zur nächsten Tankstelle geht, um mir meine vergessenen Zigaretten zu holen, der mich auch dann noch liebt, wenn ich mich selber so gar nicht leiden kann und meine Hand hält, wenn es in meinem Magen kribbelt und blubbert, weil ich Ängste und Sorgen habe.

Das Kino und so mancher Song sind Schwindler. Wer glaubt, dort alles über Liebe zu erfahren wird bitter enttäuscht. Seufzen ist erlaubt und auch hin und wieder darf gerne eine kleine Träne der Rührung fließen, wenn sich endlich das langersehnte Happy End einstellt. Nur bei aller Romantik dürfen wir dabei nie vergessen.

Weder Leo und Kate aus Titantic, noch Edward und Vivien aus Pretty Women oder sonst ein verliebtes Pärchen haben es je bis zum wunderbaren Gefühl unendlicher Geborgenheit und Vertrauen gebracht. Denn bevor es nämlich Alltag wird sehen wir in großen Lettern die Worte:

The End.

Und, wer weiß, vielleicht ereilt einem doch irgendwann und völlig unerwartet ein unmoralisches Angebot. Ob man zugreift, bleibt jedem selber überlassen, denn Moral ist immer das, was der Einzelne für sich darunter versteht.

In diesem Sinne

Herzlichst eure Lilo

 

 

 

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