Lilo David 

Ihre Reise kann beginnen

Du bist nicht Du, wenn du -------------------------------

 müde bist lautet mein Kommentar. Klar. Im Werbeslogan geht es um den Hunger. Mir egal. Denn eines bin ich auf alle Fälle nicht: Ich selbst, wenn ich mal wieder nicht schlafen kann. Da nützen kein Mars, kein Snicker und keine Milchschnitte. Ja. Nicht mal Milky Way würde verhindern, dass ich nicht zur schlaflosen Bestie mutiere.  Und weil ich ungern mit diesem lästigen Phänomen alleine bin hege ich inbrünstig die Hoffnung, dass sich unter meinen geneigten Lesern doch der Eine oder die Eine befindet, denen es ebenso ergeht wie mir.  Wenn ja, vielleicht können wir uns gegenseitig an geistreichen Ideen befruchten, wie wir sinnvoll die Zeit verbringen können, bis wir erneut den Weg ins Bett finden und ruhig und friedlich wieder einschlafen.  

Einen Wecker brauche ich nicht. Plötzlich bin ich hellwach. Ganz leise, Frau will ja niemanden wecken, lege ich meine Bettdecke zurück, schaue neidisch auf meine  „ bessere Hälfte „, die wohlig und friedlich mit leisen Tönen dem Morgen entgegen schläft und schleiche mich zur Tür. Hab ich eigentlich schon mal erwähnt, dass ich nachtblind bin?

Nein. Gut. Dann sei es hiermit getan.  Auf meine Augen kann ich also nicht vertrauen. Ich bin nämlich nicht nur nachtblind, sondern, obendrein blind wie ein Maulwurf.  Meine Dioptrien-Zahlen  sind der beste Beweis dafür.  Aber wozu hat man seinen Tastsinn. Wenigstens der funktioniert. Bis zur Tür komme ich  ohne  jedwedes Geräusch zu machen. Doch schon beim  Öffnen kommt mir der erste Ton entgegen. Und glauben Sie mir. Eine quietschende Tür kann einem nachts schon die Schuhe ausziehen, wenn ich dann welche tragen würde.  Ein zaghafter Blick zum Bett hin. Doch mein Mann schläft den Schlaf der Gerechten. Ihn kann halt nichts erschüttern. Nicht mal eine  knarrende und quietschende Tür und  erst Recht keine Ehefrau, die Nacht für Nacht durch das Haus schleicht.

 Auf Zehenspitzen geht es weiter. Leise tapse ich unsere alte Holztreppe herunter, die mittlerweile an bronchialem Asthma leidet. Ich für meinen Teil wäre spätestens jetzt aufgewacht, wenn ich nicht selber diejenige wäre, die für derartige Geräusche im Haus verantwortlich wäre.  

Im Wintergarten finde ich Unterschlupf und als einzige Lichtquelle dient mir die Straßenlaterne. Natürlich könnte ich Licht anmachen. Will ich aber nicht. Denn mein oberstes Gebot lautet: DU WILLST WIEDER INS BETT.

Dann sitze ich da, rauche eine sehr frühe Zigarette. Ja. Ich weiß, Rauchen ist ungesund. Aber nicht schlafen können ist beileibe  nicht minder weniger der Gesundheit zuträglich. Morgens um drei oder vier sind die Zigarette und ich beste Freunde. Sozusagen dicke Verbündete. Und während ich Zug um Zug paffe denke ich darüber nach, was ich tun könnte um wieder müde zu werden. Vielleicht wäre eine heiße Schokolade passend. Aber auch Honig mit Milch soll ja wahre Wunder vollbringen, wenn es um das Einschlafen geht.  Aber hab ich Lust dazu. Ich meine jetzt noch in die Küche zu schleichen und halbblind mir das eine oder andere zu kochen? Meine Mutter. Gott hat Sie selig, tat nachts Dinge, die ich mir geschworen habe nie zu tun.  Da ist das Erwärmen von Milch noch das kleinere Übel. Konnte meine Mutter nicht schlafen, bügelte Sie was das Zeug hielt oder stopfte die Löcher in den  Arbeitshosen meines Vaters.  

Erstens hasse ich Bügeln und zweitens gibt es keine Arbeitshosen, die ich nähen könnte. Ja. Es gibt nicht mal Socken, die ich stopfen könnte. Letzteres würde auch gar keinen Sinn ergeben. Die Nähnadel und ich sind beileibe  nun wirklich keine allerbesten Freunde. Bügeln würde sinnvoll sein. Mein Bügelberg ist zwar noch nicht ganz so hoch wie der Eiffelturm bemüht sich jedoch redlich eine anständige Höhe zu erreichen. Aber will ich das wirklich? Nein . Zum allerletzten Mal. Alles, was ich möchte ist wieder unter meine Decke und Schlafen.    

Doch was tue ich?  Ich sitze da wie Winnie Puh (ein putziges Kerlchen. Ich mag ihn sehr) und denke nach. Und ehe ich weiß wie mir geschieht gehen meine Gedanken von Pfannkuchen bis hin zu Seidenstrümpfen,  tanzen in wogenden Schritten quer durch den Raum,  drehen sich im Kreis herum und rauben mir den letzten Nerv. Während andere wohlig schlafen, reise ich quer durch meine Galaxie. Wie Raumschiff Enterprise (ach, was hab ich die  Sendung gemocht …. Das Lied kann ich heute noch summen) steuere ich alte und neue Sterne an und bin erstaunt welche geistigen Abenteuer ich auf meiner Reise erlebe. Nun ja. Manches davon darf man mit Fug und Recht als alte Kamellen bezeichnen, die weder verstaut noch verpackt sind. Ja. Nicht einmal ordentlich verdaut. Irgendwann hab ich die Nase gestrichen voll von all dem Nachdenken und Reisen und schleiche mich leise, wie ich ungefähr eine Stunde zuvor durchs Haus geschlichen bin wieder hinauf ins Bett. Dabei fällt mir auf, dass die Holztreppe weit weniger knarrt, wenn man sie hoch anstatt runter geht. Sollte ich vielleicht mal drüber nachdenken?   

Mein Bett ist inzwischen so kalt wie Vater Kneipp`s Wadenwannenbad. Mir ist kalt. Meine Füße sind eisig und meine Nase ähnelt der einer kalten Hundeschnauze. Aber dieses Mal bleibe ich liegen. Still zähle ich ganze Herden von blökenden Schafen. Eines nach dem anderen erhält seine Nummer. Fein säuberlich wähle ich zwischen weißen und schwarzen Schafen und achte ich auch auf die kleinen Lämmchen. Die Weißen kommen rechts, die Lämmchen links und was mit den schwarzen Schafen passiert, darüber möchte ich mir jetzt keine Gedanken machen.  

Gefühlte Hunderttausend mal  schaue ich auf den Wecker, höre das leise Atemgeräusch meines Mannes und hoffe inbrünstig, meine Müdigkeit  möge mich endlich einlullen und mich dahin bringen, wo ich schon seit Stunden sein sollte. Im Reich der Träume. Doch irgendwie will es nicht klappen. Der Verzweiflung nahe denke ich an all die guten Ratschläge, die man zuhauf in diversen Zeitschriften lesen kann. Und da haben wir es wieder. „ Können Sie nicht schlafen, kochen sie sich eine heiße Milch mit Honig, zählen Sie Schafe, stehen Sie auf oder beginnen  Sie ein Buch zu lesen“………… Tun Sie alles, um sich abzulenken. Aber bitte versuchen Sie nicht nachzudenken. Das  fördert keine  gesunde Nachtruhe.     

Also doch . Ab in die Küche, ran an den Herd, ran an die Bügelwäsche, an die Socken, an die Hosen oder endlich das Buch zu Ende lesen, dass seit Wochen auf Seite soundso viel aufgeschlagen auf dem Tisch im Wohnzimmer liegt.  

Nur nicht nachdenken, ermahne ich mich und ziehe mir  die Decke bis über meine Nase. Und dann scheint es doch irgendwie zu passieren. Mein hart erkämpfter Schlaf lullt mich ein.  

Natürlich wache ich wie gerädert auf. Nämlich immer dann, wenn mein ausgeschlafener und gut gelaunter Ehemann mir Morgen für Morgen einen frisch gebrühten Kaffee ans Bett bringt.  

Das meine Augenlider sich keinen Moment gegen die natürliche Schwerkraft wehren,  mein Gähnen dem Fauchen eines bösen Löwen ähnelt und ich am liebsten noch eine oder zwei Runden schlafen würde, wird sowohl von ihm als auch von mir ignoriert.  

Nur nicht fragen, wie die Nacht war. Es könnte sein, dass die Bestie noch in mir schlummert und nur darauf wartet aus dem Dickicht herauszuspringen.  

Das einzige was jetzt hilft ist Schweigen, der Musik aus dem Radio lauschen und eine wirklich gute Tasse Kaffee……………  

Und die bekomme ich.  

Morgen für Morgen egal wie meine Nacht war .  

Natürlich könnte ich weiterschlafen.  

 Tue ich aber nicht.

 Warum?  

Nun ja.  

Da hab ich doch neulich erst in einer Zeitschrift unter den vielen Ratschlägen folgenden gelesen:

 Wer lange schläft, schläft nachts schlechter ein.

 

In diesem Sinne

Herzlichst euer Lilo

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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