Lilo David 

Ihre Reise kann beginnen

Einfach, ist anders, ist besser , ist einfach gut.

Mensch. Was hatte ich mich auf diese Feier gefreut! Und nun das! Die Party ist langweilig, die Gäste zum Teil sehr gewöhnungsbedürftig und eigentlich will ich nur noch nachhause. Wenn Sie dieses Gefühl oder eine ähnliche Situation kennen, wissen Sie, wovon hier die Rede ist. Von der Vorfreude und dem Enttäuscht sein. So oder so ähnlich ist es mir bestimmt schon hundertmal ergangen und warum? Diese Frage hab ich bislang noch nie abschließend klären können. Aber jedes Mal, wenn ich mich auf etwas ganz besonders freue und diesem einen Augenblick oder Ereignis entgegenfiebere, passiert garantiert etwas Unvorhergesehenes.

 Waren es früher meine Kinder, die mit einer Regelmäßigkeit dann krank wurden, wenn wir abends eingeladen waren oder ins Konzert gehen wollten, sind es heute eigene Befindlichkeiten, die mir die Suppe versalzen. Mal ist es eine beginnende Erkältung , die mir einen Strich durch die Rechnung macht, ein anderes Mal, der Magen oder meine bessere Hälfte liegt flach, wie eine Flunder auf dem heimischen Sofa und möchte nur noch schlafen und denkt gar nicht daran, mit mir dort hinzugehen, wo ich beabsichtigt hatte, mich zu amüsieren. Oder, was auch passieren kann, dass wir aus durchaus plausiblen Gründen, die, plötzlich wie aus heiterem Himmel, als heftiger Regenschauer, über uns hereinbrechen, dann doch absagen müssen. Natürlich passiert es auch das alles gut läuft. Man sitzt voller Freude im Konzert, die Karten hat man selbstverständlich schon ein Jahr im Voraus gekauft,  im Theater, bei Freunden oder, ist Gast auf einer rauschenden Ballnacht oder Hochzeit und nichts passiert. Weder springt der berühmte Funke über noch amüsiert man sich wirklich und langweilt sich womöglich zu Tode. Der große Knall bleibt einfach aus und irgendwie ist man enttäuscht. Auch ein Urlaub kann total ins Wasser fallen. Das gemietete Ferienhaus ist schrecklich, der Strand dann doch viel zu weit weg, die Gegend öd und anstatt ein fröhliches und harmonisches Miteinander gibt es Streit und Zank.

  Wenn mir so etwas widerfährt, ehrlich, könnte ich auf der Stelle anfangen zu heulen. Innerlich schreie ich, über die Ungerechtigkeit und hadere mit mir und meinem Schicksal. Dabei ist das nichts Neues. Es kommt einem alles so verdammt bekannt vor und hat es gefühlt garantiert schon tausend Mal erlebt. In solchen Fällen bemühen wir gerne Murphys Gesetz. Das kennen wir doch alle. Ständig stehen wir im Supermarkt an der falschen Kasse, weil wir uns in allerletzter Minute anstatt für die linke dann doch für die rechte, wo weniger Kunden stehen, entschieden haben oder, man hat es besonders eilig und der Bus, der ansonsten mit einer absoluten Sicherheit sonst immer fünf Minuten später kommt, kommt an diesem Tag drei Minuten früher. Ja, Murphys Gesetz beruhigt uns und gibt uns das Gefühl, daran keine Mitschuld zu tragen. Was können wir schon dafür, wenn es Murphy nicht will?

Dabei kennen die meisten diesen Herrn Murphy nicht mal! Und, wenn ich ehrlich bin hab ich auch wenig Lust öfter als unbedingt notwendig Bekanntschaft mit diesem Herrn zu machen. Eigentlich kann er mir gestohlen bleiben! Dennoch passiert es immer wieder, dass ich diesem Herrn auf unterschiedlichen Wegen begegne. Das ist so sicher, wie das Amen in der Kirche. Auch so ein weiser und völlig überflüssiger Alltagsspruch. 

Murphys Gesetz besagt, dass, wenn es mehrere Möglichkeiten gibt, eine Aufgabe zu erledigen, und eine davon in einer Katastrophe endet oder sonst wie unerwünschte Konsequenzen nach sich zieht, dann wird es jemand auch genauso machen. Vereinfacht ausgedrückt. Dies äußert sich im täglichen Leben dadurch, dass häufig nicht der schlimmstmögliche Fall eintritt, in diesen seltenen Fällen jedoch gerne an Murphys Gesetzt erinnert wird. Oder noch profaner, also die absolut reduzierte Variante des Gesetzes, die jeder versteht und nachvollziehen kann lautet: Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.

Und genauso ist es dann auch. Nur, dass das, was wir tagtäglich erleben oder worauf wir uns freuen keine exakte Wissenschaft ist und mitnichten in irgendeinem Reagenzglas nachgewiesen werden kann. Was wir fühlen ist schlichtweg unser eigenes Empfinden. Und mit Verlaub, dass kann hin und wieder einfach etwas durcheinander sein oder anders funktionieren, als wir es uns erhofft haben.

Es ist doch so. Nichts passiert von ungefähr. Eine Einladung, ein Konzert oder ein Theater Besuch, auf das man sich schon Wochen ja manchmal Monate zuvor gefreut hat, werden unbewusst hochstilisiert. Man kann förmlich den Glorienschein schon wochenlang vorher sehen. Man möchte gut aussehen, der Abend soll fantastisch werden und die eigenen Erwartungen sind so hochgesteckt, dass man am Ende doch eigentlich nur enttäuscht werden kann. Raum für ehrliche und spontane Gefühle bleibt da selten und noch weniger Platz für die wirklichen Dinge, die dann passieren. Man sieht sie einfach nicht, weil im Kopf Kino schon längst ein ganz anderer Film lief. Auch der missratener Urlaub, die nicht ganz gelungene Unterkunft und der womöglich viel zu weite Weg zum Strand, sind keine Zufälle a la Murphy, sondern Gegebenheiten, die man leider zuvor nicht gelesen hat. Soll doch alles schön werden und natürlich möchte man nicht irgendeinen Urlaub haben, sondern DEN URLAUB schlichtweg genießen. Alles soll perfekt sein, soll genauso sein, wie man es sich erträumt hat. Und manchmal möchte man gewisse Dinge auch einfach nicht wahrhaben und besteht partout auf das, was man vorhatte. Dabei muss man manchmal nur eins und eins zusammenzählen. Meine neulich missratene Feier lag nicht daran, weil Herr Murphy mal wieder sein Unwesen trieb, sondern, weil ich gewisse Naturgesetze außer Acht gelassen hatte. Wenn ein Magen – Darm – Virus grassiert, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass man selbst davon betroffen ist bei einer Chance von 50: 50. Aber so ist es halt mit der Vorfreude. Sie ist wie ein schlafender Tiger, der in dir ruht und plötzlich deinen sonst gut funktionierenden Verstand außer Kraft setzt.

Selbstredend kann man nie alle Eventualitäten berücksichtigen oder daran denken. Es ist auch unmöglich alle Widerstände aus dem Weg zu räumen und eine Zauberkugel, die uns vorher sagt, wie etwas verlaufen wird, die haben wir alle nicht. Aber dennoch können wir viel dafür tun, damit das nächste Fest in guter Erinnerung bleibt, der nächste Urlaub einer wird,  den man nicht so schnell vergisst und das Konzert dann doch zu einem der Besten wird, das man je gehört hat,  wenn wir lernen nicht alles sofort und gleich mit einem Glorienschein zu versehen. Einfach die Dinge so nehmen, wie sie sind, sich an den Kleinigkeiten erfreuen und den Augenblick genießen.  

Es gibt kein Murphys Gesetz, das uns daran hindert, Spaß zu haben, pünktlich irgendwo anzukommen, uns in unserer Haut wohl zu fühlen oder dieses unbeschreibliche und berauschende Glücksgefühl zu empfinden. Läuft etwas schief, liegt es an uns selbst. Dafür Murphys Gesetz zu bemühen ist eine billige und willkommene Ausrede. Aber wir Menschen lieben Ausreden und suchen gerne nach plausiblen Erklärungen und was liegt da näher, als diesen armen Kerl für sich zu beanspruchen, als sich über sich und seinen Erwartungen, manchmal auch viel zu hohen, bewusst klar zu werden?

Vielleicht ist eine stille und verhaltende Vorfreude die Bessere. Manchmal ist es auch gut auf die eigene Intuition zu hören. Der Bauch sagt oft schon vorher, ob etwas gut oder schlecht wird. Wir müssen nur wieder lernen auf unsere eigenen Sinne zu hören, Zeichen richtig zu deuten und unsere eigenen Erwartungen ein klein wenig herunterzuschrauben.  Ich bin davon überzeugt, wenn wir das ab und an beherzigen, klappt es auch mit allem anderen wunderbar.

In diesem Sinne

Herzlichst eure Lilo. 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

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