Lilo David 

Ihre Reise kann beginnen

Kinder, Kinder oder, der Wechsel von Hauptrolle zum stillen Statisten.

 Kinder, sind doch etwas Wunderbares! Mit wem sonst, entdeckst du die Welt völlig neu und siehst plötzlich wieder Dinge, die du als längst vergessen geglaubt hast? Kinder, sind unsere Gegenwart, Zukunft und, wenn man es genau nimmt auch unsere Vergangenheit, denn jeder, war auch irgendwann einmal Kind. Ich liebe Kinder! Und, mal ehrlich, niemand kann so gut riechen, wie kleine Babys. Eine absolut süchtig machende Mischung aus, wohlriechender samtweicher Haut, einem Hauch Babypuder mit einer kleinen , wenn auch feinen Note Babycreme und warmer Milch. Kann, es etwas Schöneres geben, als, dass sich ein kleiner warmer weicher Körper an deine Brust schmiegt und schmelzt man nicht förmlich dahin, wenn dann dieses kleine Menschenleben seinen Kopf hebt und dich mit seinen strahlenden, blauen Augen anlächelt? Da stört es auch nicht, dass dieses kleine Wesen in absehbarer Zeit, auf seinen zwei Beinchen durchs Leben rennt, vor nichts mehr halt macht und deine Wohnung gesichert ist, wie Fort Knox. Mit Kindern läuft das Leben anders. Nichts, ist mehr vorhersehbar und Zeit erhält plötzlich eine völlig andere und neue Bedeutung. Aus deinen persönlichen „ blauen Stunden“, die du faul auf dem Sofa verbracht hast, in der einen Hand einen dicken Schmöker und in der anderen, einen Pott Kaffee, werden kurze blass blaue Minuten. Selbst dann, wenn du glaubst, dass du mal länger, als eine halbe Stunde für dich hast, führt dich dein Glauben ad absurdum, weil dein Kind meint, mal nicht schlafen zu müssen oder schon nach kurzer Zeit aufwacht und dich voll und ganz in Anspruch nimmt.

 Wer Kinder hat, weiß, dass seine persönlichen Wünsche, in den nächsten Jahren nicht mehr die Hauptrolle übernehmen wird, sondern, der Rhythmus deines Lebens durch dein Kind bestimmt wird. Natürlich, ist ein Leben mit Kindern nicht immer rosig. Manchmal nerven sie und die „ Fremdbestimmung“ kann auch schon mal ganz gehörig an deiner Geduld zerren. Spätestens, wenn du zum vierten Mal in Folge deine Freunde versetzen musstest, weil dein Kind gerade Zähnchen bekommt, es plötzlich unter seinem Bettchen Monster und spukende Geister entdeckt und einfach gar nicht mehr schlafen möchte, du den Spagat zwischen Kind und Beruf nur auf Spitzenschuhen bewältigen kannst und das , obwohl du nie Ballettunterricht hattest  und du dich manchmal schlaff und total übermüdet auf dein Sofa legst und nur noch schlafen möchtest und du wilden leidenschaftlichen Sex nur noch aus deinen Erinnerungen kennst, hadert man trotz aller Begeisterung und Freude mit seinem Elternsein. Und trotz alledem, ist  es schön, weil du gebraucht wirst und ein Leben mit Kindern so unendlich viele und wundervolle Momente bietet. Klar, läuft es rasanter und manchmal muss man sich in Windeseile auf neue Situationen einstellen und hat hin und wieder auch das Gefühl, sich beim Laufen selber zu überholen. Aber Kinder zu wollen, ist keine Entscheidung für den Moment, sondern eine für das ganze Leben. Es erfordert Mut, Beständigkeit, Beharrlichkeit und eine gute Portion unerschöpflicher Geduld und Humor. Ein Leben, mit Kindern, ist nichts für Angsthasen!     

Aber, nichts bleibt von Dauer und aus süßen kleinen Babys werden brabbelnde und krabbelnde Kleinkinder, neugierige Kita- Kinder, die ihre und deine Welt nochmals auf einer ganz anderen Ebene entdecken und, die dich nicht nur mit ihren vielen Fragen ganz schön herausfordern können, sondern dich ständig auf Trapp halten und deine Wohnung manchmal verwüsten, dass du das Gefühl hast, als wäre eine Bombe eingeschlagen. Nicht zu vergessen, die Zeit, wenn aus deinen Sprösslingen „ besser wissende „ Schulkinder geworden sind, die es ein paar Jahre später spielend verstehen, dass du trotz Höhenangst genervt auf irgendeiner Palme hockst und innerlich schon mal denkst, << was hat mich nur geritten, dass ich Kinder haben wollte?<<  und dennoch sind und bleiben Kinder etwas Großartiges.

 Dass, die Zeit mit Ihnen viel zu schnell vergeht, weiß man erst, wenn man eines Tages durch verwaiste Räume wandert. Wo noch vor kurzem laute Musik zu hören war, herrscht plötzlich absolute Stille. Alles liegt da, wo du es hingelegt hast und niemand durchkreuzt deine Pläne. Und selbst, die Tafel Schokolade, die du eigenhändig in den Kühlschrank gelegt hat, liegt auch nach einer Woche noch genau an Ort und Stelle und das, ohne, dass auch nur ein einziger Riegel davon fehlt. Das Vertraute ist Vergangenheit und hat Platz gemacht für Neues. Selbstredend, ist das Neue fremd. Wobei, so fremd nun auch wieder nicht. Man hat es ja irgendwann alles schon einmal erlebt. Nur das sich daran gewöhnen fällt anfänglich etwas schwer. Auf einmal hat der Tag wieder 24 Stunden. Und sie gehören wieder dir ganz alleine! Zaghaft und etwas unbeholfen beginnst du dein Leben neu zu arrangieren. Alte Hobbys, die lange genug in Warteposition ein tristes Dasein führten, werden zum Leben erweckt. Besuche bei Freunden müssen nicht mehr abrupt beendet werden, weil dein Kind dich schon kurz nach deiner Ankunft mit einer Hilfe- SMS zurückbeordert oder es beim Versuch sich ein Stück Fleisch in Essig zu braten beinah die ganze Küche in Brand gesetzt hat. Dein Büchervorrat leert sich allmählich, weil du endlich mal wieder Seite für Seite lesen kannst, ohne, dass sich zwei streiten und ihren persönlichen Krieg und Frieden ausfechten, während deine Geschichte gerade so richtig spannend wird. Du musst nicht mehr ständig auf der Suche nach den berühmten Heinzelmännchen sein, die mal wieder etwas verlegt, weggenommen oder unordentlich gemacht haben. Du brauchst auch morgens nicht mehr auf Spurensuche nach dem Lieblingshemd oder Hose deines Sohnes gehen oder die Lieblingsbluse  deiner Tochter morgens um halb sieben bügeln, weil nur die angezogen werden kann. Das Bad gehört dir alleine und niemand steht draußen vor der Tür und klopft gerade in dem Moment an die selbige, während du noch dabei bist deine Beine zu rasieren. Selbst die Freiheit nackend, wie Gott dich schuf  durchs Haus oder Wohnung zu laufen könntest du jetzt wieder für dich beanspruchen. Und last but not least, du kannst in aller Seelenruhe den ersten Urlaub zu zweit nach einer gefühlten Ewigkeit planen.

  Du hast dein „ Leben „ zurück und dennoch vermisst man sein altes auf der Überholspur. Das  Quirlige, das Laute, die hämmernde Musik, Freunde deiner Kinder, die gemeinsam mit Ihnen deine Vorräte plünderten, Streitigkeiten darüber wer mehr Recht hat, das Ältere oder das jüngere Kind, endlos schleifende Diskussionen darüber, was man tun und lassen sollte und, ob man unbedingt bis zum frühen Morgen mit seinen Freunden unterwegs sein muss. Mies launige Gesichter, die sich schon morgens darüber aufregen überhaupt geweckt worden zu sein, weil man mal wieder bis in die Puppen irgendein Film gesehen oder stundenlang mit der besten Freundin telefoniert hat. Keine zugeknallten Türen, offenen Türen und nie wieder Taschen und Schuhe, die mitten im Hausflur stehen. Alles könnte so schön sein, wenn da nicht plötzlich und hinterhältig so eine eigenartige Leere entstehen würde, die man anfänglich nur schwer aushalten kann. Aber nichts bleibt, wie es ist. Spätestens nach zwei Jahren hat man sich an diesen neuen und über Jahre dann doch fremden Zustand gewöhnt und vermisst weder Kindergeschrei, Streitigkeiten noch die endlos schleifenden Diskussionen mit seinem Filius oder seiner Diva.

Die Freude, um die neugewonnene Freiheit wächst zunehmend und selten denkt man daran, dass das, was ab jetzt kommt, eigentlich nur ein kleines Stück vom großen Kuchen ist.  Natürlich freut man sich ungemein, wenn die halbwegs erwachsenen Kinder zu Besuch kommen und man endlich mal wieder für mehr, als zwei Personen kochen darf. Man freut sich selbst dann noch, wenn die Unterhaltungen eher einer Fragerunde gleichen. So nach dem Motto<< alles gut bei dir, was ist passiert und, wie läuft es in der Uni und bist du noch mit, wie hieß Sie/ Er doch noch gleich zusammen? << und Antworten nur zäh rüberkommen. Man ist dankbar für jede Stunde und gleichzeitig hat man Sorge, nicht allzu mütterlich zu sein. Will man ja auch gar nicht, denn aus Kindern, sind beinah über Nacht junge Erwachsene geworden und das möchte man natürlich respektieren. Irgendwann und das ist so sicher, wie das Amen in der Kirche werden aus Fragestunden dann wieder richtig gute Unterhaltungen, man erfreut sich an gemeinsame Erinnerungen und auch die eine oder andere Anekdote aus vergangener Zeit findet wieder seine Daseinsberechtigung. Und trotz aller empfundenen Freude bleibt die bitter- süße Erkenntnis, dass du im Leben deiner Kinder keine allzu große Rolle mehr spielst. Still und leise bist du ins Statistenfach gewechselt. Stehst irgendwo am Rande und guckst den Hauptdarstellern zu. .

 Klar, schmerzt es, wenn du feststellst, dass die Freundin oder der Freund zur wichtigsten Person, im Leben deines Kindes geworden ist, der Kumpel ihnen viel mehr mit Rat und Tat zur Seite steht, als du es noch kannst, darfst oder sollst und sie wunderbar ohne dich auskommen. Gegen die Leere, die sie in dir und trotz eines besseren Wissens hinterlassen, wenn sie nach einem  Besuch wieder heimfahren kannst du so gut wie nichts tun. Kinder bleiben halt doch Kinder, egal, wie alt sie sind oder wo sie ihr Zuhause haben. Nur zeigen darf man es nicht. Ein Gesetz, an das sich alle Eltern halten sollten. Dass nichts bleibt, wie es ist, wissen wir nur allzu gut. Irgendwann sitzt du dann in der ersten Reihe, verdrückst ein, zwei Tränen, weil dein Sohn oder deine Tochter, einem anderen Liebe und Vertrauen für ein ganzes Leben verspricht und dich womöglich schon ein paar Monate später zu Großeltern macht. Dann fängt wieder alles von vorne an. Wieder hältst du ein Baby im Arm, wiegst es in zarten Bewegungen, riechst an Ihm, als wäre es eine süße Erdbeertorte, krabbelst und brabbelst mit ihm, spielst stundenlang auf dem Boden und entdeckst die Welt nochmals vollkommen neu. Als Oma und Opa bist du der Star im Leben deines Enkels, bis zu dem Tag, wenn die Zeiten mit seinen Freunden wichtiger werden, als die Zeit mit dir.

Nichts, bleibt für die Ewigkeit und das Leben ist dann doch nichts weiter, als ein stiller ruhiger Fluss. Eine Abfolge von unendlichen Tiefen, hohen Wellen und stetigem Wasserzulauf. Kinder schwimmen sich frei. Schlussendlich hast du sie, bis sie flügge geworden sind, dazu ermutigt genau das zu tun, nämlich irgendwann auf eigenen Beinen zu stehen. Dass du manchmal daneben stehst und den Impuls, Ihnen zu  helfen, sie zu retten oder sie  noch zu beschützen, nur schwer  unterdrücken kannst, liegt nicht an Ihnen, sondern daran, dass das Loslassen manchmal dann doch so verdammt schwerfällt.

<< das sicherste Mittel, Kinder zu verlieren, ist, sie immer behalten zu wollen<<, schrieb einst der dt. Theologe, Adolf Sommerauer. Oder, genauer ausgedrückt:

<< sind die Kinder klein, müssen wir ihnen helfen, Wurzeln zu fassen. Sind sie aber groß geworden, müssen wir ihnen Flügel schenken << indische Weisheit.

Ich lerne es jeden Tag aufs Neue. Auch, wenn mir die Hauptrolle wesentlich besser, als die Statistenrolle gefiel.

In diesem Sinne.

Herzlichst ihre / eure Lilo.

 

 

 

 

 

 

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