Lilo David 

Ihre Reise kann beginnen

Küchengeheimnisse


Kennen Sie den Dingsbums nicht?  Also, ehrlich im Grunde kennt es doch ein jeder oder irre ich mich da jetzt. Zu mindestens ist dieser Begriff bei uns alltäglich. Kein Tag, keine Stunde und manchmal nicht einmal die Minuten vergehen, ohne, dass ich mich diesem Ausdruck annehme. Ja.  Ich hab meine Dingsbums so richtig ins Herz geschlossen und könnte, um ehrlich zu sein, auf dieses allumfassende Wort nicht mehr verzichten. Es erleichtert mir ungemein meinen Alltag und somit auch mein Leben.

Gut. Manchmal und das gebe ich zu, erwarte ich von meinen Mitmenschen eine ganze Menge. Es reicht nicht, dass sie mir zuhören. Wer mir folgen möchte muss meine Sätze schon erahnen und genau wissen, welchen Dingsbums ich gerade meine. Neulich erst stand ich am Herd und brauchte dringend meinen Dingsbums. Gottlob war ich nicht alleine. Meine Familie saß einträchtig versammelt um den Küchentisch und flugs rief ich mitten in ihre Unterhaltung hinein:

< kann mir mal jemand den Dingsbums geben. Er liegt in der Schublade gleich links. Dankeschön>

Auf fragende Gesichter meiner Liebsten kann ich in einer solchen Situation keine Rücksicht nehmen.  Mitdenken heißt bei mir die Devise.  Natürlich schauten sich alle fragend aber vor allen Dingen schweigend an. Der erste, der seine Worte wiederfand war mein Jüngster.

>Was meinst du denn mit Dingsbums. Kannst du das bitte etwa präzisieren?>

<Nein. Kann ich nicht> konterte ich. > wenn ich den Ausdruck wüsste hätte ich es ja gesagt. Ich meine das Ding womit ich „ zack, zack, zack „  Ihr wisst schon. >

Kann man Familie überfordern? Oh ja. Frau kann.

Erst sah mein Jüngster zu seinem Bruder, der wusste auch nicht was ich meinte, dann sahen beide zu ihrer älteren Schwester, die als Frau eventuell wissen könnte, was ich verlangte  und als auch sie verneinte gingen ihre Blicke hinüber zu ihrem Vater, meinem angetrauten Ehemann.

< Du musst doch wissen, was sie meint. Du bist schließlich mit ihr verheiratet>

Wenigstens darin waren sich alle einig.

Doch mein Dingsbums hatte ich immer noch nicht und ich brauchte es dringend.  >Macht doch einfach mal die Schublade auf und holt es mir heraus<  kam jetzt schon etwas harscher von mir.

Endlich bequemte sich mein Göttergatte mir Folge zu leisten und stand fragend vor besagter Schublade. Nach und nach holte er ein paar Haushaltsutensilien hervor. Bis mein Dingsbums zum Vorschein kam, zeigte er mit ein Messer, einen Hobel, einen Eierschneider und einen Pürierstab.  Und endlich hielt er mein Dingsbums in seinen Händen. Sofort machte sich ein Ausdruck von Entzücken auf meinem Gesicht breit  < genau das meine ich< rief ich freudig aus.  Vor lauter Freude habe ich weder die nach oben rollenden Augen meines Mannes, noch die leicht ironischen Kommentare meiner drei Ableger beachtet. Ich war glücklich meinen Fleischklopfer endlich benutzen zu können. Dem Essen stand nun nichts mehr im Wege. Kein Dingsbums und auch kein anderes Wort.


Es ist wie es ist. Seit ein paar Jahren habe ich immer öfter und mit steigender Intensität Wortfindungsstörungen. ( eine Begleiterscheinung meiner Erkrankung)  Ich kann es nicht ändern. Sie sind da wie ein unangenehmer Pickel im Gesicht. Ich kann noch so sehr quetschen und drücken – an der Sache ändert sich rein gar nichts. Da helfen weder meine grünen, blauen noch  rosafarbenen Pillen und auch meine gelegentlichen Stoßgebete gen Himmel verhallen ohne direkte Wirkung. Ich kann mich einfach nicht konzentrieren und manchmal herrscht in meinem Kopf das reine Chaos. Da muss ich durch  - und alle die mich kennen.


Aber Frau ist ja erfinderisch. Was ich an Begriffen nicht ad hoc finde wird als Dingsbums bezeichnet oder mit vielen Worten reichhaltig umschrieben. Meistenteils klappt es auch und manches erklärt sich auch von selbst.

Dennoch bin ich am Wochenende auf die glorreiche Idee gekommen meinem geliebten Dingsbums den Garaus zu machen und es durch ein neues Wort zu ersetzen.  Nicht zuletzt auch, um es meinen Lieben mit mir leichter zu machen.

Aufmerksame Leser wissen, dass wir umbauen und renovieren. Die obere Etage ist fast fertig. Was jedoch noch fehlt sind die guten alten Stromleitungen. Ich meine, so ein wenig Licht wäre himmlisch. Wieder saßen wir am Küchentisch und plauderten darüber was als nächstes dringend gemacht werden muss, um endlich mit dem Bau fertig zu sein (jedenfalls halbwegs).

>Strom fehlt noch> hörte ich meinen Göttergatten sagen und ich war natürlich Feuer und  Flamme und hatte auch meinen Teil dazu zu sagen. Aber wie so oft fiel mir das passende Wort nicht ein. Egal wie sehr ich darüber nachsann, ich kam auf alles Mögliche jedoch nicht auf den korrekten Ausdruck.  Und noch bevor ich langwierig mit Dingsbums und schmückenden Worte meine Frage stellen wollte fiel mit ein anderer Ausdruck ein.


Und was soll ich Ihnen sagen. Seit Wochenende haben wir wohl als einzige Familie Deutschland OFFLINE- STROM


Nicht ahnend, dass dieser Begriff für so viel Heiterkeit unter meiner Familie sorgen würde gab ich ihn zum Besten und hoffte, wenigstens mein Mann würde verstehen, was ich damit ausdrücken wollte. Das Gelächter konnte man meilenweit hören und seitdem verging kaum eine Stunde, in der dieses doch so einfache Wort nicht für ausgelassene Heiterkeit gesorgt hat.


Ich bin gespannt wie viele Wochen ich mir nun noch anhören muss, dass wir die Stromleitungen weder unter  Putz legen und schon gar nicht OFFLINE , sondern  unter extra dafür erstellten „ Dingsbums“ lang laufen lassen.


Wie sagte mein Mann so schön: < erspart mir Arbeit und es sieht gut und sauber aus >

Also doch OFFLINE…………………… sag ich doch ! 

 

Herzlichst

Ihre Lilo David. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                    

 

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