Lilo David 

Ihre Reise kann beginnen

Man hat es nicht leicht, 

 

als Autorin, Kolumnistin, oder, ganz einfach als Schreiberling , wenn gleich zwei Männer im Hause sind. Mein Sohn, weilt, Dank der neuen Abitur-Regelung, schon seit April im Hause. Nichts, mit morgendlicher Schule und nachmittäglichen Hausaufgaben. Nein. Sohnemann genießt das Leben zu Hause und das in vollen Zügen. Der zweite im Bunde, mein angetrauter Ehemann hat einen neuen Job, dadurch mehr Tagesfreizeit und obendrein hatte er auch noch Urlaub. Also, gleich zwei Komponenten, die mir meine blauen Stunden in ein leichtes hell- bis dunkel grau verwandelten.

Ich will mich ja gar nicht beklagen. Ich liebe ja beide und ehrlich hab ich sie auch gerne um mich. Aber bitteschön nicht von morgens bis abends. Es ist nämlich so, dass ihre Anwesenheit alleine mich nicht vom Schreiben abhält, sondern, mir meine Tagesfreizeit irgendwie abhanden kommt, wenn ständig aus irgendwelchen Ecke im Haus schallend Rufe erklingen wie : „ Mama, weißt du wo meine Sporthose ist“. Natürlich suche ich akribisch in meinen Gehirnwindungen , wo ich sie nach dem letzten Waschen hingelegt habe , oder ob sie zufälligerweise gar noch in der Schmutzwäsche ist. Schlechtes Gewissen inbegriffen. An heißen Tagen und davon hatten wir reichlich in den letzten Wochen erschallt auch durchs ganze Haus die Frage: Ma, ist das Eis etwas schon alle“. Hallo, vorher soll ich das wissen? Der Einzige, der nachts das Eis isst bist du!  Eine kleine Verschnaufpause gönnt man mir, wenn an mein Ohr folgender Satz kratzt: „ Ich bin dann mal kurz weg“. Was nicht bedeutet, dass ich die nächsten drei, vier Stunden für mich hätte. Oh Nein. Mit kurz ist oft nur die Zeitspanne von einer halben Stunde gemeint. Aber am beliebtesten scheint folgende Frage zu sein und diese gleich mehrmals, obwohl ich sie ebenso mehrmals beantworte. „ Was gibt es eigentlich zu essen“. Komisch, wie sich große und kleinere Männer diesbezüglich doch ähneln. Naja. Mama, nennt mich mein Göttergatte noch nicht. Und Gott bewahre, dass er es jemals tut. Das wäre der Untergang.

Aber nichtsdestotrotz höre ich, wenn er dann im Hause ist ebenso Sätze wie vom Junior. „ Schatz, hast du mal fünf Minuten Zeit“. Ich glaube, ich brauche hier nicht erwähnen, dass aus fünf Minuten leicht eine ganze Stunde oder mehr wird. Dieser Satz kann nur durch folgenden übertroffen werden: „ Ich müsste mal eben schnell „. Die kluge Ehefrau weiß, dass das unter Umständen bedeuten kann, stundenlang kniehoch in der Gartenerde zu stehen, weil mal eben ganz schnell der Teich vergrößert wird, oder irgendwo im Haus neue Latten, Lampen oder ähnliches einen neuen Platz finden. Ganz beliebt ist auch der Satz: „ Hast du Lust mit mir spazieren zu gehen“. Meistenteils höre ich den, wenn ich gerade denke, nun hab ich mal fünf Minuten für mich. Und hin und wieder kommt sogar ein: „ Müssen wir nicht noch Einkaufen“. Höchstwahrscheinlich fällt es ihm ein, wenn er die Kühlschranktür aufmacht und erstaunt feststellt, dass selbst, wenn wir eine Maus im Hause hätten, diese nicht unbedingt satt werden würde. Tja und Last but not least erklingt garantiert, wenn ich mal einwerfe, dass sich die Hausarbeit und meine Schreiberei nicht von alleine machen der wohlklingende Satz“ Ach, Schatz. Komm schon, ich hab doch Urlaub“.

Richtig. Wie konnte ich das nur vergessen! Also flugs Schuhe und Jacke angezogen und raus in die Natur. Wie gesagt, ich will mich nicht beklagen, doch meine blauen Stunden fehlen mir ungemein.

Ach, wie war das schön als der Tag, wenigstens bis um 16 Uhr noch mir ganz alleine gehörte. Was konnte ich schalten und walten. Niemand da, der mich störte, keine verbale Unterbrechung und Zeit zum Schreiben oder einfach Dösen fand ich immer.

Will ich jetzt Dösen bleibt mir nichts anderes übrig, als einfach morgens eine halbe Stunde länger im Bett liegen zu bleiben. Geht aber nicht, weil ich will ja auch schreiben und dreimal in der Woche habe ich Sport. Ich könne also nur  zwischen acht Uhr und zehn Uhr morgens meiner literarischen Kreativität freien Lauf lassen. Und was mach ich, wenn mich die Muse da nicht küsst? Ja. Manchmal streichelt sie mich nicht mal ansatzweise. Ist weggespült wie die Wellen am Strand.  

 Ich frage mich allen Ernstes, wie es andere Autoren machen?

Die müssen entweder schallisolierte Zimmer haben, Keller, in denen sie sich verstecken, in isolier-Urlaub fahren,  oder taube Ohren haben.

Also. Ich hingegen habe weder einen Keller, zu mindestens keinen, in dem ich mich länger als fünf Minuten aufhalten könnte. Besitze kein lauschiges schallisoliertes Kämmerlein, kann nicht mal eben in Urlaub fahren  und schon gar nicht ist die Rede davon, dass ich taub bin. Meine Ohren hören ungemein gut. Und sie hören auch das Pfeifen meines Sohnes, wenn er nach dem Aufstehen fröhlich Melodien zum Besten gibt.

Können Sie sich vorstellen, wie das die eigene Kreativität unterbrechen kann. Wobei ich zugeben muss, dass so manche Melodie wirklich sehr schön und fehlerfrei gezwitschert wird.

Dennoch. Es ist zum verrückt werden. Meine Vormittage gehören nicht mehr mir allein. Und wenn ich endlich nach all dem Suchen, nach irgendwelchen Hosen, Jacken, Sportschuhen und der Beantwortung aller weltbewegenden Fragen, nach meiner Hausarbeit und sportlichen Aktivitäten, denn die müssen sein,  endlich Zeit finde, ist es meistenteils früher Nachmittag und somit vorprogrammiert, dass sich schon bald die Haustür öffnet und meine bessere Hälfte lächelnd aber durchaus bestimmend den entscheidenden Satz ausruft: „ Ich bin da. Ist Kaffee schon fertig, oder soll ich uns einen kochen“. Die logische Konsequenz ist, dass ich die nächste Stunden einträchtig im Wintergarten sitze, oftmals schnell noch mit ihm ins nächste Bauhaus fahre, man(n) wollte nur noch rasch etwas besorgen, oder wir gemeinsam den Kühlschrank füllen, denn das hab ich morgens einfach nicht mehr geschafft.

 

Was soll ich sagen. Mein Tag müsste zweimal vierundzwanzig Stunden haben, um all das zu erledigen, was erledigt werden muss.

Aber wie bereits erwähnt. Ich will mich nicht beklagen….. Ich liebe meine Familie und wissen Sie was. Nächsten Monat kommt meine Tochter samt Enkelkind zu Besuch. Was glauben Sie, wie viel freie Zeit ich da zum Schreiben übrig habe.

 

In diesem Sinne.

Herzlichst eure Lilo. 

 

 

 

  

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