Lilo David 

Ihre Reise kann beginnen

Nichts für alte Leute ...........


 

Früher habe ich immer gedacht, wenn es soweit ist, dass ich das Hafenkonzert höre bin ich alt.

Und nun ist es passiert.  Ich meine, nicht das ich alt bin, sondern, dass ich mit Genuss und Vergnügen einem Hafenkonzert beigewohnt habe.

Wer aus Hamburg kommt, kennt diese uralte Sendung. So wie der Michel, der Hafen, und  die Reeperbahn gehört die Sendung „ Das Hamburger Hafenkonzert“ zum Norddeutschen Rundfunk.  Bislang war ich immer der Ansicht, dass sowohl die Leute, die sich das anhören als auch die Interpreten altbacken und bieder sind.  Das sind genau dieselben, die am Nachmittag im Fernsehen, mein Nachmittag, mein Café oder die Lindenstraße gucken. Bloß nicht mit denen in einem Topf geworfen werden war bislang meine Devise. Und nun passierte es, dass ich für das letzte Hafenkonzert – und zwar das weihnachtliche im Michel“ per Zufall Karten geschenkt bekommen habe.


Schon meine Großmutter sagte: „ Einem geschenkten Gaul guckt man nicht ins Maul“. Und natürlich bin ich hin. Ich gebe zu, zu meiner Freude, mich weihnachtlichen Klängen, in einer der schönsten Kirchen hingeben zu dürfen (Für mich als ausgesprochener Weihnachtsfan ein Hochgenuss) und dem Wissen, um welche Sendung es sich handelt, waren meine Gefühle leicht gemischt.


Hätte mich jemand gefragt wohin ich gerade fahre ich glaube, ich hätte eher entschuldigend murmelnd eine Antwort gegeben. Und dann saß ich gegen 16 Uhr 30  im vollbesetzten Michel.  Kein Platz war mehr frei und die Atmosphäre war gedrängt mit freudiger Erwartung und vorweihnachtlichen Gefühlen. Kurz nach 17 Uhr begann die Aufzeichnung. Schon die Begrüßung der Moderatoren war herzlich, warm und ging direkt ins Zentrum meines Gefühlschaos.  Alles nahm seinen Lauf. Als Rolf Z. gemeinsam mit seiner Tochter „ Dezemberträume“ sang ( meine Güte war ich noch Textsicher)  und kurz darauf ein schwedisches Duo in wohlklingenden, elfengleichen Tönen schwedische Weihnachtslieder zum Besten gab, fühlte ich mich wohlig und gut aufgehoben und so ganz und  gar nicht mehr fehl am Platz. Mein Gott. Das Duo sah aber auch aus als wäre es direkt aus den tief verschneiden  schwedischen Wäldern nach Hamburg gekommen.  Zum Abrunden meiner Gefühle fehlten nur noch Trolle und Astrid Lindgren.

Das übernahmen dann  eine  Schauspielerin und jemand, den ich aus meinen Jugendtagen kannte.  Damals als ich noch  regelmäßig NDR 2 von 9 bis halb Eins gehört habe. Das war die Sendung, die  ab morgens im Küchenradio lief, sonntags die internationale Hitparade zur Mittagszeit im Programm hatte  und dessen Moderatoren man kannte, obwohl man sie nie zu Gesicht bekommen hat.   Gerd Spiekermann  war und ist einer dieser  Moderatoren. Eine Koryphäe   für die  plattdeutsche Mundart und mit erfrischendem nordischem Humor gesegnet. Mit seiner Geschichte über den „ Bunten Teller „ natürlich alles auf Plattdeutsch trieb er mir Lach-tränen in die Augen.  Als dann auch noch Tom G. swingend  und einem Timbre in der Stimme, dass mich direkt und augenblicklich wie Butter in der Sonne schmelzen ließ ,  weihnachtliche Evergreens in das Kirchenportal schmetterten  war es endgültig um mich geschehen. Am liebsten wäre aufgestanden und hätte mitgetanzt – so  sehr ging mir diese Musik ins Blut. Kurz um.   Das Hafenkonzert hatte einen Fan mehr…………………… MICH. 


Und plötzlich wurde mir klar.


Mögen und Nichtmögen, Musik, Emotionen und Vorlieben haben aber auch so rein gar nichts mit dem Alter zu tun.

 

Solange man Spaß und Freude an einer Sache hat ist es völlig irrelevant  wie viele Kerzen auf der nächsten Geburtstagstorte stehen.

Die, die mit mir zusammen im Michel saßen vereinte ein Nachmittag voller wunderbarer Musik, anrührenden Geschichten und Erzählungen, die zu Herzen gingen.  Und bei einem Blick durch die Reihen stellte ich fest, dass ich beileibe nicht die Jüngste gewesen bin. 

Und sollte ich im nächsten Jahr eine neue Gelegenheit haben wieder das weihnachtliche Hafenkonzert anzuhören, dann tue ich es ohne gemischten Gefühlen und mit ehrlicher Freude auf einen wundervollen Spätnachmittag in einer der schönsten Kirchen der Welt.

Nicht immer guckt man einem geschenkten Gaul ins Maul. Manchmal ist so ein Geschenk auch ein absoluter Glücksgriff und ein wirkliches Präsent.

Danke


In diesem Sinne

Herzlichst

Eure Lilo .

 

 

 

 

                       

   

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