Lilo David 

Ihre Reise kann beginnen

Schluss mit lustig oder, warum mir Helikopter- Eltern fürchterlich auf die Nerven gehen?  

Letzte Woche, war vor dem Kindergarten meines Enkelsohnes Polizeikontrolle. Es ging nicht, wie man denken könnte, um eventuelle Raser, sondern einzig um die Eltern, die jeden Morgen ihre Sprösslinge per Auto in die Kita fahren. Richtig so! Allerorts wird zurzeit darüber diskutiert, inwieweit es überhaupt vonnöten ist, seine Kinder in die Kita oder zur Schule zu fahren, wenn man selbst im gleichen Bezirk oder nur ein paar Fußminuten entfernt wohnt. Mir gehen diese sogenannten Helikopter-Eltern schon lange auf die Nerven und abgesehen davon, ist ein Fußmarsch gesund und stärkt die Abwehrkräfte und das bei Eltern und Kindern. Frühere Generationen mussten auch zur Arbeit und deren Kinder zur Schule. Man frühstückte noch zusammen und dann ging es los. Die Eltern per Auto oder Bahn, die Kinder auf ihren eigenen Beinen. So einfach war das und niemanden hat es gestört oder, um schlaflose Nächte gebracht! Die Frage, ob heute alle jungen Eltern und deren Sprösslinge Fußkrank sind, ist durchaus erlaubt. Wie sonst lässt sich erklären, dass in 80 % aller Fälle die Schulen allmorgendlich ein Verkehrsaufkommen haben, wie sonst nur bei Ikea oder Media Markt, wenn diese super Angebote haben? Irgendetwas läuft doch falsch im Staate Dänemark, wie man so salopp sagt. Da muss sich dringend etwas ändern! Denn neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu urteilen, sind bereits die Hälfte aller bis zu siebenjährigen Kindern in Deutschland nicht mehr in der Lage längere Fußwege zu absolvieren, weil deren Kondition es erst gar nicht zulässt. Erstaunlich, nicht wahr? Aber ebenso überrascht hat es mich zu erfahren, dass selbst Kinder und das bis zum 10. Lebensjahr heute ihre Umgebung, in der sie aufwachsen kaum noch kennen, weil zum überwiegenden Teil Strecken per Auto gefahren werden. Donnerwetter, dachte ich! Meine Generation  und selbst, die meiner Kinder haben noch ihre kleine Welt, erobert und streiften mit Freunden durch die Gegend, spielten auf nahegelegenen Plätzen und besuchten sich gegenseitig, ohne, dass Mami oder Papi Zuhause vor übertriebener Fürsorge einen Schwächeanfall erlitten. Aus Bequemlichkeit, was vielleicht noch die Meisten vermuten könnten, geschieht allerdings nichts. Die Gründe, warum Eltern heute eher das Auto als ihre Beine vorziehen sind vielfältig. Primär jedoch hat es etwas damit zu tun, das den meisten jungen Eltern es heute schwerfällt ihre Kinder loszulassen und ihnen die Möglichkeit zu geben, spielerisch und kindlich neugierig ihre eigene Welt zu entdecken. Kinder, der sogenannten Helikopter-Eltern, kennen weder den Umgang mit öffentlichen Verkehrsmitteln noch wissen sie, wie man zu Fuß zum nächsten Supermarkt oder zur Schule kommt. Und was, wie ich finde, noch viel fataler ist, die meisten dieser Kinder lernen heute einfach nicht mehr selbst zu entscheiden, was sie wollen und was überhaupt in ihnen steckt, weil Mutti und Papi selbstredend fast alles für ihre Kinder entscheiden. Natürlich gib es auch noch Eltern die anders handeln. Aber die sind in der Regel die Ausnahme. Ich finde, diese Entwicklungen sehr bedenklich und halte von Helikopter-Eltern überhaupt nichts. Klar, gilt das Prinzip << jeder so, wie er mag<< und doch haben sich die Zeiten grundlegend verändert und es wäre wünschenswert, wenn in den meisten Köpfen endlich ein Umdenken passieren würde. In Zeiten der globalen Erderwärmung und in Anbetracht dessen, dass unsere Ressourcen immer weniger werden und die Weltbevölkerung im Grunde einer schweren Katastrophe entgegensieht, sollte man eigentlich mehr Verstand erwarten. Die Kinder, ach, was sage ich, die Welt, kann sich Helikopter-Eltern einfach nicht mehr leisten!

Schon längst schlagen Erzieher und Pädagogen Alarm und fordern ein Umdenken. Nur passieren tut wenig und appelliert man in Richtung der Eltern, erfahren die meisten Intuitionen und Erzieher und Pädagogen Unverständnis vonseiten der Elternschaft. Neulich erst las ich in einer Diskussion über die rasante Zunahme der Mobilität junger Eltern, wie sich eine junge Mutter künstlich aufregte und für sich das verbürgte Recht in Anspruch nahm selbst zu entscheiden, wie lange sie ihre Kinder zur Schule fährt << und, wenn ich das bis zum Abi mache, geht das niemanden etwas an. Ich überlasse doch meine Kinder keine Kinderschänder, die auf den Straßen lauern oder lasse sie von Verrückten mit einem Messer niederstrecken<<.Als ich das las, dachte ich intuitiv<< die armen Kinder<<. Natürlich kann ich ihre Ängste verstehen. Ich war selbst junge Mutter und das Loslassen fiel mir nicht einfacher, als den jungen Mamas heute. Und dennoch teile ich die meisten Ängste nicht und finde sie übertrieben und hausgemacht. Damals wie heute stehen selten irgendwelche Kinderschänder am Wegesrand. Die meisten Straftaten diesbezüglich finden in den eigenen Familien statt und obendrein von Personen, die man kennt oder zu denen die eigenen Kinder großes Vertrauen haben. Und auch verwirrte alte Frauen, die auf offener Straße, wie vor ein paar Monaten, in Basel geschehen, ohne ersichtlichen Grund, eine Schülerin mit einem Messer attackieren, sind keine Regel, sondern eher die Ausnahme. Klar, leben wir heute gefährlicher. Zu mindestens aus ökologischer Sicht betrachtet und, was die möglichen Szenarien angeht, die der Menschheit schon seit Jahrzehnten prophezeit wird. Wenn wir nicht bald alle etwas dagegen tun und unser Verhalten ändern, wird auch jede mögliche Prognose eintreffen. Zeitgemäß ist demnach übertriebenes Autofahren nicht mehr! Andere mögliche Gefahren sind heute nicht mehr vorhanden, als damals. Die meisten existieren nur in den Köpfen der Eltern und wachsen dort zu imaginären Luftblasen heran, denen man nur schwer beikommen kann. Selbst nicht mit guten Argumenten!  Entschuldigungen gibt es also viele und nicht jede, berechtigt Eltern dazu ihre Kinder heute überall durch die Weltgeschichte zu chauffieren. Förderlich ist so ein Verhalten keineswegs. Im Gegenteil sogar. Kinder brauchen ihre Freiräume, um sich entwickeln zu können. Eltern, die ihnen diese Freiräume verwehren, hindern ihren Nachwuchs daran gesund und selbstbewusst aufzuwachsen, eigene Grenzen und Fähigkeiten zu entdecken und ihre Welt zu begreifen und zu verstehen. Gefahren wird es immer geben und Eltern sollten ihre Kinder so gut wie möglich aufs Leben vorbereiten, sodass mögliche Gefahren selbstbewusst begegnet werden können. Wenn ich jedoch das morgendliche Chaos auf dem Kindergartenparkplatz meines Enkels betrachte, kann ich nur zu dem Schluss kommen, dass die meiste Gefahr nicht von möglichen Tätern oder Situationen ausgeht, sondern von den Eltern selbst, die manchmal ohne Rücksicht auf Verluste ihre Automobile kreuz und quer parken, ohne darauf zu achten, ob eines der kleinen Erdenbürger, leichtfüßig und beschwingt durch die Reihen läuft, nur, weil es nicht schnell genug in den Kindergarten kommt oder sich einfach an den Dingen erfreut, die am Wegesrand zu entdecken sind. Manchmal frage ich mich ehrlich, wie meine Kinder überhaupt überleben konnten, damals, als wir junge Eltern waren und wir unsere Kinder zu Fuß in den Kindergarten brachten? Ja, sie sogar alleine den beschwerlichen Weg hin zur Schule gehen ließen und keine schlaflosen Nächte hatten, nur, weil sie alleine zu Fuß oder per Fahrrad ihre Freunde besuchen durften? Auch die Freiheit zu entscheiden, ob sie nun studieren oder eine Ausbildung machen wollten, haben wir grundlegend eigentlich ihnen überlassen. Was nicht bedeutet, dass wir ihnen bei ihrer Entscheidung nicht mit Rat und Tat beistanden und uns auch sorgten, wenn sie unterwegs waren. Aber wir haben sie gewähren lassen und ihnen die Möglichkeit, Fehler zu begehen nicht von vornherein genommen.

Junge Eltern bieten heute zunehmend Anlass zu Kritik. Sieht man mal davon ab, dass jede Elterngeneration ihre eigenen Regeln hat und manches anders macht, als deren eigenen Eltern, was völlig natürlich ist, so stoßen jedoch heutige Erziehungsmethoden zum größten Teil auf massiven Widerstand. Gesellschaft und junge Eltern sprechen schon lange keine gemeinsame Sprache mehr und manchmal greifen, wie in Hamburg geschehen, Gastronomen zu überspitzen Aktionen, nämlich dann, wenn sie zukünftig Kindern den Einlass verwehren oder, es finden Demonstrationen vor Kindergärten oder Schulen statt, wo andere Eltern, Lehrer und Bewohner fordern, dass das morgendliche zur Schule fahren endlich ein Ende haben muss. Schon längst ist allen klar, dass die übertriebene Fürsorge, mancher Helikopter-Eltern unser aller Leben verändert wird. Wer als Kind lernt, dass es sicherer ist, all seine Wege per Auto zu erledigen, wird auch als Erwachsene weniger zu Fuß gehen und, wer ebenso lernt, dass es besser und sicherer ist, andere für sich entscheiden zu lassen, wird auch als Erwachsener Schwierigkeiten haben, sein Leben in die eigenen Hände zu nehmen. Der Begriff Muttersöhnchen erhält damit eine ganz neue Bedeutung und auch jungen heranwachsenden Mädchen wird somit ihr Leben nicht leichter gemacht und zu allem Überfluss ziehen wir somit womöglich eine übergewichtige, exzentrische und zwischenmenschlich beziehungsunfähige Generation, von ängstlichen, unselbstständigen und nicht entscheidungsfähigen Erwachsenen heran. 

Aber, was versteht man nun genau unter dem Begriff << Helikopter-Eltern<<? Populär sprachlich über fürsorgliche Eltern, die sich ständig in der Nähe ihrer Kinder aufhalten, um diese zu überwachen und zu behüten. Überspitz ausgedrückt kann man salopp behaupten, dass diese neue Generation von Eltern ihre eigenen Kinder, zu unselbstständigen Bürgern erziehen und das aus rein egoistischen Gründen. Grundlegende Dinge, die für die Entwicklung eines Kindes unabdingbar sind, werden von diesen Eltern unbeachtet gelassen. Natürlich tun sie es nur aus der Intention heraus, das Beste für ihre Kinder zu wollen und vergessen dabei, dass jedes Kind individuell ist, seine Freiräume braucht, um gesund heranzuwachsen, ebenso Erfolg und Misserfolge benötigt, um zu reifen, um später ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Da wird schon mit der Einschulung festgelegt, mit welcher Note das Kind sein Abitur zu bestehen hat, damit es später dann auf einer Elite – Universität studieren kann. Aus Angst um die Zukunft ihrer Sprösslinge steuern sie deren Leben bis ins kleinste Detail. Sie machen Hausaufgaben für sie, entscheiden über geeignete Spielsachen, das TV-Programm, später über die Studienwahl und auch über den zwischenmenschlichen Umgang. Manche Schulen und Kindergärten fühlen sich diesen Eltern gegenüber in einer unterlegenen Position und überlegen, ob es sinnvoller wäre, sogenannte Kiss and Go – Zonen, wie am Flughafen einzurichten, damit Helikopter-Eltern ihre Kinder nicht auch noch bis ins Klassenzimmer begleiten. Wissenschaftler prognostizieren Kindern von sogenannten Helikopter-Eltern, dass sie in späteren Jahren wesentlich weniger Stressresistent sein werden und wesentlich unselbstständiger, als frühere Generationen. Aber das scheinen die meisten Helikopter – Eltern wenig oder gar nicht zu interessieren. Sie sind der Auffassung, dass ihr Verhalten absolut richtig ist und sie das Beste für ihre Kinder tun, wenn sie jedwede Gefahr, ob die im Straßenverkehr oder sonst wo, von ihren Sprösslingen fernhalten, sie in einer Wolke großziehen und für sie entscheiden, wo es langgeht und wie deren Zukunft auszusehen hat. Meine Güte, was für eine irrsinnige und fatale Entwicklung, die ich weder gutheiße, noch für gesund empfinde. Natürlich möchte man als Eltern immer das Beste für sein Kind. Aber gilt dies auch zu jedem Preis und unter allen Umständen?

Was mir dazu einfällt, ist Unverständnis, an einer großen Bitte geknüpft

Liebe Heli- Eltern, wie wäre es, wenn ihr zukünftig einfach mal euer Gehirn einschaltet, Kinder, Kinder sein lasst und ihnen das Recht zubilligt, Fehler machen zu dürfen, sich eigenständig zu entwickeln, Freunde auf dem Schulweg zu treffen und, in den zwanzig Minuten bis zur Schule über all das reden zu können, was einem als Kind und Heranwachsender so auf der Seele liegt, mit Freunden wieder stundenlang durch die Straßen zu ziehen, vor Bussen und Bahnen keine Ängste zu entwickeln, weil man sie einfach viel zu selten benutzt und zu wissen, dass Füße nicht nur dazu da sind, um in sündhaft teuren Schuhen ausgeführt zu werden. Ich glaube, damit würdet ihr nicht nur euren Kindern, sondern der Gemeinschaft einen riesengroßen Gefallen tun.

Denkt doch mal darüber nach!

In diesem Sinne

Herzlichst eure Lilo   

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