Lilo David 

Ihre Reise kann beginnen

Tradition. Warum es gut ist an ihnen festzuhalten. 

Als ich mir mein Thema für meine heutige Kolumne überlegt hatte, konnte ich noch nichts von den gestrigen Ereignissen ahnen. Vielleicht war ein latentes Gefühl seit Wochen und Monaten vorhanden und sicherlich hat man immer irgendwie und irgendwo damit gerechnet, dass etwas passiert. Was jedoch weder den Anschlag noch das maßlose Leid weniger schmerzlich sein lässt. Und für einen kurzen und wirklich nur sehr kurzen Moment habe ich heute Morgen gedacht, lass es sein, schreib über etwas anderes und dann hielt ich inne und überlegte noch einmal. Warum meine Gedanken ändern, warum nicht über Traditionen schreiben. Ich meine, so ziemlich jeder hat in seiner Familie alte Bräuche an die festgehalten wird. Sei es das Ritual zum Geburtstag, oder das gemeinsame Singen unterm Tannenbaum, oder der sonntägliche Spaziergang. Auch das sind Traditionen.  Im Duden wird Tradition folgendermaßen erklärt:  etwas, das seit vielen Jahren Generationen überliefert ist und als kultureller Wert gilt. Für mich sind Traditionen und Bräuche wichtig. Daran hat sich in all den Jahren nichts geändert und ich bin fest davon überzeugt, dass sich daran in meinen Leben auch nichts mehr ändern wird. Ich finde, Traditionen und Bräuche sind es wert gelebt und geliebt zu werden. Nicht nur in der heutigen Zeit, wo unsere überlieferten Werte beinah jede Woche durch anders denkende und fanatische Menschen in ihren Grundfesten angegriffen werden. Gerade in solchen Zeiten sollten und müssen wir an dem festhalten, was seit Jahrzehnten gilt und darüber hinaus unsere westliche Gesellschaft geprägt hat.

 Nach wie vor sind es genau die Dinge, die unsere Welt benötigt. Egal, ob man in Timpuktu, am Nil oder mitten in Europa lebt. Traditionen und Bräuche sind Werte, die das Leben in der jeweiligen Gesellschaft, in der man hineingeboren wurde ausmacht. Ohne Traditionen und Bräuche wäre die Menschheit arm dran und sie stehen auf gleicher Stufe mit  Liebe, Achtung und gegenseitigem Respekt. Ich meine, unsere Welt kann gar nicht genug davon bekommen.  Am besten jeden Tag und so viel wie nur irgend möglich.

Denk ich an Tradition kommt mir unweigerlich das Musical Anatevka in den Sinn. Irrsinnig. Ja, ich weiß, und dennoch ist es so. Vielleicht mag es darin begründet sein, weil es auf wundervoller Weise den Zusammenhalt nicht nur einer Familie, sondern eines ganzen Dorfes zeigt. Man hält zusammen, in guten wie in schlechten Tagen und ist für den anderen da. Alte Werte werden gelebt und geliebt und komischerweise funktioniert es, weil jeder seinen Anteil dran hat und mitwirkt.

Heute, in unserer  globalisierten Welt, ist es selbstredend wesentlich schwieriger an alten Traditionen und Werten festzuhalten. Wobei, so ganz entspricht es nicht der Wahrheit. In den vergangenen  Jahren war es schick und fein multikulturell zu denken, zu handeln und jedwede ethnische Gruppe nicht mit Bräuchen und Traditionen zu behelligen oder zu stören. Es galt als unfein, sich alten Bräuchen zu widmen und Traditionen aufrechtzuerhalten. Wer „ in „ sein wollte war ein Global- politisch korrekt- denkender und handelnder Mensch. Um andere Kulturen nicht zu brüskieren haben wir viel getan. Sei es, dass wir auf gewisse Rituale verzichteten, unser Handeln dem neuen Denken angepasst haben , oder mit der Zeit aus unserem Sprachgebrauch sogar  Begriffe wie Negerkuss und, Zigeuner Schnitzel verbannt haben, Ja, selbst eine leidige Diskussion , ob man in Zeiten, wo so viele unterschiedliche Glaubensrichtungen- und Kulturen  in Europa ein neues  Zuhause fanden , den guten alten Weihnachtsmarkt noch so nennen dürfte und stattdessen nicht lieber in „ Winterzaubermarkt „ umzuwandeln hat unsere Gesellschaft wochenlang beschäftigt. Am Ende siegte dann doch die gute alte Tradition.  

Nun, wo seit beinah einem Jahr die Welt sich anscheinend aus den Angeln hebt und wir jederzeit damit rechnen müssen, dass unsere Traditionen, Bräuche und Werte in ihren Grundfesten gestört oder gar zerrüttet werden, entflammt allerorts eine neue Diskussion und man schreit förmlich lauthals danach unsere Traditionen und Gebräuche aufrechtzuerhalten.  Mir fällt dazu gerade ein gutes altes Sprichwort ein, dass da lautet<< Ist das Kinder erst einmal in den Brunnen gefallen und ertrunken, dann ist es zu spät, um diesen abzudecken<<. Vielleicht hätten wir einfach früher etwas tun müssen und unsere guten alten Werte, Traditionen und Bräuche nicht so arg mit Füssen treten sollen. Was man jahrelang verteufelt und als unfein abstempelt, weil es dem neuen Denken und Handeln nicht zuträglich war,  verkommt und man darf sich dann nicht wundern, wenn es kaum noch beachtet wird. Ich gebe zu, dass mich diese gesellschaftlichen Veränderungen in den letzten Jahren zusehends trauriger und betrübter haben sein lassen.   Aber was genau sind Traditionen? Diese Frage sei erlaubt. Handelt es sich bei Traditionen und Bräuche wirklich nur um Banalitäten? Nein! Mit Sicherheit nicht.  Traditionen und Bräuche machen letztendlich aus einem Haufen Menschen erst eine gut funktionierende Einheit. Traditionen und Bräuche  haben über Jahrhunderte der Menschheit, egal, wo man lebt oder wie man lebt ihren Stempel aufgedrückt, sie bestimmen unser Denken und Handeln und machen erst ein gutes Miteinander möglich, weil alle Menschen unabhängig ihrer Glaubensrichtung und Kultur ihre  ganz eigenen Traditionen und Bräuche leben. Ich muss weder die Traditionen und Bräuche anderer Kulturen verstehen noch mitfeiern. Aber akzeptieren und respektieren, dass sollte jeder können und zwar ohne Vorbehalte.

 Gestern schrieb jemand im sozialen Netzwerk „“ sind denn alle verrückt“? Nun, als verrückt würde ich es nicht bezeichnen. Aber es entspricht der Tatsache, dass unsere Welt eine andere geworden ist und  wir in der westlichen Welt beinah hilflos zusehen müssen, wie Angst und Schrecken anfangen unser Leben zu dominieren. Ich will es nicht. Ich will es ganz und gar nicht und es widerstrebt mir denjenigen, die meinen ihre Welt und Gesinnung wäre besser als die, die wir hier auf unserer christlich geprägten westlichen Erdhälfte vorfinden, damit Recht zu geben, dass ich anfange mein Leben zu ändern und mit unseren Traditionen breche. Es macht mich nicht nur wütend und zornig, sondern zusehend rebellischer.

In meiner Familie pflegen wir seit 25 Jahren eine gute alte Weihnachtstradition. Immer am 4 . Advent gehen wir als Familie über die Weihnachtsmärkte unserer Heimatstadt. Wir ergötzen uns an dem Lichterglanz, den vielfältigen Gerüchen und freuen uns einfach daran, dass wir lieben lachen und leben. Ich möchte fest halten an dieser Tradition, möchte diesbezüglich mein Leben keine Änderungen zumuten, denn es gehört für mich zu meiner Weihnachtszeit dazu. Ich möchte weiterhin nach christlichem Werten eine friedvolle und besinnliche Weihnachtszeit feiern und jede mögliche Tradition, die wir in unserer westlich christlichen geprägten Welt zelebrieren, sei es nun Weihnachten, Ostern oder Pfingsten oder ganz einfach ein sommerlicher Weingenuss am Elbstrand, oder der Hafengeburtstag ,  auch das gehört für mich zu Bräuche und Traditionen ,möchte ich ohne Sorge und Angst ausleben. Ja. Traditionen sind mir wichtig und heilig. Sie bedeuten für mich Freiheit genau das zu tun, was mir wichtig ist  und geben mir die  Möglichkeit meine Kultur zu leben und zu erleben.  Und so wird   aus dem Musical Anatevka plötzlich und unerwartet ein Synonym für die Werte, die  für meine westliche Welt und Kultur stehen. Wie in dieser kleinen Geschichte sollten wir aufstehen, zusammenhalten und mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln an unseren Traditionen und Bräuchen festhalten. Gemeinsam hat Angst und Schrecken keine Macht.

 

In diesem Sinne

Herzlichst eure Lilo.

 

 

Email