Lilo David 

Ihre Reise kann beginnen

Und es gibt sie doch.

Keine Sorge. Ich schreibe nicht von Begegnungen der dritten Art oder nächtlichen Beobachtungen kleiner grüner Marsmännchen.

Nein. Neulich, ich  saß mal wieder eine gefühlte Ewigkeit im Wartezimmer des Arztes meines Vertrauens ,  las ich , das amerikanische Wissenschaftler über Jahre eine Studie betrieben haben, die  endlich den  Beweis bringt  das wir in unseren Häusern und Wohnungen nicht alleine sind.

Wie ich finde ein tröstlicher Gedanke. Gerade für die vielen Single –Haushalte unter uns. Für die anderen sei gesagt. Wir teilen unsere vier Wände nicht nur mit Mann, Kinder, Hund, Katze, Oma. Opa oder Schwiegereltern, sondern, mit Hunderten von Insekten , die wir tagsüber nie oder kaum zu Gesicht bekommen.  

Sollte es bei ihnen also nachts mal scharren, knacken, kratzen oder andere Geräusche geben verwerfen Sie den Gedanken, dass böse Buben in ihr Haus schleichen und ihr Tafelsilber stibitzen.

Was sie hören sind unsere kleinen Mitbewohner.

Bis zu 100 verschiedene Insekten bevölkern unser Heim und das schon seit Jahrhunderten.

Und wir kriegen so gut wie nichts davon mit, was ich persönlich angesichts der Tatsache, dass mir nicht alle Insekten gefallen gar nicht mal so schlimm empfinde. Wer möchte schon Nacht für Nacht schleichende, krabbelnde und kriechende Insekten sehen.

Aber sie sind da. Eine für allemal  können wir uns dessen sicher sein.

Die kleinen Plagegeister sind überall. In den Schränken, unter den Betten , auf den Tischen, in den Vorhängen , unter und zwischen den Dielen und, wenn wir Pech haben sogar mitten im Bett. Alleine diese Vorstellung ruft bei mir  einen leichten Ekel hervor. Nicht nur das wir bereits unsere Betten mit Milben teilen. Nein. Jetzt dürfen wir auch noch Platz schaffen für zahlreiche andere kleine Störenfriede.

Die Frage lautet also. Sollten wir uns Nacht für Nacht auf die Lauer legen und ihnen das Handwerk legen? Oder sie geflissentlich ignorieren.

Frage eins beantwortet sich, wie ich finde, von selbst. Wenn wir Nacht für Nacht auf Insekten-pirsch gehen, werden wir irgendwann vor Müdigkeit unsere Augen nicht mehr aufbekommen, unter chronischer Erschöpfung leiden und wer weiß, vielleicht eines Tages sogar paranoid werden.  

Frage zwei klingt gut, wie ich finde. Ignorieren ist eine tolle Sache.

Man denkt einfach nicht daran und wenn man nachts doch mal  etwas hört oder sieht summt man einfach ein schönes Lied und denkt an etwas Anderes. Ist auf alle Fälle gesünder.

Aber was macht man, wenn man  tagsüber diese Plagegeister entdeckt.

Ja. Meine wehrten Leser. Da wird es mit dem Ignorieren schon wesentlich schwieriger.

Nicht alle Insekten halten sich an das Gebot, nur nachts unser heimisches Wohnzimmer zu belagern.

Vor Wochen saß ich in meinem Wintergarten und entdeckte auf meinem weißen Holzfußboden kleine, schwarze Krümel.  Noch dachte ich mir nichts dabei. Auch der besten Hausfrau kann mal etwas durch die Lappen gehen. Der Schaden war schnell behoben und mein Seelenfrieden war wieder hergestellt.

Doch schon am nächsten Morgen waren neue Krümel da. Was tut man, wenn man nicht weiß was es ist, man zeigt es jemanden der Ahnung hat. Mein Herzallerliebster meinte sofort: Das sind Mäuseködel.

Nichts ist schlimmer als Mäuse im Haus.

Also wurde die alte Mäusefalle aktiviert, mit Speck und Käse befüllt und unter dem Blumenbord gestellt. Aber auch nach einer Woche war weder eine Maus gefangen noch die Krümel weg.

Entnervt zeigte ich besagte Krümel Freunden, die stur und steif behauptete dass es sich eindeutig um Maulwurfkot handeln würde. Die Frage, wie ein Maulwurf in mein Wintergarten kommt, konnten sie mir jedoch auch nicht beantworten.

Also was tut eine gute Hausfrau in diesem Fall? Richtig. Ich räumte den gesamten Wintergarten aus, putze und tat mein bestes.  Ja. Ich klopfte sogar die Dielen ab und kroch auf allen Vieren über den Boden. In meiner Panik verlangte ich sogar, dass wir unter den Holzfußboden nach dem Eindringling suchen sollten. Natürlich zeigte mein Mann mir einen Vogel. An die Mär vom Maulwurf glaubte meine bessere Hälfte sowieso nicht.

Es war wie verhext. Jeden neuen Morgen lagen neue schwarze Krümel auf dem Boden. Aber weit und breit war nichts und niemand, ja nicht mal ein Käfer zu sehen. Von einer Maus oder einem Maulwurf mal ganz abgesehen.

Nach zwei Wochen hatte ich die Nase  gestrichen voll. Ich hatte ja schon Beklemmungen des Nachts aufs stille Örtchen zu gehen, aus Angst,  ich könnte ganze Horden von Mäusen und Maulwürfen begegnen.  Der Fachmann musste ran. Das war so sicher, wie das Amen in der Kirche.

 Und dann geschah das Wunder.

In einem meiner Blumentöpfe entdeckte ich etwas zartes, grünes und es war beileibe kein neues Blatt.  Dick und fett gefüttert und mich zum Narren haltend saß der Übeltäter  schlaftrunken in einem meiner Geranientöpfe. Ich hab nichts gegen Raupen. Aber bitte nicht in meinen Töpfen und schon gar nicht in meinem Wintergarten.

So schnell hab ich noch nie meine Blumen umgetopft. Und die Tatsache, dass wir Winter hatten fand ich in diesem Fall absolut unerheblich. Die Raupe und ihre Freunde hab ich mir nichts dir nichts vor die Tür gesetzt. Sollen sie sehen, wo sie bleiben. BEI MIR NICHT.

Tja. Und nun saß ich im Wartezimmer des Arztes meines Vertrauens und las, Sie sind unter uns…. Zuhauf, zu Tausenden und wir können nichts gegen sie tun.

Gestern, trank ich erneut  einen Kaffee im Wintergarten. Und was soll ich Ihnen sagen.

Plötzlich entdeckte ich etwas Schwarzes. Langsam bewegte es sich in Richtung Wand. Wie Jean d`Arc stürzte ich mich auf den Eindringling und machte ihm den Garaus, noch bevor er in  der Fußboden-ritze an der Wand verschwinden konnte.  

Vielleicht sollte ich, dachte ich, als ich den letzten Schluck aus meinem Becher trank.

Ist doch bald Wochenende. Und man könnte doch wirklich die Wohnung von Oben bis Unten …..

Und dann summte ich ein Lied…. Nur nicht daran denken…… Ignorieren – alles wird gut……

 

In diesem Sinne

Herzlichst eure Lilo 

 

 

 


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