Lilo David 

Ihre Reise kann beginnen

Von Erinnerungen, Erkenntnissen und der Wahrheit …..

Wenn grelle Scheinwerfer den Raum in rotem und gelben Licht tauchen, eine funkelnde Disco- Kugel flackernde Lichter auf weiße Hemden und Blusen zaubert, grau melierte Herren ihren Körper verrenken wie einst John Travolta in Saturday Night Fever, und sich gestandene Frauen  fühlen wie eine gerade eben auferstandene Disco-Queen und dann  alle gemeinsam  lauthals den Refrain von Major Tom grölen , ja dann befinden wir uns nicht in einer Szene aus Zurück  in die Vergangenheit , sondern, bei einer wie Pilze aus dem Boden wachsenden Ü 40 Party. Spaß und Muskelkater inklusive. Ich war dabei und was soll ich sagen, das  Disco- Fieber hat mich gepackt.

Dabei gehörte ich Ende der siebziger weiß Gott nicht zu den Hupfdohlen meiner Generation. Mir war das zu anstrengend. Nicht das Tanzen, aber das ganze Drumherum. Schon das dreistündige Vorprogramm raubte mir den letzten Nerv. Die Frage nach dem, was ziehe ich an und wie falle ich besonders auf,  brachte mir außer ein  unangenehmes Magen-grummeln nichts Positives ein. Nein. Ich  gehörte einfach nicht zu den Disco- Girls, die nächtelang  zu Rhythmen von Abba bis Zappa tanzten und deren einzige Sorge ihr Lidschatten war. Nicht, dass ich es nie versucht hätte. Damals, Mitte der siebziger konnten wir uns jeden Mittwoch im Haus der Jugend auf das große Ganze vorbereiten. Doch während meine Freundinnen ihr ersten zaghaften Annäherungsversuche und Verführungskünste ausprobierten, passte ich auf deren Jacken und Taschen auf. Natürlich fand ich das blöde. Aber es war halt so. Sie waren die Schwäne und ich das graue Entlein. Jahre später begriff  ich, dass aus mir nie eines dieser Mädchen-Mädchen-Typen werden würde. So sehr ich vielleicht auch den Wunsch gehabt hätte. Ab da schärfte ich meine politischen Interessen, kämpfte mich durch manche Diskussion und trug den Friedenstaube-Button  auf meinem Parka hocherhobenen Hauptes durch die Gegend. Meine Nische waren die unzähligen Studentenkneipen. Und zwischen dem ersten Glas Hannen –Alt und einem herzhaften Biss in ein Croque Monsieur oder Madam wurden weltbewegende Thesen aufgestellt. Geändert hat sich  die Welt nicht. Weder damals noch heute. Aber immerhin kann ich sagen. Ich war dabei.

Es war schon irgendwie eine seltsame Zeit. Eine , die bestimmt war durch Umbrüche, Widersprüche und Entscheidungen. An manchen Tagen war die Frage, welcher Gruppierung man angehören möchte oder wollte von immens großer Wichtigkeit. Da gab es kein Vielleicht oder mal sehen. Entweder oder- etwas anderes gab es nicht. Man tanzte entweder nächtelang im Posemuckel oder Top-Ten Außenmühle und scherte sich nicht  um das Geschehen drum herum, oder redete sich die Köpfe heiß und hoffte, man könnte mit einer einzige Demonstration die Welt für immer verändern.  

 Und nun beinah 40 Jahre später stehe ich unter gleißendem Scheinwerferlicht und tanze zu Klängen längst vergangener Zeit, als hätte ich nie etwas anderes getan.  Vergessen sind die mulmigen Gefühle, die Tränen, die  Widersprüche  und meine Wut dass ich in mancher Hinsicht damals anders aussah.

Alles was in dieser Nacht zählt ist der Spaß und die Freude am Leben. Natürlich, wenn man ganz genau hinsieht, erkennt man schon, wer damals zu welcher Gruppierung gehörte. Aber genau das macht es spannend und genial einfach. Es stört heute niemanden mehr und keiner fragt danach,  ob man früher der große Eintänzer, das Nachtschattengewächs oder ein Weltverbesserer war. Alles was zählt ist das Gefühl:  

„ Hey, wir können es noch genau so gut wie früher „

 Zugegeben. Die Musik dröhnt heute etwas lauter in den Ohren, die Unterhaltung endet dann doch  irgendwann in einem  Schreiwettbewerb  und nach einer halben Stunde Tanzen ist der einzig freigewordene Stuhl dein Himmelreich.  Man lacht über die gleichen schrägen Dinge wie damals und stellt fest, dass man sich  über den Eintänzer auf der Bühne köstlich amüsieren kann. Das Lästern kennt halt  kein Alter. Was soll`s.

 An so einem Abend stört es nicht, dass einem die Füße qualmen, man sich auf der Tanzfläche zwischen all den verengenden Massen sein Plätzchen sichern muss und  garantiert aus irgendeiner Ecke so ein Latin- Lover herangepirscht kommt und wie früher deine Freundin zuzwinkert und nicht dich.  Du stehst drüber, lächelst und zwinkerst ihr zu.

Das Gute ist am Heute ist, dass man seinen Wert kennt, man weiß wer man ist und das nichts im Leben wichtiger ist als mit sich im Reinen zu sein.  Und das bin ich. Heute mehr denn je.

Übrigens. Nächsten Monat gibt es erneut eine Ü 40 Party. Und wer weiß. Vielleicht bin ich wieder mit von der Partie, wenn meine Arthrose mitmacht und ich Zeit habe.  

 

Herzlichst

Ihre / eure Lilo         

       

  

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