Lilo David 

Ihre Reise kann beginnen

Von Glucken und nett gemeinten Ratschlägen  

„ Das bist du und so mögen wir dich.  sagte neulich ein Freund und eine Freundin meinte: „ Ja. Pedi ist eben unsere liebenswerte Glucke“, und  obwohl beides als  Kompliment gemeint war hab ich dennoch später, in heimischer Stiller, darüber nachdenken müssen.

Ist es wirklich so schlimm eine Glucke zu sein, wenn ich dann eine sein sollte? Oder anders gefragt, ab wann mutiert eine Mutter zur Glucke? Ehrlich gesagt, kann ich mir selbst diese Frage nicht beantworten, weil ich mich nie als solche bezeichnet habe und weit davon entfernt bin mich als solche zu fühlen.

Ja. Ich bin Mutter und das  mit kontinuierlicher Begeisterung  seit mittlerweile  29 Jahren. Meine drei Kinder und mein kleiner Enkel sind  das größte Glück in meinem Leben. Nicht einmal in meinen kühnsten Träumen hätte ich mir ein Leben ohne sie vorstellen können. Auch dann nicht, wenn es trotz alldem auch gelegentliche Momente gab, in denen ich sie hätte zum Mond schießen können. Ich bin Familienmensch und das durch und durch. Ist das ein Grund sich zu schämen oder sich zu rechtfertigen? Ich glaube nicht. Aber manchmal habe ich das Gefühl, als würde man sich für seine Verantwortung und für die  bedingungslose Liebe zu seinen Kindern ständig rechtfertigen müssen. Ganz besonders dann, wenn es darum geht Prioritäten zu setzen. Es stimmt. Noch immer entscheide  zu Gunsten meiner Familie, wenn es  darum geht, ob ich mit Freunden ein Wochenend-Trip unternehme, Verabredungen treffe, oder zu Partys und Geburtstagsfeiern gehe. Immer spielt es für mich eine große Rolle, ob ich es mit meinem Familiensinn in Einklang bringen kann. Sprich, wenn eines meiner Kinder in dem Moment Hilfe oder mütterliche Zuwendung, weshalb auch immer nötig hätte, wäre meine Entscheidung absolut klar.  Es liegt nicht daran, dass mir meine Freunde unwichtig sind, sondern daran, dass ich keine andere Entscheidung treffen kann, als die, die ich treffen würde.  Vielleicht erwarte ich da hin und wieder zu viel Verständnis und manchmal Nachsicht, wo andere keine Nachsicht mehr aufbringen können. Insofern mag mein Freund, mit seiner Äußerung Recht haben die Bezeichnung „ Glucke“  ist gar nicht so weit hergeholt.

 Wie ist es mit der Verantwortung. Kann man sie abgeben sobald die Kinder erwachsen sind. Ich für meinen Teil würde es als beinah unmöglich bezeichnen. Gut. Natürlich werden aus kleinen Kindern, Erwachsene  und da ist es absolut normal, dass sich die Wege von Kindern und Eltern trennen. Die Wege , aber doch nicht die Gefühle und die Verantwortung , die man selbstredend für sie getragen hat und trägt .  Mit Verantwortung meine ich nicht, dass ich sie bemuttere, ihnen die Nase putze und ihnen das Erwachsensein abspreche. Es ist vielmehr das Signal: „ Hey, du bist zwar erwachsen, aber wir sind immer noch für dich da. Unsere Tür ist offen, wann immer es vonnöten ist. Wir nehmen uns Zeit, wenn du sie brauchst“. Manche würden dazu sagen wir mutieren zu Eltern auf Abruf. Nehmen uns zurück und opfern uns für unsere Kinder. Entschuldigung. Aber ich sehe das vollkommen anders.  Ein Kind ist kein Mobiliar, das man sich irgendwann, weil man es schön fand gekauft hat und es über Jahre hegt und pflegt und es dann eines Tages, wenn es alt ist und hier und da Kratzer aufweist aus dem Hause wirft und seinem Schicksal überlässt. Eltern wird man nicht über Nacht und auch die lange Zeit einer Schwangerschaft macht einen nicht zu Eltern. Das Zusammenwachsen, das für einander da sein und die Verantwortung ist ein langer Prozess, dessen Grundstein zugegeben in Neun Monaten gelegt wird. Brand hat einmal gesagt „ Es wächst zusammen was zusammen gehört“. Selbstredend meinte er die damalige Wiedervereinigung. Aber ich finde, dieser Satz spiegelt ebenso gut die Verbindung zwischen Eltern und Kindern wieder.  

Wenn es etwas im Leben gibt, dass nicht danach fragt, ob es richtig oder falsch ist,  gut oder schlecht, viel oder zu wenig ist, dann ist es doch die unabdingbare Liebe und Verantwortung , die man seinen Kindern gegenüber empfindet.

Nur, weil sie Volljährig sind, vielleicht schon eine eigene Familie haben oder vielleicht irgendwo am anderen Ende der Welt leben hört das Eltern-sein doch nicht auf. Wie kann ich so tun als ginge mich ihr Leben nichts mehr an. Natürlich sollte man, respektive man muss sogar, eine gesunde Balance  zwischen mütterlicher Fürsorge und Einmischen finden. Aber nicht zu wissen, wie es ihnen geht, was sie fühlen, ob sie glücklich oder unglücklich sind, ob es ihnen gut oder schlecht geht, quasi mich aus ihrem Leben heraushalten erscheint mir völlig absurd. Wie kann Liebe und Fürsorge für meine Kinder, die ich Neun Monate in mir herum getragen,  unter Schmerzen auf diese Welt geholfen habe, die ich gefüttert, getröstet und liebkost und deren Tränen ich getrocknet habe verpuffen und weniger werden, nur weil sie erwachsen geworden sind und einige meinen, dass mein Verhalten übertrieben ist.

Das Eigenartigste an Kritik wie : Du immer mit deiner Fürsorge. Lass sie doch mal. Sie sind erwachsen“ kommt  irrwitziger Weise immer von denen, die selbst keinen Nachwuchs haben. Bitte, nicht falsch verstehen. Ich spreche niemanden die Fähigkeit ab Fürsorge für wen oder was auch immer zu empfinden und schon gar nicht die eigene Meinung. Dennoch ist es seltsam, dass man gerade von denen, die eigentlich nie mehr Verantwortung, als für sich selbst getragen haben  nett gemeinte Ratschläge erhält, wie man Kinder erziehen sollte, wie man sich ihnen gegenüber verhält und wie es sein sollte, wenn die Sprösslinge aus ihren Kinderschuhen entwachsen sind.

Mein Interesse am Leben meiner Kinder  ist ehrlich und absolut frei von Gegenleistungen.  Ich freue mich, dass sie die Klippen ins Erwachsenen- Leben mit Bravour genommen haben und es ist schön zu sehen, wie sie sich weiter entwickeln. Ich bin stolz darauf welches Verhältnis wir miteinander haben, auch wenn es manche anders sehen mögen

Unter Wikepdia steht zu den Begriffen:  Glucke,  Mutterglucke  folgendes:

Glucke auch Mutterglucke  ist eine Metapher für eine Mutter, die ihre Kinder übermäßig umsorgt und behütet.

Selbstredend gibt es Grenzen. Aber wer oder was entscheidet wo diese Grenze beginnt und ab wann mütterliches Interesse zu übertriebener Fürsorge  wird und man zur mütterlichen Glucke mutiert?  Ist es nicht so, dass die Entscheidung bei denen liegt, die es betrifft und bei niemanden sonst?

Ich habe das große Glück, Kinder zu haben, die mir eine große mütterliche Freiheit gewähren. Bislang bin ich damit gut gefahren und sollte es einmal zu viel sein bin ich mir sicher, dass ich ihre Signale nicht überhöre.

In diesem Sinne

Herzlichst eure Lilo

 

 

 

 

 

  

 

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