Lilo David 

Ihre Reise kann beginnen

Von Schlabberpullis, Jeans und einer gar unkonventionellen Kleiderordnung



Um festliche Kleidung wird gebeten,

stand auf der Einladungskarte. Und ehrlich gesagt, war ich heilfroh das schon mit der Einladung ganz deutlich gesagt wurde,  wie man sich anzuziehen hat. Für mich ein Garant nicht wieder eine der wenigen zu sein, die sich noch an die alte Benimm-Regel aus Großmutters Zeiten hält. Allzu oft fand ich mich im feinen Dress unter lauter Jeans und T-Shirt-Trägern wieder. Warum das so ist frage ich mich schon seit einer Weile. Bislang allerdings konnte ich mir keine meiner Fragen beantworten.  Es ist wie es ist. Sich chic anziehen scheint total aus der Mode gekommen zu sein.  Und dabei ist es im Prinzip doch ganz simpel. Zu manchen Gelegenheiten gehört es sich einfach nicht, dass man angezogen ist, als würde man geradewegs in den nächsten Supermarkt wollen oder mal eben nee Runde mit seinen Freunden abhängen. Ich finde, das kleine Benimm-Regeln von anno dazumal auch heute noch wichtig sind.

Feiert Oma also ihren achtzigsten, oder sonst wer einen runden Geburtstag oder Hochzeit erwarte ich einfach das die eingeladenen Gäste sich dem Anlass entsprechend kleiden. Ist das zu viel verlangt? Ich glaube nicht. Es ist für mich nicht nur eine Frage der Ehrerbietung dem Gastgeber gegenüber, sondern, schlichtweg eine Frage des Anstandes. Da ärgert es mich schon, wenn ich im feinen Zwirn neben jemanden stehe auf dessen T-Shirt noch die Tomatensoße vom Vortag rote Punkte hinterlassen hat und das Hinterteil seiner Jeans am Unterschenkel sitzt. Wenn dann derjenige auch noch völlig verblüfft nachfragt, ob auf der Einladungskarte irgendetwas von Kleiderordnung stand, kann mein Hals schon mal anschwellen

Hallo!. Muss wirklich explizit darauf hingewiesen werden, dass man sich zu  gewissen Anlässen entsprechend anziehen sollte. Also. Für mich gehört das zur guten Kinderstube und hat mit modernen Zeiten wenig zu tun. Da erhält der Spruch: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr „ doch gleich eine ganz besondere Bedeutung. Ich finde, dass man seinen Kindern durchaus beibringen sollte, dass es nach wie vor zum guten Ton gehört sich ab und an in Schale zu werfen.

Natürlich muss man nicht alles beibehalten. Und bei allem was mir Recht ist, gewissen alten Benimm – Regeln oder Ritualen trauere ich keinen Moment nach.  Mit  Abscheu denke ich heute noch an die Küsse und Wangenkneifer mancher Tanten. Gottlob hab ich meinen Kindern so etwas erspart. Sie mussten weder Knicksen noch Diener machen und schon gar nicht sich abknutschen lassen.  Aber bei der Frage: „ Reichen Jeans und Turnschuhe? „ gibt es für mich keine Diskussion. Mag sein, dass es einige für altmodisch und übertrieben empfinden. Ich für meinen Teil sehe es nicht so. Es gibt genügend Gelegenheiten, wo man seinem Schlabberlook ausgiebig frönen kann. Sollen sie in ihrer Freizeit herumlaufen wie es ihnen gefällt.  Für mich gilt nach wie vor die gute alte Kleiderordnung. Auch, wenn man der Jogginghose mittlerweile einen eigenen Feiertag gewidmet hat und wenn es chic ist, genau das zu tragen, worin man sich am wohlsten fühlt. Abgesehen davon fühle ich mich in adretter und schicker Kleidung niemals unwohl.

Selbstredend  sollte das Outfit zum Anlass passen. Es macht wenig Sinn zu einer Grill-feier im kleinen Schwarzen aufzutauchen, oder, in brauner Cordhose und gestreiftem Hemd zu einer Hochzeit zu erscheinen. Was nicht bedeutet, dass beides nicht gut aussehen kann. Niemand, am allerwenigsten ich streite ab, dass Jeans mittlerweile gesellschaftsfähig geworden sind. Kombiniert mit einer schönen Bluse und einem Blazer kann man durchaus eine gute Figur machen. Es  muss also nicht immer die große Abend-Garderobe sein. Und mal ehrlich, wann, wenn nicht so solchen Gelegenheiten hat man(n) und Frau schon die Möglichkeit aus dem vollen Kleiderschrank zu schöpfen, was er an feinem Zwirn hergibt? Doch, wenn ich mich umschaue ,sehe ich kaum noch Leute, die es für nötig befinden oder sich zu mindestens Gedanken, um eine gewisse Kleiderordnung machen. Ganz zu schweigen vom Verständnis und Anstand her.

Da fragt man sich doch woran es liegt. Haben die irgendetwas nicht mitbekommen, ist es ihnen egal, wie sie aussehen oder ist es eine Art „ Kleider-Selbstverwirklichung , so zu sagen, das  Recht auf einen eigenen unkonventionellen Stil? Seltsamerweise entdecke ich diese Art von „ Konfektions- Ignoranz“ immer häufiger bei denen, die  Ende vierzig, Anfang fünfzig sind. Mein Schwager meint, das sind all die, die eine unkonventionelle Erziehung genossen haben, oder, wie es in den Siebzigern Mode war Antiautoritär erzogen worden sind. Nun. Ganz so schwarz und weiß sehe ich die Sache nicht. Unter denjenigen finde ich oft genug welche, die sich ziemlich herausputzen, wenn es drauf ankommt.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen. Niemand sollte Overdress aussehen oder herausgeputzt sein wie ein Pfingstochse. Manchmal ist weniger mehr, wie der Volksmund so schön sagt. Aber sich Gedanken machen, dass sollte man schon und zwar nicht zu der Farbe seiner Jeanshose.   .

Übrigens. In wenigen Wochen haben wir ein großes Familienfest. Man darf also gespannt sein, wen ich wie angezogen antreffen werde  und vielleicht kann ich dann in einer  neuen Kolumne schreiben, dass in Sache Kleidung dieses Mal alles in Ordnung war. Auf den Rest hat man eh selten Einfluss.

 

In diesem Sinne

Herzlichst eure Lilo   

    

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