Lilo David 

Ihre Reise kann beginnen

 

 

 Warum ich Halloween eigentlich gar nicht feiern will oder, von Traditionen und Bräuchen.

  Georg Bernhard Shaw, sagte einst,:<< Tradition ist eine Laterne, der Dumme hält sich daran fest, dem Klugen leuchtet sie den Weg<< und im Duden wird Tradition wie folgt definiert:

 etwas, das seit vielen Generationen überliefert ist und als kultureller Wert gilt.

Nun bin ich nicht dumm und, ob ich aber immer klug bin, diese Entscheidung möchte ich hier und jetzt nicht treffen. Ich handle ebenso klug wie andere und manchmal auch ebenso dumm. Und, es kommt auch schon mal vor, dass ich ebenso dumm daher schwätze oder kluge Reden schwinge. Alles nur allzu menschlich würde ich behaupten. Dennoch möchte ich die Weisheit des Herrn Shaw nicht unbedingt teilen. Ich möchte sie deshalb nicht teilen, weil Traditionen und Bräuche für mich wichtig sind. Ich halte mich zwar nicht an ihnen fest und es kommt auch selten vor, dass sie mir meinen Weg erleuchten, aber ich empfinde sie, als kulturelles Gut. Denn, wer seine Kultur hochhält und sich nicht scheut, diese auch zu feiern, symbolisiert damit auch gewisse Werte seines Kulturkreises. Schämen muss man sich dafür nicht und man muss auch nicht in den dunklen Keller, um die Dinge zu tun, die zu dem jeweiligen Anlass gehören. Ich singe nach wie vor unterm Weihnachtsbaum, freue mich alljährlich auf liebenswerte Geburtstags-rituale, liebe Feste, wie Pfingsten und Ostern und auf meinen Glühwein auf einem traditionellen Weihnachtsmarkt lass ich nichts kommen. Traditionen und Bräuche sind es wert gelebt und geliebt zu werden. Gerade in heutigen Zeiten, wo man weitaus bemühter ist, es anderen Kulturen recht zu machen und sich gerne Multikulti gibt.

  In den vergangenen Jahren wurde es beinah zu einem Muss,  multikulturell zu denken, zu handeln und jedwede ethnische Gruppe nicht mit Bräuchen und Traditionen zu behelligen oder zu stören. Erinnern Sie sich noch an die leidliche Diskussion des vergangenen Jahres, wo es darum ging, ob man nach wie vor den Weihnachtsmarkt so bezeichnen sollte oder, nicht doch lieber auf Winterzauber umtauft! Was für eine doch überflüssige Diskussion. Doch, wer „ in „ sein wollte und will, ist  ein Global politisch korrekt denkender und handelnder Mensch. Das gilt für den Einzelnen ebenso, wie auch für eine ganze Gesellschaft. Um es allen recht zu machen, haben wir viel getan. Längst sind aus unserem Sprachgebrauch Begriffe, wie Negerkuss und Zigeuner Schnitzel verschwunden und, in manchen Kindergärten, ist es mittlerweile nicht mehr gerne gesehen, wenn klein Max als Indianer verkleidet und klein Lisa womöglich als Schwarze Köchin zum Fasching erscheint. Altes wurde durch Neues ersetzt und neue Bräuche und Sitten sind beinah über Nacht hinzugekommen.

 Neulich las ich in einem Artikel, dass bereits mehr als 40 %, der 15 bis 29- jährigen weder den Ursprung von Ostern noch von Pfingsten kennen und Weihnachten, als Erfindung einer weltweiten Konsumgesellschaft ansehen. Finde ich das traurig? Ja!  Denn ich glaube, dass es wichtig ist, Tradition und Bräuche an neue Generationen weiterzugeben und nicht nur das, sondern auch den jeweiligen Sinn, warum wir dies oder jenes feiern. Im gleichen Artikel las ich jedoch auch und das hat mich dann doch sehr erstaunt, dass diese Personengruppe dafür Halloween mittlerweile so vertraut ist, wie ein paar ausgelatschte Schuhe. Gut, in erster Linie sehen sie dahinter sicherlich den Fun - Faktor und weit weniger den eigentlichen Sinn. Und das Halloween zunehmend unserem Reformationstag den Rang abgelaufen hat, nehmen wir als selbstverständlich hin. Ich meine, wer interessiert sich heute noch wirklich für Martin Luther und seine 95 Thesen? Dass mittlerweile, in einigen Bundesländern der Reformationstag zu einem Feiertag deklariert wurde, ändert an der Sache auch nichts mehr. Die meisten und da nehme ich mich nicht aus,  freuen sich schlichtweg auf freie Stunden und einem langen ausschlafen. Dass man dazu noch feiern darf und sich in wilde gruselige Kostüme hüllt und Kinder an fremden Türen reichlich Süßigkeiten erhalten, kommt On Top noch dazu.

Hand auf Herz  - wissen Sie, was Halloween bedeutet und warum man es feiert? Nein? Um ehrlich zu sein, ich auch nicht! Unter Wikipedia steht dazu folgendes:    

 Halloween, feiert man am Vorabend des Allerheiligenfests in der Nacht vom 31. Oktober zum 1. November. Wussten Sie, dass das Wort „ Halloween“ auf das Wort „ All Hallows`Eve (Vorabend von Allerheiligen) zurückzuführen ist und es seinen eigentlichen Ursprung, so vermutet man zu mindestens, im keltischen hat? Da der Tag somit auch mit Allerheiligen verbunden war, wurde Halloween früher nur in katholisch gebliebenen Gebieten der britischen Inseln gefeiert, vor allem in Irland. Nach volkstümlicher Überlieferung war Jack O`Latern durch eine List aus der Hölle entkommen, als er aber in den Himmel kam war die Tür dort für ihn verschlossen. Jack war verdammt, ewig zwischen Hölle und Himmel zu wandern. Er war unterwegs mit einer Kerze in einer ausgehöhlten Rübe. Daher kommt der Brauch, Fratzen - Kürbisse auszuschneiden und zu beleuchten.

Irische Auswanderer brachten den Brauch im 19. Jahrhundert in die USA und Kanada, allerdings wurde es auf aufgrund seiner Attraktivität bald auch von Kindern anderer Einwanderer übernommen und entwickelte sich zu einem wichtigen Volksfest. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als die alte Ordnung wieder hergestellt war, fand dieses Fest dann auch Einzug nach Europa, wo es nun in noch stärker kommerzialisierter, vielfach veränderter Form gefeiert wird und in direkter Konkurrenz zum Reformationstag , mit dem es zeitlich zusammenfällt, steht.

Seit gut 15 Jahren feiern auch wir hierzulande Halloween und, obwohl ich Traditionen und Bräuche liebe, weigerte ich mich lange dieses dann doch eher britische- keltische Fest,  Einzug in mein Familienleben zu gewähren. Ich fand, es gehörte so ganz und gar nicht zu uns. Und mal ehrlich, uns norddeutschen Frohnaturen liegt das Verkleiden nun auch nicht gerade im Blut. Doch irgendwann, dank meiner Kinder, zog auch dieser Brauch, mit Fanfarenzug und vollem Ordinate bei uns ein.

Als ich meinen ersten Kürbis eigenhändig ausgehöhlt und mit einer gruseligen Fratze versehen hatte, war ich schweißgebadet. Eine Schüssel, bis zum Rand mit allerlei Süßigkeiten gefüllt wartete geduldig, wie ich, auf das, was kommen sollte. Dennoch, als die ersten  Kinder an unserer Haustür läuteten, fand ich es trotz Vorbereitung irgendwie befremdend. Das, blieb auch so im darauffolgenden Jahr und eigentlich auch in allen Jahren die danach kamen.

Klar, hat sich einiges seitdem verändert. Der frische Kürbis wurde  gegen einen aus Steingut eingetauscht, in unserem Vorgarten hängen kleine Geister, gruselig aussehende Monster, ein Skelett und eine wild aussehende Hexe und das, obwohl meine Kinder längst erwachsen sind. Und, wenn heute kleine Monster, Hexen und Teufel an unserer Haustür klingeln und ihren Spruch:< Süßes oder Saures „ aufsagen oder sich sogar dazu hinreißen lassen, ganze Verse zum Besten zu geben, habe auch ich mittlerweile meinen Spaß daran. Aber mehr auch nicht, denn nach wie vor, ist mir Halloween fremd. Es ist mir deshalb fremd, weil ich nie wirklich mit dem Herzen dabei bin. Ich laufe sozusagen im Mainstream mit und blöke, wie alle anderen Schafe die gleiche Melodie. Daran ändern auch keine noch so vielen Geister, Monster, Hexen und leuchtende Kürbisse etwas.

Traditionen und Feste, bedeuten für mich Freiheit genau das zu tun, was mir wichtig ist und am Herzen liegt. Sie bedeuten auch die Möglichkeit meine Kultur zu leben und zu erleben. Sie verbinden, bauen Brücken und sorgen für ein gutes gesellschaftliches Fundament und Miteinander. Sie sind und bleiben ein Synonym für Werte, Zusammenhalt, Familie, Gesellschaft und einer längst vergangenen Zeit. Brechen sie auseinander oder werden ständig durch Neues ersetzt, zerfällt auch eine gewisse kulturelle Identität.

Um etwas wirklich feiern zu können, es in seiner Gänze mitzutragen und es als Brauch zu sehen, bedarf es dann doch eher einen langen über Jahrzehnte gültigen kulturellen Hintergrund. Mit Halloween verbinden mich keine kindlichen Erinnerungen und ich habe weder Bilder noch Emotionen in meinem Kopf, wenn ich daran denke. Und so bleibt für mich und das trotz allem Budenzauber und Brimborium Halloween nichts weiter als ein abstraktes und künstlich hinzugefügtes Fest, dass mir weder den Weg leuchtet noch an dem ich mich vorher oder nachher lange festhalten möchte.  


Herzlichst eure / Ihre Lilo David.  

 

 

 

 

 

 

   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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