Lilo David 

Ihre Reise kann beginnen

Warum ich es dieses Jahr etwas ruhiger angehen möchte.

Ehrlich, wenn man mich fragen würde, welche Jahreszeit, mir die Liebste ist, würde ich ohne Umschweife die Weihnachtszeit nennen. Es stimmt schon, ich bin ein unverbesserlicher, romantisch verklärter Weihnachtsmensch. Keine Zeit kann mich mehr berühren und zu Tränen rühren, als die Zeit, in der Liebe und Nächstenliebe an erster Stelle steht. Wobei, steht sie denn wirklich an erster Stelle? Schaut man sich in der Welt um, dann können einem da schon Zweifel kommen. Aber ich will nicht Zweifeln, schauen und analysieren, sondern mich mit allen Facetten auf diese Zeit einlassen. Ich brauche das für mein Wohlbefinden. Das gebe ich unumwunden zu.

Draußen auf unserer Terrasse leuchtet seit einer Woche ein großer Weihnachtsbaum. Mein Mann hat ihn aus dem Garten gebuddelt und mit Sorgfalt in einen Topf gesetzt. Ja, ich weiß, wir sind früh dran. Eigentlich sollte man erst nach den dunklen Sonntagen, also Volkstrauertag und Totensonntag, seine Gärten und Fenster weihnachtlich schmücken. Aber, was soll`s. Nirgends steht geschrieben, dass man es nicht auch schon vorher darf. Schuld an unserem frühen Vogel Dasein hat mein Enkel. Dieses Jahr kann er die Zeit kaum abwarten, bis der Weihnachtsmann seine Runden dreht und, so ein früher Start, hat auch seine Vorteile. Während andere in ein oder zwei Wochen loslegen, können wir ganz beruhigt unsere Füße hochlegen und, die ersten Spekulatius und Pfeffernüsse genießen. Keine Hektik und übertriebenes Agieren. Genau das, ist es nämlich, was mir dieses Jahr am wichtigsten ist. Ich will es einfach ruhiger angehen lassen, als die Jahre zuvor. Will mich nicht mehr unter Druck setzen lassen und alles auf den letzten Drücker machen! Ob, es mir wirklich gelingt, weiß ich nicht. Schlussendlich nehme ich es mir jedes Jahr aufs Neue vor, nur, um dann festzustellen, dass ich mal wieder an meinen eigenen Ansprüchen gescheitert bin.

Aber warum ist es so schwer, die schönste Zeit des Jahres, ruhig und gelassen anzugehen? Lassen wir uns wirklich, von der Hektik der Anderen, mitreißen oder, haben wir einfach Angst das Beste zu verpassen, wenn wir nicht gefühlt hundertmal unseren Glühwein auf irgendeinem überfüllten Weihnachtsmarkt trinken, nicht , wie ein Irrer durch die Geschäfte hetzen, um das einzig wahre Weihnachtsgeschenk für unsere Liebsten zu ergattern und uns jetzt schon Gedanken über das opulente Weihnachtsmenü machen? Auf diese Fragen habe ich leider keine Antwort! Nicht, weil ich um Antwort verlegen wäre, sondern, weil ich mich jedes Jahr erneut genau in diese Hektik begebe und genauso , wie alle anderen hetze und tausend Dinge auf einem erledigen möchte.

Beim Blick in meinem Kalender stelle ich fest, dass schon einige Sonntage und Samstage vergeben sind. Da sind Verabredungen für besondere Weihnachtsmärkte, Treffen mit Freunden, das wundervolle Weihnachtskonzert im Michel, ein Konzertbesuch, ein Geschenk aus dem letzten Jahr und selbstredend natürlich die Weihnachtsbäckerei am heimischen Herd, die natürlich auf keinen Fall fehlen darf.

Dabei ist es doch vollkommen unwichtig, ob ich selbstgebackene Kekse auf den Tisch bringe, den Weihnachtsstollen,  nach originalem Rezept meiner Großmutter backe, den x- ten Weihnachtsmarkt besuche, nur, weil er verspricht anders, als alle anderen zu sein und es ist verdammt nochmal auch überhaupt nicht wichtig, das einzig wahre Geschenk zu besorgen.

Man muss sich nur mal fragen, worum es eigentlich in der Weihnachtszeit genau geht? Nirgends ist zu lesen, dass es dabei um das geht, was wir, die verwöhnte und im Überfluss lebende Gesellschaft daraus gemacht hat. Ja, klar, man möchte gerne alles perfekt haben und selbstredend seine Liebsten, mit Geschenken und köstlichem Gaumenschmaus verwöhnen. Da wird schon mal gerne drei Stunden nach dem passenden Parfüm gesucht, den Angeboten, der Elektrofachmärkten hinterhergerannt und bei besonderen Angeboten steht man ohne Bedenken früh morgens vor der verschlossenen Tür eines Marktes, nur um als Erster das Supersparangebot kaufen zu können.

Natürlich ist es nicht einfach sich alldem zu entziehen. Aber versuchen, dass sollten wir es alle. Wie wäre es, wenn wir dieses Jahr alle zusammen einen Weihnachts- Hektik- Boykott starten würde und uns eben nicht den allgemeinen Zwang, alles wundervoll und perfekt zu haben, unterwerfen? Was würde wirklich passieren? Nichts! Es würde rein gar nichts passieren, außer, dass wir der Zeit entspannter und gelassener entgegentreten und vielleicht auf den wahren Kern, dieser außergewöhnlichen Zeit stoßen.

Weihnachten, das Fest der Liebe. Es ist doch schon bezeichnend, dass wir Menschen nur einmal im Jahr so etwas Wunderbares, wie die Liebe feiern und dann tun wir es noch nicht mal mit allen Sinnen und in völliger Ruhe! Dabei ist die Liebe, leise und zerbrechlich. Wir, aber gehen jedes Jahr erneut mit großem Hammer und Brechstange durch die Welt und wundern uns, wenn wir am 24 .12, platt wie eine Flunder und müde der Feierlichkeiten auf dem Sofa sitzen. James Henry Leigh Hunt, ein Dichter und Denker, hat es mit wenigen Worten auf den Punkt gebracht.

<< Weihnachten ist die große Zeit des Zuviel<<

Zuviel des Wollens, des Möchten, des Schenkens und des Erlebens. Weihnachten ist für die Meisten ein riesengroßes Überraschungs-Ei. Voller Eifer nehmen wir es in unsere Hände, entfernen sorgfältig das glitzernde Papier, essen mit Gier die Schokolade, öffnen voller Erwartungen das Plastik- Ei und sind dann enttäuscht, weil es nicht das enthält, was wir eigentlich erwartet haben.

Bei meiner Recherche zu dieser Kolumne bin ich auf einen Satz gestoßen, dessen Verfasser zwar unbekannt ist, der mir dennoch tief aus meiner Seele spricht:

<< eine Kerze abbrennen zu lassen und sich wirklich einmal die Zeit dazu nehmen, gar nichts weiter zu tun als dieses. <<

Irgendwie , eine wundervolle Vorstellung. Und genau das will ich dieses Jahr tun. Ich will viele Kerzen abbrennen lassen, will mich einfach ruhig hinsetzen und meine Gedanken schweifen lassen, möchte die Zeit ruhig und besinnlich verbringen. Und, wenn am Ende nicht alles perfekt ist, so möchte ich darüber stehen und mich nicht darüber ärgern.

Weihnachten das Fest der Liebe. Und, vielleicht sollten wir diese an erster Stelle setzen und uns daran erinnern, warum wir überhaupt Weihnachten feiern. Es ist nämlich weder das Fest der Elektrofachmärkte, der Parfümerien  noch das Jubelfest von Amazon oder sonst irgendeinem Versandhandel, sondern wie beschrieb es Martin Luther so trefflich:

<< die Geburt Jesus in Bethlehem ist kein einmaliges Geschenk, sondern ein Geschenk, das ewig bleibt. <<

Übrigens. Gestern blieb an unserem Gartenzaun eine junge Familie, mit zwei kleinen Kindern stehen. Jubelnd und jauchzend quittierten die Kinder, unseren, mit bunten Kerzen behangenen Außenbaum. Als das ältere der beiden Kinder fröhlich und unbedarft, wie es nur Kinder sein können, voller Eifer auf unsere Terrasse laufen wollte , um sich unseren Baum näher anzusehen , wurde es, wie sollte es sein, von seinen Eltern, mit den Worten << das geht nicht, da wohnen Menschen<< davon abgehalten.

Also, meinetwegen hätten die Kleinen ruhig auf unserer Terrasse gekonnt, sollen sie sich doch alles ganz genau ansehen und den Zauber der Weihnacht auffangen. Wer weiß, vielleicht, würde ich dann einen meiner selbstgebackenen Kekse reichen oder verschmitzt lächelnd hinter der Fensterscheibe stehen und mich einfach darüber freuen.

Weihnachten kann kommen. Ich bin bereit!

 

In diesem Sinne

Herzliche Eure/ Ihre Lilo 

 

 

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