Lilo David 

Ihre Reise kann beginnen

was ist los mit euch jungen Muttis? Brauchtihrdaswirklich!

Dass wir für Berufe mittlerweile englische Bezeichnungen verwenden, sodass manch einer unter uns, der sich auf eine Stellenanzeige bewirbt, erst mal bei Google nachschlagen muss, um überhaupt zu wissen, was jetzt genau gesucht wird, ist nichts Neues. Dass es jetzt aber auch für die allgemein schnöde Hausfrau eine neue Bezeichnung gibt, die den alten Muff augenblicklich und innovativ übertüncht, ist mir neu. So geschehen, in einem Forum für Mütter. Und plötzlich klatschen alle Beifall und sind hellauf begeistert. Und ich habe mich gefragt, wer will hier eigentlich wen veräppeln? Wir Frauen uns selbst oder brauchen wir wirklich eine innovative, geistreiche und intellektuelle Bezeichnung für das, was seit Jahrtausenden von Müttern erbracht wird, nur um als modern und eloquent zu gelten? Anscheinend ja!

Früher war man Hausfrau und Mutter Punkt. Heute nennt man sich Selbstbetreuer und entscheidet sich ganz bewusst und mit viel Intellekt gegen Kitas und für eine selbstverantwortliche  Erziehung, als ob Mütter früherer Zeiten nicht auch schon selbstverantwortlich erziehen konnten. Man brüstet sich , wie selbstverständlich damit , dass man ja im Gegensatz zu früher, mit seinem Nachwuchs Museen und Tiergärten besucht und es sich so richtig gut in Wald und Heide gehen lässt und man sich und seinem Nachwuchst ganz neue Welten erschließt. Ich habe mich wahnsinnig darüber geärgert. Nicht nur über die neue Begrifflichkeit, sondern auch darüber, wie dreist sich junge Mütter heute aufwerten und gleichzeitig Hausfrauen früherer Generationen, auch meiner Generation, abwerten und nach wie vor als dumm, blöde und nicht emanzipiert hinstellen. In den Fünfzigern, Sechzigern, Siebzigern und sogar noch bis weit in die achtziger Jahre, war es gang und gäbe, dass die meisten Frauen Zuhause blieben und sich um den Nachwuchs kümmerten. Zum einen gab es weit weniger Kita Plätze als heute und zum anderen, war das Rollenverständnis ein vollkommen anderes als heute. Um arbeiten gehen zu können bedurfte es noch bis 1977 die Erlaubnis des Mannes und die meisten Arbeitgeber taten sich schwer junge gebärfähige Frauen einzustellen oder trauten ihnen einfach nicht zu Familie und Beruf in Einklang zu bringen. Die Freiheit, die ihr  heute habt, habt ihr euren Müttern und Großmüttern zu verdanken, die auf die Straße gingen, um für ihr Recht zu kämpfen. Emanzipation hat wenig zu tun damit, was ich beruflich mache oder wie ich mich nach außen darstelle, sondern immer und ausschließlich mit der inneren Einstellung und der Bereitschaft sich für seine Rechte einzusetzen! Was ist also so schlimm daran einfach zu sagen, ich bin Hausfrau und Mutter? Und, wer gibt euch das Recht, das, was eure  Mütter und Großmütter geleistet haben, heute ins Lächerliche zu ziehen nur deshalb, weil es euch anscheinend in einer Welt, wo die meisten Frauen Karriere machen wollen oder müssen, peinlich ist zu sagen << ich bleibe zuhause , weil ich es so will<<. Es ist eure Entscheidung und die bedarf ganz sicher keine neue Begrifflichkeit.

 Es wurde dennoch munter darauf losdiskutiert und manches von dem, was ich lesen durfte, hatte schon einen kolossalen Erheiterungswert. Da war die Rede davon, dass diese selbsternannten Selbstbetreuer, Gefahr laufen, dass ihre Kinder weit weniger soziale Kompetenz erlangen, eben, weil sie keinen Kindergarten besuchen und schon deshalb später in der Schule es schwerer haben werden. Ehrlich, als ich das las, platze mir buchstäblich der Kragen. Glaubt ihr ernsthaft, dass wir, die nicht in Kindergärten waren, schulunfähig und sozial minderbemittelt waren? Selbstverständlich waren unsere Mütter emanzipiert und wir Kinder waren ebenso fähig uns in der Schule einzuordnen und soziale Kompetenz zu zeigen. Wir konnten reden, gehen, teilen und empfanden genauso viel Empathie, wie die heutigen Kita- Kinder.  Ein wenig mehr Respekt und Achtung wäre hier wünschenswert. Ganz abgesehen davon, dass die neue und innovative Lebensform letztendlich ein alter Hut unter neuem Namen ist.  

Mein Sohn meinte gestern, << du regst dich aber auch immer über Sachen auf << Ja! Stimmt, das tue ich, weil ich manche Gedankengänge junger Mütter heute einfach nicht nachvollziehen kann und auch nicht verstehe, warum man sich gegenseitig nicht mal die Butter auf dem Brot gönnt? Da wird ellenlang darüber diskutiert, ob man sein Kind nun auf natürlicherweise oder doch lieber per Kaiserschnitt entbinden soll, weil eine natürliche Entbindung ja schmerzhaft ist und überhaupt nicht mehr zeitgemäß, ob es gescheiter ist, seinen Nachwuchs gleich in eine bilinguale Kita unterzubringen oder doch lieber die wählt, die zwar nur Deutsch anbietet, aber dafür ein hervorragendes Erziehungskonzept aufweist? Und man stellt sich doch tatsächlich die Frage, ob man aus ethnischen Gründen seine Kinder heute noch als Scheich zum Fasching schicken darf und, ob es nicht besser ist seinem Nachwuchs einen Namen zu geben, der nicht so deutsch klingt, damit man gleich zeigt, wie weltoffen und tolerant man anderen Völkern gegenüber ist! Eine der neuesten Erkenntnisse lautet übrigens „ Wir Eltern, was sind wir doch Meister des Wahnsinns. Verdammt, was wir alles können“. Wir müssen nicht nur Lehrer, Krankenschwester, Chauffeur und Streitschlichter sein, sondern Alleskönner. Ein Hoch auf uns!

 Als alter Hase, der ich nun mal bin, einen offenen Blick in einem Mütter Forum oder Blog zu werfen, eröffnet einem beinah eine neuartige Welt! Und nicht nur das! Es ist ebenso eine wunderbare Studie darüber, wie sich Mütter heute sehen und, wie viele unter Ihnen anscheinend, mit ihrer Entscheidung unzufrieden sind. Sie brauchen nicht nur Rat und Trost, sondern buhlen förmlich um Anerkennung und Akzeptanz. Da teilen andere arrogant und selbstgefällig anderen Müttern mit, wie dumm sie doch sind, wenn sie ihre eigenen Wünsche hinter denen ihrer Kinder stellen und wie großartig es ist, den ganzen Tag arbeiten zu gehen. Nur so könnte man ein schönes Leben mit Kindern führen, weil man zufriedenen ist, wenn die Karriere gut läuft. Wenn ich Dinge lese, wie << wozu habe ich einen Beruf erlernt oder studiert? Ich  gehe lieber arbeiten, als den ganzen Tag das Geplärre meiner Kinder zu hören, << frage ich mich allen Ernstes, wieso um alles in der Welt habt ihr Kinder bekommen, wenn sie euch doch so sehr nerven und ihr das Mutterdasein eigentlich ablehnt?   

Ob ich sie weiterhin ab und an lese? Klar! Nicht, weil ich mich gerne aufrege, sondern, weil mir so richtig bewusst wird, bei all deren Problemen und Themen, wie normal, wir alten Mütter doch eigentlich noch waren und wie einfach, wir das Leben mit unseren Kindern sahen. Wir taten Dinge, weil sie getan werden mussten, ohne uns dafür von anderen Lob abzuholen, wir waren ebenso Alleskönner, wie die Muttis heute und dafür brauchten wir kein Forum um anderen mitzuteilen, wie toll wir doch sind. Uns war es vollkommen wurscht, ob ein Kind Hans, Lieschen oder Saladin heißen müsste, um politisch korrekt zu gelten, wir haben unsere Kinder noch so bekommen, wie es die Natur vorsah und wir brauchten auch keine neue Begrifflichkeiten um uns zu mögen und akzeptiert zu fühlen. Das Geplärre unsere Kinder haben wir nicht zum Anlass dafür genommen, anderen Müttern zu sagen, wie blöd sie sind, wenn sie nicht arbeiten gehen und wir haben nicht versucht uns selber einzuholen bei dem Versuch andern zu beweisen, wie großartig wir, Kind und Beruf unter einen Hut bekommen. War unser Leben einfacher oder hatten wir keine Wünsche?  Nein! Mit Sicherheit hatten wir die. Aber wir haben nicht so viel Brimborium ums Muttersein gemacht und unsere Entscheidung für Kinder nicht tagtäglich infrage oder sie in Foren zur Diskussion gestellt. Eine gesunde und positive Einstellung dazu ist immer noch das beste Rezept.   

In diesem Sinne

Herzlichst eure Lilo

 

 

 

 

 

  

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