Lilo David 

Ihre Reise kann beginnen

Weihnachtsfeeling

 

Pünktlich, wie ein Schweizer Uhrwerk stellt sich zum ersten Advent bei mir jedes Jahr mein Weihnachtsgefühl ein. Auf keinen Fall früher. Da können in den Geschäften noch so viel Weihnachtsplätzchen, Baumkuchen und Christstollen herum liegen. Was Recht ist muss Recht bleiben. Weihnachten beginnt mit dem ersten Advent und keinen Tag früher. Apropos früher. Irgendwie war da mehr Lametta und überhaupt lief alles irgendwie wie geschnittenes Brot. Die Adventskalender wurden aufgehängt, die Sterne ans Fenster gebracht, manchmal sogar kleine Schneeflocken und überall glänzte es weihnachtlich. Aber irgendwie scheint der magische Zauber seit ein paar Jahren immer weniger zu werden. Vielleicht, weil meine Kinder mittlerweile alle aus ihren Schuhen herausgewachsen sind, es keine Adventskalender mehr gibt und dich auch sonst niemand mit leuchtenden Augen jeden Morgen aufs Neue fragt>> wann ist es endlich soweit? >>. Tja, die Weihnachtszeit ohne Kinder ist doch irgendwie anders. Man muss schon verdammt tief graben, um den Zauber der Weihnacht aus den tiefen seines Gemütes zu holen. Aber was soll`s  Wozu gibt es festlich beleuchtete Innenstädte und Weihnachtsmärkte. Was du dir selber nicht projizieren kannst, ja, das tun halt andere für dich. Deshalb sind wir , mein Mann und ich , am vergangenen Samstag los in die Innenstadt. Ja, ich weiß, es ist irrsinnig am ersten Adventssamstag sich ins Getümmel einer Millionen Stadt zu begeben. Aber was tut man nicht alles für dieses unbeschreibliche Weihnachtsfeeling! 

Natürlich wollte ich die Weihnachtsparade sehen und ein wenig zwischen den Buden der Weinachtsmärkte schlendern. Alles in Ruhe und ohne Hektik.  Also, kein Einkauf, kein Schlangestehen und erst Recht vom wohlverdienten Weihnachtsgeld noch keinen Pfennig ausgeben. Immerhin, noch habe ich die Wunschzettel meiner Lieben nicht gesehen. Das kommt traditionell erst am 6. 12. Ich weiß ja nicht, wie Sie es bei sich handhaben. Bei uns jedenfalls, holt der beste Freund des Weihnachtsmannes die Wunschlisten. Im Tausch gegen den Wunschzettel fanden die Kinder dann Süßigkeiten und eine kleine Überraschung in ihren Schuhen. Nun ja, wo ich gerade daran erinnert werde. Nikolaus ist mittlerweile auch Schnee von gestern. Wie gesagt, meine Kinder sind erwachsen. Dennoch ein bisschen Sturheit kann Weihnachten ab.

 Ich hab letzte Woche meinen Lieben , ganz modern, per Whats up den Hinweis gegeben, wer dieses Jahr etwas vom Weihnachtsmann haben möchte, möchte bitte bis zum 6. Dezember seine Wunschzettel bei uns einreichen. Gerne per Mail, Whats up oder Sprachnachricht, oder wem es beliebt darf es auch ganz altmodisch tun und einfach mal vorbeischneien. Tja, was soll ich sagen. Der eine schrieb zurück>> Oh monoman, ob ich das bis dahin weiß>>, der zweite antwortete gar nicht und die dritte im Bunde schrieb nur, die Wünsche ihres Sohnes auf. Matchbox-Autos und Duplo…. Da haben wir es mal wieder. Kein Verlass auf die Gören und eine Hilfe in Sachen Weihnachtsfeeling sind sie auch nicht mehr. Was bleibt da einem als Weihnachtsverwaiste – Eltern – Großeltern übrig als ab in die Stadt.

Warm eingepackt, denn es war kalt fuhren wir also frühen Nachmittag los. Mein Mann und ich machen  eigentlich gerne Park und Right. Eigentlich. An diesem Samstag nicht. Warum? Keine Ahnung. Vielleicht, weil Ehemänner, Väter und jung Großväter auch so allmählich in die Jahre kommen. Nö, mein Herzblatt ist gleich ab in die Stadt. Es ist ja auf einem Samstag auch gar kein Problem, ein Parkplatz zu finden. Den ersten, den er ansteuerte konnten wir nicht nehmen. Parkgebühren und leider schluckte dieser verdammte Kasten immer nur für eine Stunde. Mir wäre es ja egal gewesen. So ein Knöllchen zu Weihnachten hat doch auch etwas. Aber meinem Mann war das zu risikoreich. Also weiterfahren bis zum nächsten Haltepunkt. Dieses Mal waren zwei Parklücken frei. Aber wie der Teufel es will, leider für unseren SUV dann doch zu klein. Also wieder ein Stückchen weiterfahren. Auf diesem Weg  lernt man  die weihnachtliche Innenstadt wunderbar kennen. Beim dritten Anlaufpunkt schaute ich schon mal beschämt heimlich auf die Uhr. Wie gesagt, die Weihnachtsparade und nein, wir hatten keinen Zeitstress. Was soll ich sagen, der dritte Anlaufpunkt bot auch keinen geeigneten Parkplatz. Also Start zu Nummer vier . Am Ende fanden wir ein schnuckeliges Plätzchen unten am Hafen. Wer hätte das gedacht. Wobei, zu Weihnachten und dem ersten Adventssamstag hat der Hafen wohl  für einige Mitmenschen seinen Reiz verloren.

 Wer sich in Hamburg auskennt weiß, dass es von der Speicherstadt in die Innenstadt nicht allzu weit ist, und dennoch bei Kälte kein kurzer Spaziergang. Nach strammen Fußmarsch von 20 Minuten standen wir am Rathausmarkt. Vor uns, in leuchtenden Farben und einer Menschenmasse , die einen eher an einen Volksauflauf , als an einen ruhigen Gang durch die Gänge eines Weihnachtsmarktes erinnert, sahen wir den größten Weihnachtsmarkt unserer Stadt. Ein kurzer Blick, ein stummes Nicken und schon war mir klar, dass mein Mann hier nicht ins Getümmel wollte. Wir also  weiter. Aber, wenn Sie jetzt glauben, dass wir alleine auf weiter Flur waren so irren sie sich gewaltig. Die Innenstad war brechend voll und kaum ein Pflasterstein war in seiner ganzen Pracht zu sehen. Überall standen und gingen Menschen eilig hin und her. Hier und da sahen wir in den Geschäften Menschentrauben, die wie die Verrückten zwischen den Angeboten wühlten und irgendwann fanden wir auch den dezenten Hinweis dazu. Black Friday hieß das Zauberwort. Ein Ereignis, das mir völlig unbekannt war und wie Halloween einfach den Weg über den großen Teich gefunden hat. Mir war allerdings schleierhaft, wieso am Samstag noch Black Friday gefeiert wurde. Aber egal. Der deutsche Einzelhandel legt ja gerne nochmal eine Schippe obendrauf.  Die Straßen und Geschäfte waren übersät mit diesen Werbeaufstellern. Soviel zum dezenten Hinweis.  20 % auf alles, am Black Friday, stand da zu lesen und die Menschen kauften wie verrückt. Selbstredend konnte ich mich dem nicht entziehen. Schlussendlich bin ich auch nur eine Frau. Mit dem kurzen verbalen Hinweis und einem Lächeln, dass jeden Mann dahin schmelzen lässt, verkündete ich kurz>> Schatz, nur mal gucken>>……. Hab ich auch und zwar ungefähr vier Geschäfte und über eine Stunde lang. Brav wühlte ich wie alle anderen  in Kleiderstangen und Regalen herum, probierte hier und da etwas an und  ließ mich von dem Black Friday so richtig anstecken. Irgendwann standen wir dann in der Herrenabteilung. Im Augenwinkel sah ich dieses wahnsinnige Angebot. Nimm zwei bezahle einen, und dann noch 20 % Nachlass. Ich meine, wer kann da schon Nein sagen? Eine kluge Hausfrau auf keinen Fall, Mit Überredungskunst und lieben Worten  kriegte ich mein Herzblatt dazu wenigstens ein paar Pullover anzuprobieren. Nach dem sechsten war jedoch Schluss: > Nee, ich hab keine Lust mehr>> verkündete mein Mann und verwies dann mit den Worten >> Denk, du wolltest>>

Stimmt. Da war ja noch was. Das Einfangen des Weihnachtsfeeling mit allem Drum und Dran. Der einzige Grund , weshalb wir in die Stadt gefahren sind. Die Korrektheit meines Angetrauten kann einem aber auch jeden Spaß verderben. Nun gut. Kurz darauf standen wir also am Straßenrand und warteten auf die Weihnachtsparade. Das heißt, mein Mann wartete und ich stand da , voller Erwartung und diesem kleinen kindlichen Wohlbehagen und dachte die ganze Zeit: "  Sternenstaub bedecke mich, Weihnachtsfeeling nimm mich in deine wärmenden Arme und verzaubere mich. Und während ich  so da stand wurden meine  Füße immer kälter und der  kühlende Wind versetzte meinen Allerwertesten  trotz dicker Jacke und Hose  so allmählich in eine leichte Schockstarre.  Ehrlich. Mit einigen Körperteilen hätte ich gut und gerne  heiße Getränke auf kühlere Temperaturen bringen können.  Und dann  pünktlich um 17 Uhr hörten wir Fanfare und Glockenklang. Vier putzige und weihnachtlich zurechtgemachte  Wagen zogen an uns vorbei. Davor und danach tänzelten kleine Wichtel, Zwerge und Weihnachtsmänner zu weihnachtlichen Klängen. Ein bisschen Jingle Bells, ein wenig Tütü und künstlicher Schnee und schon war der Zauber vorbei. Das ging so schnell, dass  man nicht mal in Ruhe ein Vater unser hätte aufsagen können, geschweige denn, das  der erhoffte Sternen-Weihnachts-Staub auch nur annähernd auf mich herunterrieseln konnte . Noch ehe mich also  auch nur ein Hauch von Weihnachtsfeeling  am Kragen packte und mein Herz in wilder vorweihnachtlicher Stimmung versetzte , war der Umzug vorbei und ich stand da wie ein begossener Pudel. Ja, ich war enttäuscht und für einen kurzen, wirklich nur kurzen Moment  überkam mich der Gedanke, Mensch, da hättest du ja  auch ruhig weiter wühlen können und dann hielt ich inne. Warum?

Nun, wer Weihnachtsfeeling haben möchte, muss auch etwas dafür tun. Da reicht es  nicht aus  einfach in die Stadt zu fahren, sich im Gedränge der Geschäfte blaue Nasen und Schienbeine zu holen und einer zauberhaften, wenn auch kleinen Weihnachtsparade zuzusehen. Wer Sternenstaub , Glitzerkatzen und Weihnachten in sich spüren möchte, muss sich die Mühe machen es tief in sich zu suchen.  Dann ist es egal, wo du dich befindest und , ob um dich herum  Einsamkeit oder weihnachtlicher Trubel herrscht. 

Übrigens. Am Ende hat es dann doch noch geklappt. Ein kleiner Markt , mitten in der Stadt, mit kuscheligen Ecken und einem Tannenwald, zwei Gläsern Heidelbeere-Glühwein und einem wirklich netten Gespräch mit einer Familie, die gerade Besuch aus der Schweiz hatten.  Und plötzlich war sie da, meine Freude auf Weihnachten. 

Man muss nur die Ruhe  und die Bereitschaft in sich suchen, dann klappt es auch mit Weihnachten.  


 In diesem Sinne

Herzlichst eure Lilo.  

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