Lilo David 

Ihre Reise kann beginnen

Wie sieht es mit ihrer Zivilcourage aus? Oder, die drei Affen…..

Neulich bin ich mal wieder mit meinen Freundinnen im Kino gewesen. Eineinhalbstunden bei seichter Unterhaltung tut so gut. Man kann es sich ja nicht nur so herrlich bequem in den Kinosesseln machen, sondern, obendrein den Alltag vergessen und der Welt getrost für ein paar Stunden eine Absage erteilen. Eine kleine Auszeit von unschätzbaren Wert.

 Zufrieden und noch ganz beseelt von den wunderbaren Bildern des Filmes, verließen wir das Kino. Schnatternd, schlenderten wir die paar Schritte zur Busstation. Da standen wir nun, wartend und schnatternd wie die Hühner,  als plötzlich ein Mann so um die vierzig, ziemlich ungepflegt und allem Anschein nach mit nicht mehr alle Tassen im Oberstübchen, Pardon für diesen saloppen Ausdruck, sich der munteren Schar der Wartenden anschloss.  Es dauerte keine Minute, da fing besagter Mann an, einen älteren Herrn, der im Wartehäuschen saß, wüst zu beschimpfen. Und, als ob das nicht schon ausreichend genug gewesen wäre, bedachte er, eine ältere Dame, die sich kurz zuvor auf den Platz neben dem älteren Herrn gesetzt hatte ebenso mit unflätigen und beleidigenden Worten. Der Zauber der vergangenen Stunden war fort. Begraben unter den unflätigen Worten eines scheinbar geistig umnachteten Zeitgenossen und mir wurde ganz deutlich bewusst, dass ich gerade Zeuge eines ungeheuerlichen Vorgangs wurde.

 Wie es oft in solchen Fällen ist, drehten sich alle Wartenden peinlich berührt um. Niemand sagte oder tat etwas. Für einen kurzen Moment dachte ich, es den anderen gleich zu tun und mich wie diese Affen zu verhalten – nichts sehen, nichts hören, nichts sagen und dann plötzlich, sah ich, wie dieser pöbelnde Mann anfing, den älteren Herren mit leichten Fußtritten zu attackieren und ihn als Abschaum der Gesellschaft bezeichnen. Jetzt war das Fass am Überlaufen. Heroisch, wie Robin Hood, der Rächer der Witwen, Waisen und ganz sicher auch älteren Menschen trat ich diesem Verbal- Proleten mutig entgegen. Augenblicklich ließ er von den beiden Älteren ab. Logisch war ich fortan sein neues Opfer und ehrlich, war ich heilfroh, als der Bus endlich kam und wir einsteigen konnten, weil mir diese Situation nämlich hochnotpeinlich gewesen ist. Im Bus meinte meine Freundin dann<< Du warst ganz schön mutig>>

nun, warum schreibe ich heute darüber? Zum einen, weil mich diese Situation ebenso wie alle anderen maßlos erschreckt hat, ich über den letzten Satz meiner Freundin sehr lange hab nachdenken müssen und , zum anderen ich mir die Frage gestellt habe, mit welchem gesellschaftlichen  Wert man Zivilcourage messen kann?

Mein Fazit : mit keinem einzigen messbaren Wert. Zivilcourage, den Mut zu handeln oder es bleiben zu lassen, sollte jeder in dem Moment treffen dürfen, wenn es die Situation erfordert, und zwar ohne sich in irgendeinem Maß rechtfertigen zu müssen. Ja,  natürlich sollten wir mehr Zivilcourage an den Tag legen. Niemand ist vor Angriffen, ob verbal oder körperlich gefeit. Das, was wir in den Zeitungen lesen kann letztendlich jedem von uns passieren. Dazu bedarf es weder eine provokante Handlung noch eine bestimmte ethnische Zugehörigkeit. Dennoch glaube ich, ist ausbleibende Zivilcourage keine Frage des fehlenden Mutes eines Einzelnen, sondern, vielmehr die Frage danach, eine Situation richtig einschätzen zu können und mögliche Gefahren zu erkennen. Marodierende und randalierte Menschen kann man sich nicht als Einziger entgegenstellen. Das gleiche gilt ebenso  für Personen, die andere mit einem Messer oder harten körperlichen Angriffen attackieren. Hier Superman zu spielen kann unter Umständen bedeuten sich ebenso in Gefahr zu bringen.

 Ja, ich habe Zivilcourage gezeigt, hab nicht weggesehen, als andere meine Hilfe benötigten. Aber war ich deshalb mutig?

 Es war offensichtlich, dass mein Verbal- Prolet geistig nicht mehr als Stroh im Hirn hatte. Es ging also von ihm weder für mich noch für die Umstehenden eine große Gefahr aus. Mein Einschreiten war demzufolge keine große mutige Tat, sondern, eher die richtige Einschätzung, in einer etwas unangenehmen und zugegeben peinlichen Situation, mit wenigen aber bestimmten Sätzen diesem Verbal- Proleten in seine Schranken zu weisen. 

  Auf den Satz>> Du warst aber mutig<<  darf ich mich demnach weder ausruhen noch mich mit dem Lorbeerkranz einer Heldin schmücken.  Wäre es nämlich eine völlig andere und für alle gefährliche Situation gewesen, wäre mein Mut ebenso klein und unscheinbar gewesen, wie bei den meisten von uns. Die einzige Heldentat, die ich vollbracht hätte, wäre die Polizei anzurufen und um Hilfe zu bitten. 

Das mag für einige sonderbar klingen und manch einer wird anders darüber denken. Das Recht hat jeder. Mir liegt mir fern hier zu moralisieren oder den Zeigefinger zu erheben. Dennoch,in der heutigen Zeit ist Zivilcourage kein Selbstkgänger. Das bedeutet nicht , weg zu sehen, wenn Hilfe benötigt wird. Aber man sollte abwägen, was zu tun ist und, wie man am besten helfen kann  und nivht  versuchen wie Supermann oder Power Ranger zu agieren.  

   Darüber den Stab zu brechen sollte man nicht.  Lieber an die eigene Nase fassen und  sich fragen, wie weit die eigene Zivilcourage reicht, um in gewissen Situationen zu helfen oder, ob sie nicht eher in Siebenmeilenstiefeln das Weite sucht?

  Wie heißt ein  Zitat aus der Bibel das über Jahrtausende zu einer geflügelten Beschreibung selbstgerechten Verhaltens geworden ist

 wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein

und, weil ich ungern mit Steinen um mich werfe, nehme ich es meinen Freundinnen auch überhaupt nicht übel,  dass sie mir nicht ebenso heroisch zur Hilfe geeilt sind. Es bestand für mich weder Gefahr für Leib und Seele noch wäre es sinnvoll gewesen sich ebenso beschimpfen zu lassen. Ich bin mir sicher, wäre es auch nur einen Moment für mich gefährlich geworden, hätte ich auf ihrer Hilfe zählen können.

Gemeinsam kann man viel erreichen.

Denken wir einfach das nächste Mal daran, wenn andere Hilfe brauchen.

In diesem Sinne

Herzlichst eure Lilo

 

 

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