Lilo David 

Ihre Reise kann beginnen

Die spinnen die Sterne oder, wo sind Zauberstab, Flaschengeist und anderer Mumpitz?

 

Simsalabim, dreimal schwarzer Kater und das Leben ist perfekt! Ach, was für eine wundervolle Vorstellung ! Aber leider besitze ich weder einen Zauberstab, noch magische Kräfte und schon gar nicht sitzt in irgendeiner Flasche mein ganz persönlicher Geist. Dabei wäre es gar nicht so übel, wenn ich, von Zeit zu Zeit, auf einen Flaschengeist zurückgreifen könnte. Jupp, so eine Bezaubernde Jeannie würde mir gut gefallen. Schon in den späten sechziger Jahren, als ich  gebannt vor dem Fernseher saß und eine Folge nach der anderen der US- amerikanische Sendung sah, war ich fasziniert von dieser Vorstellung. Einmal habe ich sogar an einer alten Öllampe, die im elterlichen Schuppen ein tristes Dasein führte, so lange gerieben, bis mein Daumen rot wurde und ich darüber das Mittagessen vergaß. Doch statt eines schillernden, witzigen und Wunsch-erfüllenden Geistes, der urplötzlich in voller Größe vor mir stand, folgte lediglich eine elterliche Zurechtweisung und der gute Rat << Jeder ist seines Glückes Schmied>>. Überhaupt hielten meine Eltern sehr viel von althergebrachten Weisheiten. An der Wand, im stillen Örtchen,  stand auf einem Holzbrettchen der Satz<< wenn`s Arschel brummt ist Herzl g`sund<<, dies galt wohl mehr meinem Vater als uns Kindern. In der Essecke, in der Küche, stand zu lesen<< Morgenstunde hat Gold im Munde<<, was unsere allmorgendliche Konversation auch nicht besser machte. Morgenmuffel bleibt halt Morgenmuffel. Und im Flur hing der nette Hinweis << nach sieben mageren Jahren folgen sieben fette<<. Für alles andere gab  es die Sterne, denen meine Eltern, je nach Stimmung und persönlicher Lage gerne die Schuld in die Schuhe schoben.  Tja, die Sterne und kluge Weisheiten begleiten mich irgendwie mein  ganzes Leben. Kein Wunder also, dass ich mich heute noch immer nicht ganz frei davon machen kann. Kommt es dicke, lese ich mein Horoskop und, wenn es gar nichts mehr nutzt, zitiere ich völlig ungeniert eines der vielen Lebensweisheiten. Mein liebstes lautet übrigens „ viele Köche verderben den Brei“. Zitiere ich immer wieder gerne, wenn mir zu viele das gleiche wollen. Mit dem Schmied stehe ich jedoch irgendwie auf Kriegsfuß. Nicht jeder beherrscht die Schmiedekunst und bei der Sache mit dem Arsch`l hab ich auch so meine Einwände. Was ist mit denen, die eine miserable Verdauung haben? Darf man denen pauschal ein ungesundes Herz unterstellen? Mitnichten, denke ich. Und, was hat es mit den sieben mageren und sieben fetten Jahren auf sich? Nirgendwo steht zu lesen, wann die mageren anfangen, aufhören und durch die fetten Jahre ersetzt werden!  Es bleibt einem also selber überlassen es herauszufinden. Wobei ich ja manchmal den Verdacht hege, dass meine ganz persönlichen sieben mageren Jahre schon eine Ewigkeit anhalten und man einfach nur eine X- beliebige Zahl genommen hat, um andere in Sicherheit zu wiegen.  Aber wie gesagt, das ist rein subjektiv. Egal, was wir tun oder woran wir glauben, zu wissen oder sich vorzustellen, was uns vielleicht schon morgen oder übermorgen oder erst im nächsten Jahr widerfährt und, ob wir sogar irgendwann in Geld schwimmen, wie Rockefeller und so unsagbar glücklich werden, dass uns das Glück aus jedem Knopfloch entgegen lacht und man vielleicht doch irgendwie durch magischen Zuspruch und wie durch Zauberhand das Leben positiv verändern kann , gefällt jedem.

 Das Geschäft mit Wahrsagern, Pseudo- Astrologen, und sogenannten Wunderheilern boomt. Jeder fünfte Deutsche glaubt  an Horoskope und  52 % aller Deutschen sogar daran, dass eine höhere Macht ihr Leben beeinflusst. Keiner mag es zugeben, doch viele gehen zu Wahrsagern, lassen sich Horoskope erstellen oder von Wunderheilern beraten. Neu ist das nicht. Schon Konrad Adenauer etwa soll sich stets Rat bei seinem Astrologen geholt haben, der ehemalige US-Präsident Ronald Reagan auch und vom Medienmogul Leo Kirch heißt es, er habe angeblich keinen Schritt ohne seinen Schweizer Astrologen getan. Selbst Ludwig der XIV,  hat das Eröffnungsdatum seines monumentalen Schlosses auf die Wahrsagung und Weisung seines Astrologen gelegt. Also, keine Bange, wir befinden uns in gute Gesellschaft!

Zugegeben, für den einen ist und bleibt es Mumpitz und für den anderen essenziell wichtig. Die meisten, die Horoskope lesen und in der Venus oder im Mars nicht nur einfache Gesteinsbrocken sehen, die rein zufällig da oben herumschwirren, wissen sehr gut, dass nichts von alledem wirklich das Leben beeinflussen kann. Aber daran zu glauben, so wie damals an die Existenz der Bezaubernden Jeannie kann manchmal so beruhigend sein. Vielleicht, wenn die Sterne günstig stehen, zieht man doch irgendwann das große Los, oder findet die einzig wahre Liebe. Und, wer will schon genau wissen oder beurteilen, ob es da draußen nicht doch irgendetwas gibt, was die Geschicke leitet? Schieben wir die Schuld, also ruhig  auf ungünstige Sterne. Ich meine, wer will schon wirklich zugeben, dass er zum Schmieden einfach nicht geeignet ist und sich schon etliche Male seine Finger verbrannt hat?  

Eine Freundin z. B. bemüht Ihr Pendel, um zu wissen, was Ihr widerfährt oder, ob ein Vorhaben unter einem guten Stern steht. Sie schwört darauf! Andere wiederum lesen tagtäglich ihr Horoskop und machen ihre Entscheidungen davon abhängig, wieder andere lesen im Kaffeesatz oder zahlen Unmengen an Geld für Wahrsager. Welchen Mumpitz und Firlefanz ein jeder auch für sich in Anspruch nimmt, solange niemand dabei zu Schaden kommt, ist es doch absolut in Ordnung.

Neulich hat mich jemand gefragt, ob ich wirklich an die Macht der Sterne, also der Astrologie und Horoskopen glaube. Meine Antwort << Nein, aber es tut manchmal so verdammt gut, beruhigt die Seele und lässt Hoffnung aufkeimen, dass doch alles gut wird, << war absolut ehrlich gemeint.

 Ich glaube nicht daran, dass irgendeine Sternenkonstellation, oder der Monat und das Jahr meiner Geburt, auch nur irgendeinen direkten Einfluss auf mein Leben haben. Sehr wohl jedoch daran, dass es trotz aller Widersprüche, Skeptiker, Realisten und Analytiker, die gerne etwas anderes behaupten, es so etwas wie einen Lebensweg gibt, den wir gehen müssen. Egal, wie viel oder wie oft wir auch versuchen einen anderen Weg zu gehen oder einen Umweg in Kauf nehmen. Am Ende landen wir doch genau dort, wo wir hin sollen. Inwieweit wir dabei großes oder eher kleines Glück erleben, liegt dann doch wieder allein in unserer Hand.  

Und wem schadet es schon, auf dem Weg dorthin sich alle Hilfe, die nötig ist zu holen? Und sei es auch nur die Hilfe der Sterne.   

 

In diesem Sinne 

herzlichst eure Lilo  

 

 

 

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