Lilo David 

Ihre Reise kann beginnen

Wenn es im Kopf schwirrt, wie in einem Bienenstock oder von fehlender Gelassenheit!  

Sollte man sich Ruhe gönnen!

So sagt man doch, oder?

Und dennoch ist im Moment alles im Fluss und von allgemeiner Ruhe kann wohl kaum die Rede sein. Kein Tag vergeht, an dem man nicht irgendwelche Hiobsbotschaften liest oder hört. Egal, auf welchen geografischen Platz dieser Erde irgendwo ist immer ein neuer Brennpunkt. Und bei manchen Botschaften und Bildern, die man frei Haus geliefert bekommt, kann einem nicht nur die Luft wegbleiben, sondern man beginnt sich allmählich für seine eigene Komfortzone zu schämen. Und dennoch kann ich nicht wegsehen, weghören und nehme Anteil am Leid unzähliger Menschen, bin zornig und wütend über eine so maßlos ungerechte Welt und könnte alle machthungrigen Staatsmänner gleichzeitig in einen Sack stecken und zum Mars schicken. Gleichzeitig fühle ich mich müde, ob all des Leids auf unserem Planeten und bräuchte dringend eine neue innere Gelassenheit.     

Neulich schrieb mir eine gute Bekannte, das liegt daran, weil wir heute alle medial so verknüpft sind und nichts mehr unter den Teppich gekehrt werden kann. << Nimm dir deine Auszeiten und schau dir nicht alles an. Du kannst die Welt nicht retten<<. Klar, hat sie recht.  Früher hatten wir unsere Tageszeitungen und die täglichen 20 Uhr Nachrichten und, worüber die nicht schrieben oder berichteten das erfuhren wir auch nicht.  Irgendwie paradiesische Zustände, oder nicht?     

Heute ist es dank Internet und einer breiten Auswahl an Fernsehsendern aus aller Welt nicht mehr so einfach sich alldem zu entziehen. Mit Mausklick oder der Fernbedienung ist man mit dem aktuellen Weltgeschehen so zu sagen Face to Face verbunden. Liveticker und Videos auf YouTube oder Facebook sorgen dafür, dass man sozusagen hautnah dabei ist und seinen Blick bis ins Schlafzimmer mancher Leidtragenden hinein richten kann. Nichts bleibt einem verborgen -  weder die Bomben auf Idlib, noch schreiende Kinder auf Lesbos, keine weinenden Menschen vor ihren zertrümmerten Häusern, keine nach Hilfe rufenden Frauen und Kinder, keine Ertrinkenden, die in den überfluteten Gebieten in Indien um ihr Leben schwimmen, keine verzweifelt aussehenden Menschen, die vor den Flammen in Kalifornien davon laufen und selbst bei Attentaten oder schießwütigen Jugendlichen und Polizisten kann man, wenn man es dann möchte, live dabei sein. Wem, so frage ich, vergeht nicht der Appetit beim Anblick der verhungernden Kinder aus dem Jemen oder spürt seine Nackenhaare hochschnellen, wenn man Berichte über massenhafte Kinderpornografie und von Menschen liest, die sich jahrelang an unschuldigen Kindern vergangen haben?

 Wem, dass an Schlechtigkeiten aber noch nicht genug ist, hat Unmengen von Gelegenheiten und das auf fast allen social Media- Plattformen sich gleich mehreren gesellschaftlich politischen Gruppen anzuschließen. Ungeniert kann man dort, manchmal bis spät in die Nacht, sich über alle aktuellen Zeitgeschehnisse die Köpfe heiß reden und sich obendrein auch  gleich ein Stückchen besser fühlen, weil man ja etwas tut, etwas verändern will, Anteil nimmt am Leid, der ganze Welt und sich ebenso politisch wie gesellschaftlich positioniert und womöglich auch outet. Übrigens meine ich das überhaupt nicht abwertend. Im Gegenteil. Solche Gruppen sind heutzutage wichtig – leisten sie doch enorme gesellschaftliche Arbeit, fördern ein neues Miteinander, sorgen für einen regen intellektuellen Austausch und können zudem noch ein gutes Ventil für jedweden Zorn und Ärger sein.

 Die Welt ist ein mediales Theater geworden. Und wir alle sind entweder stille Statisten oder glänzen in kleineren Nebenrollen.

Aber egal, welche Rolle wir auch in diesem Theater übernehmen oder glauben einnehmen zu müssen, ob wir diejenigen sind die agieren oder einfach nur still zusehen - am Ende lässt es uns alle nicht unberührt. Und, weil es so ist, glaube ich, ist das Maß des Erträglichen erreicht.

 Der Gedanke, eines Morgens aufzuwachen und anstatt von Leid und Tod zu lesen und zu hören auf allen Kanälen unseres Globus nur noch bunte Schmetterlinge auf blühenden Wiesen, lachende und spielende Kinder, zufriedene und glückliche Menschen zu sehen, von sauberen Meeren und einer gesunden Ökobilanz zu lesen, mag zwar eine naive Vorstellung sein, aber sicherlich eine, die ich mit vielen teile. Der Wunsch nach einer heilen Welt liegt in jedem Geist tief verwurzelt. Und je mehr draußen in der Welt an Schlimmen passiert, desto mehr sehnt man sich danach. Das gilt für diejenigen die unter alldem Unbill zu leiden haben ebenso wie für diejenigen, die es tagtäglich auf allen Kanälen dieser Welt auf einem Silbertablett serviert bekommen.

 << je kaputter die Welt draußen, desto heiler muss sie zu Hause sein<< 

Schrieb einst mein Lieblingsbarde Reinhard Mey. Und dem ist meiner Ansicht nach auch nichts mehr hinzuzufügen.

Außer: Du kannst die Welt nicht retten aber versuchen sie jeden Tag ein wenig schöner sein zu lassen und, wenn du dazu etwas mehr Ruhe und Beschaulichkeit benötigst, so nimm sie dir und hab kein schlechtes Gewissen. Morgen ist auch noch ein Tag!

In diesem Sinne

Herzlichst eure / ihre Lilo David.  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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